Die Villa Sandrina zu Triesdorf

Es war der Architekt und Kunsthistoriker Niels Pelzer [Niels Pelzer, Historische Bauforschung/Denkmalpflege, Rehau], der kürzlich in zwei Führungen Haus, Garten und Umgriff der Villa Sandrina zu Triesdorf vorstellte.


Anlass dazu war der diesjährige Tag des offenen Denkmals der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit Sitz in Bonn. Pelzer ist in Triesdorf kein Unbekannter, ist er doch Beisitzer im Vorstand des Vereins der Freunde Triesdorf und Umgebung.

Niels Pelzer plant, die Ergebnisse seiner Forschungen als Buch vorzulegen, und hofft auf Unterstützung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in München.

Arno Störkel schreibt in seinem Buch „Christian Friedrich Carl Alexander. Der letzte Markgraf von Ansbach und Bayreuth“, Ansbach 1995, über das Fräulein Kurz: „Ihr Name taucht erstmals 1783 auf, als sie in Ansbach ein Haus kaufte und in Triesdorf ein weiteres zu bauen plante.“ (S. 216). Wie Niels Pelzer jetzt ausführte, wurde der Bau jedoch vom Markgrafen bezahlt und über seine Schatulle abgerechnet – also nicht aus der Staatskasse, sondern aus dem Privatvermögen des Fürsten finanziert.

Die Liaison mit der Madame Kurz war freilich nur von kurzer Dauer. Der Markgraf hatte eine neue Favoritin, die Lady Craven. Sie nannte das Haus „Villa Sandrina“ – Kurzform von Alessandrina – und somit nach dem Markgrafen (siehe Heinz Braun, Sommerresidenz Triesdorf, II. Baugeschichte der Anlagen, Kallmünz 1958). Doch statt selbst einzuziehen, wandelte Elizabeth Craven das Haus in einen Gasthof um und gründete im Gartenhaus eine Akademie der Künste und Wissenschaften. Aus Paris brachte die Craven dazu den Hotelier Mercier mit, der sich als Unternehmer um den Betrieb kümmern sollte.
Die Villa Sandrina wurde gebaut als Kurzisches Haus, später bekannt als Hotel d’Alexandre. Foto: Kerstin Kerschbaum

Gebaut wurde die Villa Sandrina im Jahr 1783 vom Ansbacher Maurermeister und Bauunternehmer Johann Caspar Wohlgemuth – im selben Jahr, in dem auch das Rote Schloss zu Triesdorf erheblich erweitert wurde. Der Grund dafür ist einfach: Markgraf Alexander wohnte fortan nur noch an seinem Landsitz zu Triesdorf. Die Villa Sandrina, deren ursprünglicher Name „Haus der Madame de Curz“ lautete, sollte die neue Mätresse des Markgrafen beherbergen.

„Die Villa Sandrina zu Triesdorf“ weiterlesen

Mademoiselle Clairon & der Markgraf Alexander von Brandenburg-Ansbach

Clairon mademoiselle mätresse markgraf Ansbach Auktion Neumeister

Als die Mademoiselle Clairon im Alter von 50 Jahren 1773 ihren Wohnsitz von Paris in das Fürstentum Ansbach verlegte, da war die Zeit für die einst große Schauspielerin der Comédie-Française zu Paris eigentlich schon vorbei.

Im Winter 1770 lernte Markgraf Alexander die einst bedeutende Actrice in einem der Pariser Salons kennen. Hippolyte Claire-Joseph Leris de La Tude, so der eigentliche Name der Clairon (Clairon ist tatsächlich eine hell klingende Signaltrompete beim Militär), unterhielt in Paris aber selbst einen berühmten Salon, der auch von den intellektuellen und literarischen Kreisen, etwa der Enzyklopädisten um Denis Diderot, besucht wurde.

  „Der 34-jährige Markgraf und die etwas ältere Künstlerin fassen schnell Zuneigung zueinander, und nachdem Mademoiselle Clairon sich im Frühjahr 1772 schon einmal in Ansbach umgesehen hatte, beschließt sie, endgültig in die fränkische Residenz überzusiedeln.“, so Peter Werth in seinem Aufsatz „Über Mademoisell Clairon (1723-1803)“ aus dem Buch „Triesdorf in Weidenbach“.

Tatsächlich wohnte die Clairon im Gesandtenhaus in Ansbach (heute Verwaltungsgericht) und, da der Markgraf seinen Wohnsitz zu Triesdorf unterhielt (Rotes Schloss), seit 1776 in einem eigens für sie errichteten Anbau im Weißen Schloss zu Triesdorf.

Sie war es, die es fertigbrachte, in der erzprotestantischen Residenzstadt Ansbach wieder katholische Gottesdienste stattfinden zu lassen. Bevor das Bethaus (die heutige Karlshalle am Karlsplatz) offiziell in Betrieb gehen konnte (1775), fanden die katholischen Gottesdienste in ihrem Haus im mehr oder minder privatem Rahmen statt.  

Hippolyte Clairon, gen. Mademoiselle Clairon, Muse und Mätresse des Markgrafen Alexander von Brandenburg Ansbach, Geschichte der Markgrafen von Ansbach
Das Bild wird von Neumeister Auktion 389, Kat.-Nr. 532 –
Gemälde und Graphiken 15. – 20. Jh. am 24. September 2020 zur Auktion angeboten.
Hippolyte Clairon, gen. Mademoiselle Clairon die erste Mätresse des Markgrafen von Ansbach

So schreibt in seinem Buch „Malerische Reise eines deutschen Künstlers nach Rom“ Johann Jakob Grund (Wien 1789): „Was Clairon bey ihrem wiederholten Aufenthalt in Anspach Gutes gestiftet hat, besteht in der Erlaubniß des Gottesdienstes, die sie dem kleinen Haufen der daselbst seßhaften Katholiken von dem gütigen und toleranten Fürsten ausgewirkt hat. Dieses wurde durch die besondere Freundschaft erleichtert, die zwischen dem Marggrafen und dem hochseligen Fürstbischofen von Würzburg durch viele Jahre bestanden hat.

Es wurde demnach ein Bethaus gebauet, wozu beyde Fürsten das ihrige beytrugen. Der Marggraf schenkte einen schönen Platz in der neuen Anlage dazu, dem Pallaste des vortrefflichen Ministers von Gemmingen gegenüber; und Fürst Seinsheim erleichterte die Baukosten aus seinem Beutel. Sonst besteht mit den Katholiken alles auf den Fuß, wie in Bayreuth. Der Pfarrer wird von Würzburg aufgestellt, und steht unter der Gerichtsbarkeit des Bischofs. Gleich anfangs wurde durch Veranlassung der Msll. Clairon der katholische Gottesdienst in einem grossen Zimmer im sogenannten Gesandtenhaus verrichtet, den ein erbetner Kanonikus vom eichstädtischen Landstädtchen Herrieden hielt.“  

Das Ende der Clairon im Fürstentum Ansbach verursachte die neue Freundin des Markgrafen Alexander, die wesentlich jüngere Schriftstellerin Lady Elizabeth Craven.
Werth schreibt dazu dramatisch, fast wie eine Regieanweisung für das Theater: „Während Alexander die Clairon weiterhin in gewohnter Großzügigkeit unterstützt und ihr noch im Jahr 1786 einen luxuriös eingerichteten Landsitz in Issy bei Paris kauft, sieht Lady Craven in der alternden Schauspielerin lediglich eine Rivalin, die es lächerlich zu machen und zu demütigen gilt. Schließlich kommt es zum endgültigen Zerwürfnis: Mademoiselle Clairon verlässt Ansbach und zieht sich nach Issy zurück, von wo aus sie tief verletzt dem Markgrafen einen langen Abschiedsbrief schreibt.“

Dass diesen Machtkampf um die Gunst des Markgrafen tatsächlich die jüngere Engländerin gewonnen hatte und nicht die ältere Französin, machte Lady Craven für alle klar – Hof und Volk – , indem sie in Triesdorf unter freiem Himmel eine Hofoper als Volksfest inszenierte (1787). Deshalb kann der Kauf des kleinen Schlosses bei Paris tatsächlich als Abfindung durch den Markgrafen betrachtet werden: Ein Altenteil in der Ferne für die einst enge Freundin.