Falkenjäger unter sich: Carl von Ansbach bei Clemens August von Köln in Brühl bei Bonn

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TRIESDORF/ALTENKIRCHEN

Falkenjagd  : Clemens August als Falkenjäger von Peter Jakob Horemans aus Schloss Augustusburg. Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl sind heute UNESCO-Welterbestätten. Foto: Horst Gummersbach.
Kurfürst Clemens August als Falkenjäger von Peter Jakob Horemans aus Schloss Augustusburg. Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl sind heute UNESCO-Welterbestätten. Foto: Horst Gummersbach.

Im Fürstentum Ansbach spielte die Falkenjagd eine herausragende Rolle. Bei der Hohen Beize, die allein dem Fürsten zustand, handelt es sich um die Jagd mit abgerichteten Raubvögeln, die hoch in der Luft andere Vögel von oben angreifen und nieder drücken und somit schlagen. Als besonderes Schauspiel war der Kampf zwischen dem Gerfalken (Islandfalke) und dem Graureiher hoch im Kurs. Es war Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, der dieser sehr teueren und aufwändigen Jagdform sein Leben widmete. Dass die Kinder aus der Verbindung mit seiner Nebenfrau Elisabeth Wünsch den Namen Falkenhausen erhielten, können wir heute dafür als Beweis gelten lassen.

In seinem Buch „Fürstliche Jagd im barocken Franken“ (Verlag C. und C. Rabenstein: Bayreuth 2012) schreibt Arno Störkel:
„Carl Wilhelm Friedrich hatte bereits ein Jahr nach seinem Regierungsantritt ein volles Hundert Falken im Dienst. Er wurde charakterisiert als ein Mann, den man den ganzen Tag mit dem Falken auf der Hand sah; er beschäftigte ein halbes Hundert Mann – inklusive eines eigenen Falkenmalers – allein für sein Hobby und ließ es sich über 50.000 fl. (Gulden) im Jahr kosten. Die Priorität, die die fauconerie bei ihm an Aufmerksamkeit und Geld genoss, brachte ihm schon früh Probleme in seiner Ehe und sein Land schließlich buchstäblich an den Rand des Ruins.“

Sitz der ansbachischen Falknerei war zuerst Triesdorf und später dann zusätzlich Gunzenhausen.

War die Falkenjagd für den Markgrafen von Ansbach wirklich nur Hobby? Tatsächlich muss man den Markgraf als Fürsten betrachten, als Ersten Politiker seines Territoriums. Und die Falkenjagd war ein Mittel, um sich mit anderen Fürsten und anderen Politikern zu treffen und zu messen. Dass Markgraf Carl beim Besuch seines Schwiegervaters Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg und König in Preußen zu Triesdorf eine Falkenjagd veranstaltete, zeigt die Dimension der Unternehmung. Wahrscheinlich wollte Markgraf Carl seinem Schwiegervater dadurch verdeutlichen, dass die Führung im gemeinsamen Haus Hohenzollern noch nicht ausgemacht ist.

Am 1. August 1741 fiel die Grafschaft Sayn-Altenkirchen an das Fürstentum Ansbach. Die kleine Grafschaft im Westerwald kam aus einer Erbschaft weit entfernter Verwandten an den Markgrafen. Zur Huldigung fuhr Carl Wilhelm Friedrich selbst dorthin. Carl Heinrich Ritter von Lang schreibt in seinem Aufsatz „Geschichte des vorletzten Markgrafen von Brandenburg-Ansbach (Carl Brügel: Ansbach 1848) nahezu verwundert: „Der Markgraf selber begab sich am 5. Oktober von Triesdorf aus dahin, um am 7. Oktober die feierliche Huldigung einzunehmen, während die Markgräfin ihrem geliebten vaterländischen Berlin zueilte. Im Gefolge des Fürsten befanden sich die glücklichen Günstlinge, der Oberst=Reisestallmeister v. Schenk und der Falkenmeister v. Heidenab, der Sekretär Holle, der Kammerdiener Binder, der Kammer=Courier Ritter und der ehemalige Feuchtwanger Burgermeister und lustige Rath Wünschenmayer, der durch die Künste der Höflinge zum Narren gemacht, überall in einer ungeheuern Allonge=Perücke, und mit einem kolossalen Kammerherrnschlüssel und erdichteten Orden behängt, daher stolzierte. Am 15. Oktober wurde dem Kurfürsten von Köln ein Besuch in Bonn abgestattet.“

Bei dem ganzen Vorgang fällt auf, dass der evangelisch-lutherische Markgraf – selbst Bischof – und sein Falkenmeister Ernst Wilhelm Anton von Heydenab gemeinsam den Kurfürsten Clemens August von Baiern besuchen und somit den katholischen Erzbischof von Köln. Er, der Bruder des künftigen Kaisers Carl VII. und aus dem mit Hohenzollern und Habsburg konkurrierenden Haus Wittelsbach, war ein ebenso großer Falkner wie der Markgraf.

Leider wissen wir heute nicht, was während des ansbachischen Besuchs in Bonn besprochen wurde. Tatsache ist aber, dass das Jagdschloss Falkenlust des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August nur wenige Jahre vorher fertiggestellt wurde (1737). Architekt war der berühmte kurbayerische Hofbaumeister François de Cuvilliés. Es fällt schwer anzunehmen, dass die beiden Spitzenpolitiker sich nur über Falken und andere Vögel ausgetauscht haben. Wahrscheinlich wurde hierbei auch Politik gemacht und Beschlüsse besiegelt. Somit können wir der Falkenjagd einen staatstragenden Charakter zusprechen. Und den Markgrafen Carl als Staatsmann ansprechen. Denn gleichzeitig war die Ehefrau des Markgrafen, Friederike Louise, bei ihrem Bruder, dem König Friedrich II. in Preußen. Wahrscheinlich wurde hierbei auch nicht nur über die Musik gesprochen, sondern ebenfalls Politik gemacht. Alles ist Kultur, alles ist Politik.

Mademoiselle Clairon & der Markgraf Alexander von Brandenburg-Ansbach

Clairon mademoiselle mätresse markgraf Ansbach Auktion Neumeister

Als die Mademoiselle Clairon im Alter von 50 Jahren 1773 ihren Wohnsitz von Paris in das Fürstentum Ansbach verlegte, da war die Zeit für die einst große Schauspielerin der Comédie-Française zu Paris eigentlich schon vorbei.

Im Winter 1770 lernte Markgraf Alexander die einst bedeutende Actrice in einem der Pariser Salons kennen. Hippolyte Claire-Joseph Leris de La Tude, so der eigentliche Name der Clairon (Clairon ist tatsächlich eine hell klingende Signaltrompete beim Militär), unterhielt in Paris aber selbst einen berühmten Salon, der auch von den intellektuellen und literarischen Kreisen, etwa der Enzyklopädisten um Denis Diderot, besucht wurde.

  „Der 34-jährige Markgraf und die etwas ältere Künstlerin fassen schnell Zuneigung zueinander, und nachdem Mademoiselle Clairon sich im Frühjahr 1772 schon einmal in Ansbach umgesehen hatte, beschließt sie, endgültig in die fränkische Residenz überzusiedeln.“, so Peter Werth in seinem Aufsatz „Über Mademoisell Clairon (1723-1803)“ aus dem Buch „Triesdorf in Weidenbach“.

Tatsächlich wohnte die Clairon im Gesandtenhaus in Ansbach (heute Verwaltungsgericht) und, da der Markgraf seinen Wohnsitz zu Triesdorf unterhielt (Rotes Schloss), seit 1776 in einem eigens für sie errichteten Anbau im Weißen Schloss zu Triesdorf.

Sie war es, die es fertigbrachte, in der erzprotestantischen Residenzstadt Ansbach wieder katholische Gottesdienste stattfinden zu lassen. Bevor das Bethaus (die heutige Karlshalle am Karlsplatz) offiziell in Betrieb gehen konnte (1775), fanden die katholischen Gottesdienste in ihrem Haus im mehr oder minder privatem Rahmen statt.  

Hippolyte Clairon, gen. Mademoiselle Clairon, Muse und Mätresse des Markgrafen Alexander von Brandenburg Ansbach, Geschichte der Markgrafen von Ansbach
Das Bild wird von Neumeister Auktion 389, Kat.-Nr. 532 –
Gemälde und Graphiken 15. – 20. Jh. am 24. September 2020 zur Auktion angeboten.
Hippolyte Clairon, gen. Mademoiselle Clairon die erste Mätresse des Markgrafen von Ansbach

So schreibt in seinem Buch „Malerische Reise eines deutschen Künstlers nach Rom“ Johann Jakob Grund (Wien 1789): „Was Clairon bey ihrem wiederholten Aufenthalt in Anspach Gutes gestiftet hat, besteht in der Erlaubniß des Gottesdienstes, die sie dem kleinen Haufen der daselbst seßhaften Katholiken von dem gütigen und toleranten Fürsten ausgewirkt hat. Dieses wurde durch die besondere Freundschaft erleichtert, die zwischen dem Marggrafen und dem hochseligen Fürstbischofen von Würzburg durch viele Jahre bestanden hat.

Es wurde demnach ein Bethaus gebauet, wozu beyde Fürsten das ihrige beytrugen. Der Marggraf schenkte einen schönen Platz in der neuen Anlage dazu, dem Pallaste des vortrefflichen Ministers von Gemmingen gegenüber; und Fürst Seinsheim erleichterte die Baukosten aus seinem Beutel. Sonst besteht mit den Katholiken alles auf den Fuß, wie in Bayreuth. Der Pfarrer wird von Würzburg aufgestellt, und steht unter der Gerichtsbarkeit des Bischofs. Gleich anfangs wurde durch Veranlassung der Msll. Clairon der katholische Gottesdienst in einem grossen Zimmer im sogenannten Gesandtenhaus verrichtet, den ein erbetner Kanonikus vom eichstädtischen Landstädtchen Herrieden hielt.“  

Das Ende der Clairon im Fürstentum Ansbach verursachte die neue Freundin des Markgrafen Alexander, die wesentlich jüngere Schriftstellerin Lady Elizabeth Craven.
Werth schreibt dazu dramatisch, fast wie eine Regieanweisung für das Theater: „Während Alexander die Clairon weiterhin in gewohnter Großzügigkeit unterstützt und ihr noch im Jahr 1786 einen luxuriös eingerichteten Landsitz in Issy bei Paris kauft, sieht Lady Craven in der alternden Schauspielerin lediglich eine Rivalin, die es lächerlich zu machen und zu demütigen gilt. Schließlich kommt es zum endgültigen Zerwürfnis: Mademoiselle Clairon verlässt Ansbach und zieht sich nach Issy zurück, von wo aus sie tief verletzt dem Markgrafen einen langen Abschiedsbrief schreibt.“

Dass diesen Machtkampf um die Gunst des Markgrafen tatsächlich die jüngere Engländerin gewonnen hatte und nicht die ältere Französin, machte Lady Craven für alle klar – Hof und Volk – , indem sie in Triesdorf unter freiem Himmel eine Hofoper als Volksfest inszenierte (1787). Deshalb kann der Kauf des kleinen Schlosses bei Paris tatsächlich als Abfindung durch den Markgrafen betrachtet werden: Ein Altenteil in der Ferne für die einst enge Freundin.

Der Markgraf und sein Stallmeister

Stallmeister von Mardefeld - Markgrafen von Ansbach Foto: Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung

ANSBACH/WEIDENBACH – TRIESDORF

Martin Krieger beschreibt in seinem Nachschlagewerk „Die Ansbacher Hofmaler des 17. und 18. Jahrhunderts“ (Ansbach 1966) das Bild „Johann Wilhelm von Mardefeld neben einem Schimmel“, welches vom Ansbacher Hofmalers Johann Michael Schwabeda stammt und im Markgrafenmuseum Ansbach ausgestellt wird.


Datiert ist das Bild auf das Jahr 1775 und zeigt den damals 14-Jährigen als markgräflichen Reitjungen.
Mit 22 Jahren heiratet Mardefeld im Roten Schloss zu Triesdorf – dort hatte Markgraf Alexander eine Schlosskapelle einrichten lassen – die Erste Hofdame Friederica Carolina Ernestina von Werneck.Stallmeister von Mardefeld - Markgrafen von Ansbach Foto: Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung

Am 12. Februar 1787 wird der Sohn Alexander Christian Carl Wilhelm Axel von Mardefeld getauft. Der Pate des Jungen ist Markgraf Alexander.

Tatsächlich ist der wirkliche Kammerherr und Stallmeister Johann Wilhelm von Mardefeld ein wichtiger Vertrauter des Markgrafen. Als Alexander auf dem Weg ins selbst gewählte Exil England ist, kommt die große Stunde des Stallmeisters und bringt ihm einen Eintrag ein in das Geschichtsbuch „Christian Friedrich Carl Alexander – Der letzte Markgraf von Ansbach-Bayreuth“ von Arno Störkel beschert (Ansbach 1995).

Als 1791 Alexander in Ostende ist, also in den Österreichischen Niederlanden, schickt er seinen Stallmeister nach Ansbach zurück, um seine geliebten Pferde zu holen und um sein Bargeld samt seinem Guthaben bei der Bank von Ansbach auf das Konto seiner englischen Bank in Ostende zu überweisen.

Mardefeld selbst geht nicht mit nach England. Zu Hause warten die Familie und private Geschäfte. Unter anderem führt er das gut gehende Gasthaus zum Milanen im Weidenbacher Torhaus.

Wir können davon ausgehen, dass das Wirtshaus die Stammkneipe des Markgrafen war, liegt sie doch verkehrsgünstig auf halber Strecke zwischen Rotem Schloss zu Triesdorf und Hofkirche zu Weidenbach. Heute kann man sich im Gasthaus Eder in Weidenbach-Triesdorf die Ansbachischen Bratwürste samt dunklem Bier aus Marktsteft schmecken lassen.

Ansbacher Porzellan aus der Porzellanfabrik Bruckberg im Bildbändchen „Mon Plaisir“

Ansbacher Türkenbecher mit Widmung

ANSBACH/BRUCKBERG – Der Antiquitätenhändler Christian Eichinger aus Ansbach hat mit der Herausgabe des Liebhaberbuchs „Mon Plaisir“ den Erzeugnissen der „Ansbacher Porzellanmanufaktur 1757-1860“ ein Denkmal gesetzt.

 Ansbacher Türkenbecher mit Widmung Ansbacher Porzellan Türkenköppchen
Ansbacher Türkenbecher mit Widmung| Ansbacher Porzellan |Türkenkoppchen Bildrechte: Florian Eichinger

In sehr schönen Bildern von Florian Eichinger werden die Teller, Kannen und Figuren, insbesondere die „Türkenkoppchen“ für den Export an die Hohe Pforte nach Konstantinopel, auf 86 Seiten vorgestellt.

Dass die Exponate dabei aus privaten Sammlungen stammen, versteht sich bei einem Antiquitätenhändler ja fast von selbst. Leider hat der Herausgeber auf ein Vorwort verzichtet, dafür aber „eine von der hohen Qualität des Ansbacher Porzellans überzeugte Sammlerin“ – wahrscheinlich seine eigene Ehefrau und vermutliche Initiatorin des Werks – zu Wort kommen lassen:

„Zu Zeiten eines umfassenden Kulturtourismus, in denen man für einen Besuch der Uffizien in Florenz schon Tage vorher eine Karte kaufen muss, um dann zu einer bestimmten Uhrzeit in einer vorgegebenen Zeitspanne hindurchgeschleust zu werden, ist es höchste Zeit, einen fast frei zugänglichen Schatz vor unseren Haustüren zu heben und die Porzellansammlungen in der gotischen Halle des Ansbacher Schlosses und im außergewöhnlich ansprechend konzipierten Markgrafenmuseum (Ansbach) ins öffentliche Interesse zu rücken.

Mit diesem bewusst bescheiden gehaltenem Bildbändchen wollen wir der breiten Öffentlichkeit eine weitere Quelle bieten, die Schönheit und hohe Qualität des Ansbacher `weißen Goldes` zu entdecken.“

Eine kurze Chronik der Ansbacher Porzellanfabrik ergänzt das Gemeinschaftsprojekt der Familie Eichinger mit einer kleinen Zeittafel, wobei allerdings auf die Unsicherheit der Gründung (1757 oder 1762) nicht eingegangen wird. Dass Markgraf Alexander von Brandenburg-Ansbach sehr stolz auf seine Fabrik war, beweist die auf der letzten Seite des Buchs abgebildete Silbermünze von 1767: Alexander als Gründer auf der Vorderseite, auf der Rückseite das Schloss Bruckberg als Sitz der Manufaktur.

Das Buch kostet 15 Euro und ist erhältlich in Ansbach bei der Fr. Seybold`s Sortiments-Buchhandlung .

Porzellanmanufaktur Ansbach Bruckberg

Die Porzellanmanufaktur Ansbach-Bruckberg ging 1758 aus der 1710 von Markgraf Wilhelm Friedrich gegründeten Ansbacher Fayencemanufaktur hervor. Zu diesem Zweck hatte Markgraf Alexander Arbeiter aus Meißen angeworben. 1763 wurde die Manufaktur in das Jagdschloss Bruckberg verlegt. Als Ansbach 1806 dem neu gegründeten Königreich Bayern zufiel, wurde der Betrieb privatisiert. 1860 ging die Manufaktur in Konkurs. Bekannt wurde die Manufaktur im 18. Jahrhundert besonders durch elegante Tafelgeschirre mit nachgeahmtem Berliner Muster und dem Ansbacher Muster sowie Porzellanfiguren im Rokokostil. Die größte Sammlung von Fayencen und Porzellan aus der Ansbacher Manufaktur wird heute in der Residenz Ansbach ausgestellt.

Christoph Ludwig von Seckendorff-Aberdar zu Obernzenn, Obervogt und Oberamtmann zu Ansbach

Retty Palais, Bischof-Meiser-Strasse Ansbach,Grafen Seckendorff,   nächstes grosses Haus zum Palais vom Hotel Platengarten.
Retty Palais, Bischof-Meiser-Strasse Ansbach, Grafen Seckendorff, nächstes grosses Haus zum Palais vom Hotel Platengarten.

TRIESDORF/ANSBACH/OBERNZENN –

Christoph Ludwig von Seckendorff-Aberdar (*2.9.1709 Obernzenn – +22.12.1781 Obernzenn)

Markgraf Carl, heute bekannt als der Wilde Markgraf – sogar ein Käse der Lehrmolkerei Triesdorf heißt so -, war ein großer Freund der Falkenjagd.
Als sein Schwiegervaters 1730 zu Besuch im Fürstentum Ansbach war, präsentierte sich der Markgraf dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. als ausführender Falkner einer spektakulären Falkenjagd, die an damals längst vergangene byzantinische Verhältnisse erinnern lässt.

Im Schlepptau des Königs mit dabei war nicht nur der Kronprinz Friedrich, sondern auch der gute Freund des Königs, Friedrich Heinrich Graf von Seckendorff-Gutend und dessen Neffe, Vertreter und potenzieller Nachfolger Christoph Ludwig von Seckendorff-Aberdar.

Friedrich Heinrich von Seckendorff stand als kaiserlicher Botschafter am preußischen Hof in Berlin tatsächlich in österreichischen Diensten und berichtete an den Hof Kaiser Carls VI. in Wien.

1731 wird Christoph Ludwig von Seckendorff als österreichischer Gesandtschaftssekretär bei seinem Onkel in Berlin. Als 1734 Friedrich Heinrich Graf von Seckendorff neuer Gouverneur der Festung Mainz wird, steigt Christoph Ludwig von Seckendorff zum Titularhofrat auf, ein Jahr später nach Vorschlag des Königs Friedrich Wilhelm I. gar zum Ritter der Johanniter in Sonnenburg geschlagen und mit der Kommende Lietzen belehnt. Sicher, Christoph Ludwig wurde nicht Nachfolger seines in Berlin, sondern blieb weiterhin Sekretär des Gesandten bis zu seiner Entlassung 1737.

Die große Aufgabe des Christoph Ludwig von Seckendorff lag allerdings nicht in Berlin, sondern in Ansbach. Tatsache ist jedenfalls, dass der junge Seckendorff am 23. Feburar 1736, also sechs Jahre nach der großen Falkenjagd und einen Tag vor der Geburt des Markgrafen Alexander, Markgraf Carl wieder in Triesdorf besuchte und mit ihm das Abendessen verspeiste.
Seckendorff-Aberdar schreibt in sein Geheimtagebuch (Journal Secret): „23me. [=23. Februar 1736] Je vais par Ansbach à Triesdorf où je dine et soupe avec Margrave.“ 

Interessant ist immerhin, dass jetzt ein anderer Onkel, Christoph Friedrich Freiherr von Seckendorff, die Karriere des jungen Seckendorff befördert, indem er unmittelbar nach dem Abendessen mit dem Markgrafen die markgräfliche Politik in Ansbach mit ihm bespricht. Christoph Ludwig schreibt in sein Tagebuch direkt im Anschluss unter den obigen Eintrag:
„Discurs mit meinem Onkel, dem Geheimen-Raths-Präsidenten.“
Christoph Friedrich ist seit 1735 vorderster Geheimer Minister am markgräflichen Hof in Ansbach. Schon seit 1732 wird Christoph Ludwig von Seckendorff in Rathausschachen aus Ansbach „konstant von Bürgermeistern und Räten aufgesucht“ (Bahl 1974), sodass der Neffe wohl versteht, was sein Ansbacher Onkel ihm zu sagen hat.
Christoph Ludwig von Seckendorff erlebt nach seinem Arbeitsessen mit Markgraf Carl in Triesdorf des Jahres 1736 jedenfalls eine steile Karriere am Ansbacher Hof, aber nicht sogleich.

Die „Ära Seckendorff“ (Störkel 2017) in Ansbach beginnt erst Ende des Jahres 1738. Er wird Oberamtmann und Obervogt von Ansbach. Inwieweit das berühmte Gemälde des preußischen Hofmalers Antoine Pesne aus dem Jahr 1737, welches heute in der Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg gezeigt wird, als Bewerbungsbild für Ansbach diente, bleibt Spekulation. Jedenfalls lässt sich der junge Seckendorff „in beinahe fürstlicher Pose und Gewandung porträtieren“ (Störkel 2017).

1739 konnte er „durch markgräfliche Gunst ein Haus in der Nähe des Ansbacher Schlosses erwerben und zu einem repräsentativen Stadtplalais umgestalten.“ (Schoeneck 1997). 1743 ist das Projekt Umbau abgeschlossen, denn jetzt erscheint in den Akten das Wohnhaus in der Ansbacher Jägergasse (heute Bischof-Meiser-Straße), welches er aber schon 1750 wieder verkaufen wird (Gerhard Rechter 1997).

Interessant ist, dass der Hofarchitekt Leopoldo Rettÿ im November 1743 ein eigenes Wohnhaus in der Jägergasse errichtet, viel näher am Schloss als das Seckendorffsche Palais.

Es ist wohl kein Zufall, dass Rettÿ dieses Haus, welches heute in Ansbach „Retti-Palais“ genannt wird, im März 1749 an „den Geheimen Minister und Obervogt von Ansbach, Freiherrn von Seckendorff“ (Scholl 1930) verkaufte.
Das neue Wohnhaus ensprach also viel mehr einer hochfürstlichen obervogteilichen Wohnung als das bisherige. „1747 hält sich Christoph Ludwig von Seckendorff 8 Wochen auf seinen Gütern in Obernzenn auf. Während dieser Zeit geht täglich eine Ordonnanz dorthin, die ihm über alle Vorgänge in der Stadt auf dem Laufenden hält und seine Befehle vermittelt.“ (Bahl 1974).

Die glänzende Karriere in Ansbach endete 1756. „Am 4. Mai 1756 reichte Christoph Ludwig von Seckendorff, mittlerweile gesundheitlich stark angegriffen, seinen Abschied aus ansbachischen Diensten ein.“ (Schoeneck 1997).

Der Abschied aus Ansbach kam nicht aus heiterem Himmel. Schon am 5. Februar 1756 erteilte Seckendorff dem Ansbacher Hofschreiner Samuel Erdmann Beyer den Auftrag, den bisherigen „Eß-Saal“ des Blauen Schlosses in Obernzenn zu einen „Bilder-Saal“ umzubauen. Dass es sich in Obernzenn nicht nur um einen Bildersaal mit Familenbezug handelt, sondern um ein bedeutendes Denkmal, welches Christoph Ludwig in das Zentrum einer bedeutenden und einflussreichen Familie inszeniert, zeigt das Buch „Der Bildersaal im Blauen Schloss zu Obernzenn“ (1997) von Edith Schoeneck eindrucksvoll.

Die dazugehörigen Bilder, Portraits der beiden Familien Seckendorff und Gronsfeld-Diepenbrock, stammen dabei aus dem Ansbacher Stadtpalais. „Das Inventar wird als Anspach Inventarium über die hochfreyherrliche Seckendorffsche Meubles in Anspach bezeichnet, womit das Inventar des Stadtpalais in der ‚Jägergassen’* gemeint war, das Seckendorff als Ansbacher Obervogt bewohnte.“ (Schoeneck 1997).

Seit 1739 war Christoph Ludwig von Seckendorff mit Wilhelmine Charlotte von Seckendorff, geb. Gräfin von Gronsfeld-Diepenbrock verheiratet. Finanziell war der Privatier abgesichert. „Im Jahre 1750 wurde ihm die Stelle und das Gehalt eines ‚Wirklichen Kaiserlichen Hofrats’ zuerkannt.“ (Schoeneck 1997, zit. nach Krieger 1992).

 

Seckendorff -Blaues Schloss zu Obernzenn – links davon Rotes Schloss zu Obernzenn

Der Triesdorfer Tiger oder Das Ansbach-Triesdorfer Rind

Beitrag von Horst von Zerboni

Der Triesdorfer Tiger  oder  Das Ansbach-Triesdorfer Rind | Historie
Der Triesdorfer Tiger oder Das Ansbach-Triesdorfer Rind | Historie

Die markgräflichen Bemühungen im 18. Jahrhundert zur Verbesserung der mittelfränkischen Rinder-Landschläge waren unabhängig vom Erfolg eine herausragende agrarhistorische Leistung. Ein erster Versuch war 1740 der Import von 21 holländischen Rindern nach Triesdorf unter Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach.

Das holländische Milchvieh stellte sich als für mittelfränkische Verhältnisse ungeeignet heraus. Die Tiere gaben mehr Milch als ein Bauer unter den damaligen Vermarktungsmöglichkeiten brauchen konnte.1

 

Außerdem waren sie für die notwendige Nutzung im Gespann zu feingliedrig.

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts begannen dann unter Markgraf Christian Friedrich Carl Alexander von Brandenburg-Ansbach (seit 1769 auch Markgraf von Brandenburg-Bayreuth), dem Sohn und Nachfolger von Carl Wilhelm Friedrich, Einkreuzungsversuche mit Tieren aus mindestens 18 verschiedenen Herkünften. Unter anderem wurden folgende Rassen eingekreuzt: einfarbig rotes Höhenvieh, schwarzbunte Friesen, schwarzweiße Freiburger und Berner,  gelbweiße Simmentaler, einfarbig graubraune Schweyzer und Allgäuer, einfarbig graugelbe Mürztaler aus der Steiermark und rotbunte Breitenburger aus Holstein.

 

Der Triesdorfer Tiger  oder  Das Ansbach-Triesdorfer Rind | Historie
Der Triesdorfer Tiger oder Das Ansbach-Triesdorfer Rind | Historie

Durch diese laufenden Einkreuzungen kam es nie zu einer wirklich stabilen, weitgehend homozygoten (reinerbigen) Population, das Wissen um die Vererbungsgesetze war noch nicht vorhanden. Das äußerliche Zeichen der daraus resultierenden Heterozygotie (Mischerbigkeit) war die Kleinfleckung der Tiere, welche zu dem Namen „Tiger“ führte. Man kann also nicht wirklich von einer alten Rasse sprechen, denn aus heutiger Sicht waren die Triesdorfer Tiger immer nur Gebrauchskreuzungen.

Heutige Initiativen2 zur Wiederbelebung der Triesdorfer Tiger können sich deshalb ausschließlich auf äußerliche Farb- und Zeichnungsmerkmale beziehen. Außerdem müsste die Population auf eine deutlich geringere Bemuskelung und auf eine Milchleistung von unter 3000 Kilogramm/Jahr zurückgezüchtet werden.

Historisch betrachtet muss man deshalb in den Ansbacher Zuchtbemühungen vor allem den Fürsorgegedanken eines aufgeklärten Fürsten sehen. Damit war der Triesdorfer Tiger durchaus ein besonderes Rind.

Dr. Horst von Zerboni, Weidenbach-Triesdorf

1 Der Ausweg war die Verarbeitung von Milch zu Käse, der Beginn der Käseproduktion (Molkerei) in Triesdorf. Dies erforderte allerdings einen hohen Kapitalbedarf, der durch den einzelnen Bauern nicht aufgebracht werden konnte.

2 Verein zur Erhaltung des Ansbach-Triesdorfer Rindes e. V. (Hg.), Das Ansbach-Triesdorfer Rind – Der Tiger unter den Rindern, Faltblatt, Lammelbach (Herrieden), o. J. (2018)

Markgraf Alexander und der Hoftiroler Peter Prosch

Im Jahr 1769 besuchte Peter Prosch den Markgrafen Alexander in Ansbach.

In seiner Autobiographie schreibt Prosch:

„So zogen wir das Chaisel eine Stunde und hielten zu Anspach bei der Residenz vorbei, das Posthorn an der Seite und die Peitsche in der Hand, zum Schwarzen Bärenwirt unsern Einzug.
Der Markgraf erfuhr das bald. Dem andern Tag kam ich nach Hof und küßte dem Markgrafen und die Markgräfin die Hand, welche mich gleich fragten, was meine Pferde machten. Ich erzählte ihm alles, wie es mir ergangen. Der Markgraf lachte darüber und sagte. >Das geschieht nicht umsonst; denn ich kenne dich.< Der Hof ging nach Drießdorf, und ich auch mit.“1

Mit Drießdorf ist natürlich Triesdorf gemeint, der Landsitz und privater Wohnsitz des Markgrafen. Peter Prosch war Hoftiroler, also Hofnarr, stammte aus Ried im Zillertal und war dort eigentlich Wirt, vor allem war Prosch aber reisender Handschuhhändler.

Zu seinen Kunden zählte auch der Markgraf Alexander von Brandenburg-Ansbach. Diesen Besuch des Hoftirolers am Ansbacher Hof entwickelte der Schriftsteller Gerd Scherm aus Binzwangen als Sujet für sein Theaterstück „Alexander der letzte Markgraf“, welches als Auftragsarbeit des Theaters Ansbach am 19. März 2010 dort uraufgeführt wurde.

Wie Gerd Scherm in seinem Textbuch schreibt, war Prosch vor allem aber Theriak-Händler.

Scherm: „Theriak waren die >Schwedentropfen< des Barock und Rokoko mit teilweise bis zu 300 verschiedenen Ingredienzien.
Wesentlich für die Wirkung war neben den Kräutern und dem Alkohol das beigemischte Opium. Gerade für die ständig von Zahnschmerzen geplagten Menschen war Theriak ein Segen.2

Litt also Markgraf Alexander an ständigen Zahnschmerzen? Tatsache ist jedenfalls, dass Markgraf Alexander einen Zahnarzt und Oralchirurgen beschäftigte. Wie Dieter R. Werzinger in seinem Buch „Die zollerischen Markgrafen von Ansbach“ schreibt, handelte es sich in den Jahren 1772 bis 1776 dabei um den Hof-Zahn-Chirurgus Martegaza del Bene.3

1 LEBEN UND EREIGNISSE DES PETER PROSCH eines Tyrolers von Ried im Zillerthal, oder Das wunderbare Schicksal Geschrieben in den Zeiten der Aufklärung, hg. von Karl Pörnbacher, Kösel-Verlag: München 1964, S. 186

2 Gerd Scherm, Alexander der letzte Markgraf, Books on Demand: Norderstedt 2009, S. 119

3 Dieter R. Werzinger, Die zollerischen Markgrafen von Ansbach, Verlag Degener & Co.: Neustadt/Aisch 1993, S. 180

Die Ansbachische Bratwurst ist Kulturgut

Ansbacher Bratwurst Ansbachische Bratwurst mit Kraut Sauerkraut, Historie

ANSBACH-TRIESDORF – Die Haupt- und Residenzstadt Ansbach war im 18. Jahrhundert ein Zentrum der Aufklärung und der Kultur. Dazu gehörte die Alltagskultur und die Hochkultur. Zur Kultur zählt neben Theater und Konzert ebenso die Produktion von Nahrungsmitteln und Getränken.

Nach dem Staatshaushalt 1798/1799, also in preußischer Zeit (1792-1805), besaß das Fürstentum Ansbach sechs Brauereien als Staatsbetriebe (Werzinger 1993, S. 435).

Bis dato ist die lange Fränkische Bratwurst – im Gegensatz zur kurzen Nürnberger Bratwurst – eine für Franken identitätsstiftende Delikatesse.
Dabei handelt es sich aber eigentlich um die Ansbacher Bratwurst (vgl. Höllerl 2004, S. 37f.).
Nach einer Aufstellung der IHK Nürnberg für Mittelfranken ist das Thema Bier und Bratwurst auf Platz Nummer 3 der „Touristischen Top 20 der Metropolregion Nürnberg“ (IHK Nürnberg 2009, S. 132).
Darin werden die Nürnberger und Coburger Bratwürste, die Oberpfälzer „Bauernzeufzer“ und die Hofer „Wärscht“ gefeiert, die Ansbacher Bratwurst fehlt indes.

Da sie allerdings nicht nach der Stadt Ansbach, sondern nach dem Fürstentum Ansbach benannt ist, sollte die Brauwurst besser Ansbachische Bratwurst genannt werden.

Tatsächlich gibt es die beste Ansbachische Bratwurst in Weidenbach-Triesdorf, hergestellt von der Metzgerei Eder, wie der Autor Heinrich Höllerl in seinem Buch „Die Bratwurst ist eine Fränkin“ findet.

In späten 18. Jahrhundert, also während der Regierung Markgraf Alexanders, wurde im Amt Merkendorf der Krautanbau zur Versorgung der Hofküche in Triesdorf forciert – der Fürst wohnte schließlich im dortigen Roten Schloss und kam nur zu wichtigen Anlässen nach Ansbach.

Ansbacher Bratwurst Ansbacher Bratwürste Historie, Kraut Sauerkraut Ansbach Kultur
Ansbacher Bratwurst Ansbacher Bratwürste Historie, Kraut Sauerkraut Ansbach Kultur

Der Ansbacher Hofmaler Johann Michael Schwabeda fertigte klein-formatige Bilder mit Krautszenen an, wie sie heute im Blauen Schloss Obernzenn im Büro von Rainer Graf von Seckendorff-Aberdar hängen.
Dies geschah offenbar aus propagandistischem Interesse: Beim einfachen Volk sollte die Verarbeitung von Kraut, vor allem zu lagerfähigem Sauerkraut, und letztlich der Anbau von Kraut durch die Bauern, angeregt werden.
Da zur damaligen Zeit von einer hohen Analphabetsquote unter dem einfachen Volk auszugehen ist, waren Bilder für die Bildung der Massen notwendig.
Heute wird noch in Heglau nahe Merkendorf Kraut angebaut und zu Sauerkraut verarbeitet.

Zur Ansbacher Alltagskultur gehörte also Bier, Bratwurst und Sauerkraut (vgl. Sening 1964 [?], S. 28).
Ebenfalls gehört die Breze zum ansbachischen Kulturgut. Am Gregoriustag (12.3.) gewährte die Staatskasse „Bier- und Brezenauslagen“ (Werzinger 1993, S. 384).
In Triesdorf besaß das Fürstentum Ansbach eine Meierei als Staatsbetrieb, der „Triesdorfer Meyerey Deputation“ (Fischer 1986, S. 137). Diese Meierei war für die Milch- und Käseproduktion zuständig.
Heute produziert die Molkerei Triesdorf als Nachfolgerin der markgräflichen Meierei einen Schnittkäse mit dem Namen „Wilder Markgraf“ in Erinnerung an den Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich, der 1740 in Triesdorf mit der Rinderzucht begann.
Diese Triesdorfer Rinderrasse ist bis heute als  Triesdorfer Tiger bekannt – und genießt nach Jahren der Ablehnung wieder die Aufmerksamkeit und Wertschätzung der Bevölkerung.

Die Bedeutung der Falkenjagd in Triesdorf

Ansbach Die Falkenjagd des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg Ansbach

„Den 29. July [1730] hielten sich ihro mayestet in Triesdorff annoch auff, funden den orth selbst wegen situation und der plantagen sehr angenehm. Divertierten sich nachmittag mit der falckenbeitz, aber nur dem herrn marggraffen von Anspach zu gefallen, als welcher sich in diese jagd so verliebet, daß er selbst einen falckenmeister mit abgibt und den vogel auf der hand führet.“

Das schreibt Friedrich Heinrich Graf von Seckendorff-Gutend, der kaiserliche Gesandte, über Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach an seinen Auftraggeber Kaiser Carl VI. von Habsburg nach Wien, als dieser König Friedrich Wilhelm I. in Preußen auf seiner Reise nach Süd- und Westdeutschland samt Entourage begleitete.
Bildlich festgehalten ist dieses Ereignis auf der bedeutenden Teetischplatte, eine Ansbacher Fayence der Grünen Familie, welche heute im Keramikmuseum Ludwigsburg – untergebracht im Neuen Corps des Logis des Schlosses – ein eher unscheinbares Schicksal fristet.
Es ist wahrscheinlich, dass Markgraf Carl seinem Hausmaler den Auftrag erteilte, anlässlich des Besuchs des frisch vermählten Herzogs Carl Eugen von Württemberg, ihm dieses Geschenk zu machen. Und dies 14 Jahre nach dem Ereignis.

Markgraf Carl bot seinen Besuchern mit der Präsentation der Falkenjagd in Triesdorf ein großartiges und denkwürdiges Ereignis.
Und diese waren damit offenbar wenig vertraut. Sie kannten nicht die Beschreibung der Falkenjagd des byzantinischen Kaisers Manuel I.  Komnenos (1143-1180). Und doch inszenierte der Ansbacher Markgraf zu Ehren seines Schwiegervaters dieses großartige Schauspiel, um zu zeigen, wer er ist und was er kann.

Er wollte seinen Standpunkt klar machen. Schließlich war er selbst Reichsfürst und wollte sich nicht dem preußischen König unterwerfen.
Mochte der König auch Schwiegervater und Gläubiger sein und der Markgraf Vollwaise, gerade volljährig und hoch verschuldet. Es war nicht der Markgraf selbst, der das Fürstentum an den Rand der Insolvenz trieb, vielmehr übernahm er das Markgrafentum Brandenburg-Ansbach von seiner Mutter Christiane Charlotte in finanziell äußerst desolatem Zustand. Schon sie begann mit dem Programm des Wirtschaftswachstums, war doch schließlich Wachstum das Konzept der Aufklärung.

Markgraf Carl war Unternehmer, investierte das Darlehen seines Schwiegervaters in seine diversen Projekte und benutzte die Falkenjagd, um sich im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation bekanntzumachen und zu positionieren.
Bei dieser Vorstellung dabei war übrigens auch der Neffe des Grafen Seckendorff, Christoph Ludwig von Seckendorff-Aberdar, der später der Projekte Macher des Markgrafen werden sollte.
Dass die Falknerei nicht lediglich sein privates Vergnügen war, welches Unsummen verschlang, also Sport, sondern auch ein Unternehmen war, welches Geld einspielen sollte, also Investition, soll hier lediglich als These aufgestellt sein.

Im Triesdorfer Heft Nr. 10 des Vereins der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V. nähern sich eingängig Werner Mühlhäußer, Arno Störkel und Wolfgang Wüst dieser Frage aus unterschiedlichen Richtungen.
Jedenfalls bot die Falknerei (und das Gestüt) vielen Menschen Arbeit und gab diesen neue Hoffnung, wie eine exemplarische Untersuchung beim Bau des Pfarrhauses in Weidenbach 1740/41 zeigt. Diese Politik des schuldenbasierten Wirtschaftswachstums hält bis heute an. Dass Markgraf Carl letztlich mit seiner Politik insgesamt scheiterte, ist eine Tatsache. Allerdings: Scheitern kann nur, wer Pläne hat.

Seit 2016 gehört die Falkenjagd zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO. In dem dafür ausschlaggebenden Gutachten, welches die Republik Österreich einreichte und die Jagdexpertin Sigrid Schwenk schrieb, wird jedenfalls auf den Beitrag des Ansbacher Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich zur Falkenjagd ausdrücklich hingewiesen..

Ansbachische Kammermusik

holländische Karte des Fürstentums Ansbach|Amsterdam 1791

TRIESDORF/KIRCHBERG an der Jagst – Die beiden Fürstentümer Ansbach und Bayreuth wurden ab 1769 durch den Markgrafen Alexander gemeinsam regiert. So kam die ehemalige bayreuthische Hofkapelle nach Ansbach und füllte die dort bereits vorhandene Hofkapelle kräftig auf.
In Ansbach wirkten bedeutende Komponisten wie Jakob Friedrich Kleinknecht und Andreas Gottlob Schwarz. Heute ist die großartige markgräflich-ansbachische Musiktradition nahezu vergessen.

Zum einen lenkt der Ruhm von Johann Sebastian Bach – der niemals in Ansbach weilte – und die ihm zu Ehren auch 2019 stattfindende Ansbacher Bachwoche die musikalische Aufmerksamkeit Richtung Köthen und Leipzig. Zum anderen hat die Dissertation über den Ansbacher Markgrafen Alexander von Arno Störkel weiterhin gehörigen Einfluss.

Dieser hätte, so Störkel, das Ansbacher Musikleben eher als gering eingeschätzt. Er schreibt: „Das Ansbacher Musikleben erfuhr erst durch die Bayreuther Erbschaft einen Aufschwung, als die dortige Hof-Capell- und Cammer-Music durch den Markgrafen übernommen wurde, doch eine Rückkehr zu den Tagen des späten 17. Jahrhunderts, als Ansbach einer der führenden Höfe Deutschlands in dieser Hinsicht gewesen war, sollte es nicht geben.
Alexander, der das Cello mit nicht geringer Fertigkeit spielte, hatte offenbar kein intensives Interesse an musikalischen Veranstaltungen; in den achtziger Jahren [1780er] war die Konzerttätigkeit am Hof mehr oder weniger eingeschlafen.“

Dabei bezieht sich Arno Störkel auf eine Aussage von C. L. Junker, der 1785 schreibt: „Das einzige Konzert, das in Ansbach noch überhaupt und beinahe ausschließungsweise gehalten wird, ist in dem Hause des Herrn Ministers von Benkendorf, dieses redlichen, altdeutschen, ganz warmen, ganz gefühlvollen Mannes für die Tonkunst.
In seinem Hause versammeln sich allemal über den anderen Tag die Glieder der fürstlichen Kapelle in freundschaftlicher Vertraulichkeit“. Tatsächlich bezieht sich diese Einschätzung lediglich auf die Konzerttätigkeit in Ansbach, nicht auf die Musiktätigkeit insgesamt.

Da sich der Ansbacher Hof aber „beständig in Triesdorf“ aufhält, wie es der gebürtige Gunzenhäuser Norbert von Grund schreibt, spielt die Musik nicht in Ansbach, sondern in Triesdorf. Während also die Hofkapelle in Ansbach sich private Auftraggeber suchen musste, erklang die Kammermusik in Triesdorf im Staatsauftrag.

Dass die Ansbacher Hofkapelle darüber hinaus als bedeutend eingestuft werden muss, zeigt die Aufnahme in den Musikalischen Almanach des Musiktheoretikers Johann Nikolaus Forkel im Jahr 1782. Tatsächlich wird die Ansbachische Staatskapelle dort in das „Verzeichniß des besten Kapellen deutscher Höfe“ aufgenommen, wie Christian Ahrens in seiner Dissertation über die Hofkapelle Gotha feststellt. „Auch in Relation zu den Kapellen in Regensburg und Ansbach schneidet die in Gotha nicht schlecht ab.“ (Ahrens). Über die Hofkapelle Ansbach steht eine wissenschaftliche Aufnahme hingegen noch aus.

Markgraf Alexander ließ sich von seinem Hofbauinspektor Johann David Steingruber erst das alte Falkenhaus in Triesdorf zu seinem Wohnsitz umbauen, später dann sogar erheblich erweitern.
Es wird also tatsächlich zum Roten Schloss.
In der Bel Etage wird ein Festsaal eingerichtet: Somit wird Platz geschaffen für kammermusikalische Konzerte. Der Bezirk Mittelfranken hat in den letzten Jahren dieses markgräfliche Schloss renoviert, der Festsaal soll künftig nach den Aussagen des Leiters der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf, Otto Körner, als besonderer Konferenzsaal dienen.

Die Dissertation von Adelheid Krause-Pichler über Jakob Friedrich Kleinknecht (1722-1794) weist eine Vielzahl von Kompositionen aus dessen Ansbacher Zeit auf – Sinfonien, Konzerte und Trio-Komposition -, die sich freilich in der Mehrzahl nicht erhalten haben. Ebenfalls am Ansbacher Hof wirkte seit 1776 der Fagottist Andreas Gottlob Schwarz. Von ihm gab in den Jahren 2012 und 2014 der Münchener Fagottist und Musikwissenschaftler Hans-Peter Vogel zwei Sonaten für Fagott und Violoncello und das Konzert F-Dur für Fagott und Orchester heraus.

Damit das kulturelle Leben in Triesdorf wieder mehr an Fahrt gewinnt, lädt Markgraf Alexander die anerkannte Schriftstellerin und Dramatikerin Lady Elizabeth Craven aus Paris nach Ansbach ein, um in Ansbach und Triesdorf als Kulturmanagerin zu wirken.

Tatsächlich erscheint sie 1787 und inszeniert sogleich eine Oper unter freiem Himmel im Heckentheater zu Triesdorf.
Dazu spielt die Hofkapelle Ansbach: „Nach 8 Uhr begann der Anfang mit Trompeten und Pauken, und einer hinreissenden Musik von Künstlern, deren Vorzüge in Ihren artistischen Miscellaneen schon mehr als einmal gerühmt worden sind“.

Und der Ansbacher Hofdichter Johann Peter Uz muss ein Gedicht beisteuern, welches sogar als Arie gesungen wird:

„Unser Landesvater jagt,
Wie die Edlen pflegen,
Doch des Volkes Liebe zagt
Seinen Fürsten wegen.
Huldreich strahlt sein Angesicht,
Und wie Gottes Sonne
Ist es auch der Armen Licht/
Und verbreitet Wonne.
Helfen will er jedem gern,
Keinen gern betrüben,
Diesen lieben, guten Herrn,
Wer sollt’ ihn nicht lieben.“

(zitiert nach Renate Schusky).

Wer ansbachische Musik von Kleinknecht und Schwarz tatsächlich erleben möchte, dem bietet sich eine seltene Gelegenheit beim Hohenloher Kultursommer 2019. Ansbachische Kammermusik erklingt am Samstag, 31. August 2019 auf Schloss Kirchberg. Beginn um 18 Uhr.