Es war der Architekt und Kunsthistoriker Nils Pelzer aus Rehau, der kürzlich in zwei Führungen Haus, Garten und Umgriff der Villa Sandrina zu Triesdorf vorstellte. Anlass dazu war der diesjährige Tag des offenen Denkmals der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit Sitz in Bonn. Pelzer ist in Triesdorf kein Unbekannter, ist er doch Beisitzer im Vorstand des Vereins der Freunde Triesdorf und Umgebung. Nils Pelzer plant, die Ergebnisse seiner Forschungen als Buch vorzulegen, und hofft auf Unterstützung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in München.

Gebaut wurde die Villa Sandrina im Jahr 1783 vom Ansbacher Maurermeister und Bauunternehmer Johann Caspar Wohlgemuth – im selben Jahr, in dem auch das Rote Schloss zu Triesdorf erheblich erweitert wurde. Der Grund dafür ist einfach: Markgraf Alexander wohnte fortan nur noch an seinem Landsitz zu Triesdorf. Die Villa Sandrina, deren ursprünglicher Name „Haus der Madame de Curz“ lautete, sollte die neue Mätresse des Markgrafen beherbergen.
Arno Störkel schreibt in seinem Buch „Christian Friedrich Carl Alexander. Der letzte Markgraf von Ansbach und Bayreuth“, Ansbach 1995, über das Fräulein Kurz: „Ihr Name taucht erstmals 1783 auf, als sie in Ansbach ein Haus kaufte und in Triesdorf ein weiteres zu bauen plante.“ (S. 216). Wie Nils Pelzer jetzt ausführte, wurde der Bau jedoch vom Markgrafen bezahlt und über seine Schatulle abgerechnet – also nicht aus der Staatskasse, sondern aus dem Privatvermögen des Fürsten finanziert.
Die Liaison mit der Madame Kurz war freilich nur von kurzer Dauer. Der Markgraf hatte eine neue Favoritin, die Lady Craven. Sie nannte das Haus „Villa Sandrina“ – Kurzform von Alessandrina – und somit nach dem Markgrafen (siehe Heinz Braun, Sommerresidenz Triesdorf, II. Baugeschichte der Anlagen, Kallmünz 1958). Doch statt selbst einzuziehen, wandelte Elizabeth Craven das Haus in einen Gasthof um und gründete im Gartenhaus eine Akademie der Künste und Wissenschaften. Aus Paris brachte die Craven dazu den Hotelier Mercier mit, der sich als Unternehmer um den Betrieb kümmern sollte.
Die Craven reichte das Haus schließlich an ihre Gesellschafterin Susanna Heinrica Dejean weiter, die zweite Tochter des früheren reformierten Predigers zu Schwabach. Durch Heirat am 9. Dezember 1787 – direkt an Ort und Stelle im Hotel d’Alexandre – wurde der gelernte Metzger und frühere Gardesoldat Johann Andreas Schäfer neuer Gastwirt im Hotel d’Alexandre (Gasthof zum Alexander). Schäfer gelang es zudem, die herrschaftliche Brauerei in Weidenbach mit Branntweingerechtigkeit zu übernehmen.
Im Hotel d’Alexandre wohnte knapp zwei Jahre später der französische Hofschriftsteller Marquis de Bièvre, der auch kurz nach seiner Ankunft am 24. Oktober 1789 an den Pocken starb. Schäfer richtete dort auch den Leichenschmaus aus. Da Bièvre die Krankheit durch seinen vorherigen Aufenthalt in London mitgebracht und durch seine Entourage auch noch andere Hotelgäste angesteckt hatte, wurde der Gasthof in der Folge gemieden – und ging schließlich unter. Bereits 1792 wird der Gasthof in der Consignatio über die zu Triesdorf sich befindlichen Gebaeude [im Originaldokument so geschrieben, historische Orthographie beibehalten] nur noch als „das so genannte Hotel d’Alexandre“ gelistet. Er steht zu diesem Zeitpunkt also leer.
Der Verein stellt am 24. Oktober 2026 in der Villa Sandrina ein neues Triesdorfer Heft vor. Beginn ist um 19 Uhr. Darin findet sich auch ein Beitrag von Franziska Lehmann über den Marquis de Bièvre und dessen Grabmal zu Ornbau.

