Fürst Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein im ansbachischen Exil

Ein Beitrag von Günther Grünsteudel, Universität Augsburg

UNTERSCHWANINGEN – Fürst Kraft Ernst (1748–1802; reg. seit 1773) regierte das kleine Fürstentum Oettingen-Wallerstein beinahe drei Jahrzehnte. Neben seiner Leidenschaft, Bücher und Kunstwerke aller Art im großen Stil zu sammeln, machte er vor allem dadurch von sich reden, dass er eine Hofkapelle unterhielt, die unter Musikfreunden wie Kritikern einen klingenden Namen hatte und deren bedeutendster musikalischer Leiter, Antonio Rosetti (1750–1792), zu Lebzeiten auch in den europäischen Musikmetropolen in einem Atemzug mit den wichtigsten Komponisten der Zeit genannt wurde. Zum benachbarten Ansbacher Hof bestanden – nicht nur in musikalischer Hinsicht – enge Kontakte.

Ab der letzten Dekade des 18. Jahrhunderts wurde ganz Europa von den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem revolutionären Frankreich und wechselnden Koalitionen der übrigen europäischen Mächte erschüttert („Koalitionskriege“). Seit der Mitte der 1790er Jahre hielten französische Truppen zeitweise beträchtliche Teile Süddeutschlands besetzt. Zweimal sah sich Fürst Kraft Ernst in dieser Zeit gezwungen, außer Landes zu gehen. Beide Male zog er sich auf das Territorium des ehemaligen Fürstentums Ansbach zurück, das Markgraf Alexander (1736–1806; reg. seit 1757) 1791 zusammen mit dem Fürstentum Bayreuth gegen eine lebenslange Pension an Preußen verkauft hatte. Preußen seinerseits war seit dem Baseler Sonderfrieden von 1795 neutral.

Im Frühjahr 1796 überquerten französische Truppen den Rhein und im August standen sie an Oettingen-Wallersteins Westgrenze. Kraft Ernst floh ins sichere, nur wenige Kilometer jenseits der Grenze gelegene Röckingen am Hesselberg, wo er den Rest des Sommers über blieb und mit seiner Familie sowie Teilen des Hofstaats Schloss Schenkenstein bewohnte. Zwar zogen sich die fremden Truppen schließlich wieder zurück, doch was blieb, war die latente Bedrohung und eine politisch absolut instabile Lage.

Im Juni 1800 musste Kraft Ernst noch ein weiteres Mal vor den Franzosen außer Landes gehen. Mehr als zehn Monate bewohnte die fürstliche Familie das ehemals markgräflich ansbachische Schlossgut (Unter-) Schwaningen. Im Oktober komponierte Hofmusikintendant Ignaz von Beecke (1733–1803) eine Messe, auf deren erster Partiturseite er den genauen Entstehungszeitpunkt und die Zweckbestimmung seines neuesten Werkes notierte: „Missa fatta e finita il 22. d‘ottobre 1800 a Schwaning da me Beecke nel tempo de l‘Emigratione. per passar il tempo, e far Essequirla nel ocasione della pace, che desidera tutta La humanitá.“ (Übersetzung: Messe, komponiert und beendet am 22. Oktober 1800 in Schwaningen von mir, Beecke, während der Zeit der Emigration zum Zeitvertreib und um sie aus Anlass des Friedens aufführen zu lassen, den die ganze Menschheit herbeisehnt).

Der ersehnte Friede wurde erst mehrere Monate später Realität. Am 9. Februar 1801 unterzeichneten die Kriegsparteien im lothringischen Lunéville einen Friedensvertrag, der den zweiten Koalitionskrieg beendete und den Frieden von Campo Formio von 1797 bestätigte. Ende April verließ Fürst Kraft Ernst sein Exil in Unterschwaningen und kehrte nach Wallerstein zurück.

Beeckes Missa Solenne ist in der ehemaligen Hofbibliothek, die heute Bestandteil der Universitätsbibliothek Augsburg ist, erhalten geblieben. Einiges deutet darauf hin, dass es zu der vom Komponisten beabsichtigten Aufführung nach Friedensschluss tatsächlich gekommen ist. Ein vollständiger Stimmensatz, geschrieben von dem Wallersteiner Hofkopisten Franz Xaver Link (1759–1825), wird neben Beeckes autographer Partitur in der ehemaligen Hofbibliothek verwahrt. Aufgrund der Tatsache, dass die Mitglieder der Hofmusik nachgewiesenermaßen das fürstliche ‚Exil’ nicht teilten, fand diese Aufführung wohl aber in Wallerstein statt und nicht in Unterschwaningen.

Literatur:

Günther Grünsteudel, Wallerstein – das „Schwäbische Mannheim“. Text- und Bilddokumente zur Geschichte der Wallersteiner Hofkapelle (1747–1825), Nördlingen 2000

Volker von Volckamer, Aus dem Land der Grafen und Fürsten zu Oettingen – Kalenderbilder und Kalendergeschichten, hg. von der Fürstlich Oettingen-Wallersteinischen Gesamtverwaltung, Wallerstein 1995, S. 155.

aus: Günther Grünsteudel, Fürst Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein im Unterschwaninger Exil, in: Johann Schrenk u. a., Geschichte der Gemeinde Unterschwaningen, Schrenk-Verlag: Gunzenhausen 2009, S. 149-151

Falke und Pferd als Symbole für Politik und Kultur

ANSBACH/TRIESDORF – Von 25. Mai bis 6. November 2022 wird sich die Bayerische Landesausstellung in der Orangerie und der Hofkirche St. Gumbertus zu Ansbach mit dem allgemeinen Thema „Typisch Franken?“ beschäftigen. Neben Bier und Bratwurst und Käse und Wein soll dabei auch der Bauherr dieser beiden markgräflichen Prestigebauten, Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, vorgestellt werden. Markgraf Carl war einer der bedeutendsten Falkner im Europa des 18. Jahrhunderts.

Seit der griechischen Antike ist das Pferd das Sinnbild der realen Macht. Und der reale Machthaber kommt dabei immer auf dem Pferd daher. Der Reiter als Herrscher der Welt. Wir kennen die ikonografische Darstellung etwa Alexanders des Großen auf seinem Pferd Bukephalos. Die Steigerung davon ist die Falkenjagd zu Pferd. Etwa in der Darstellung Königs Konrad der Junge in der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse). Die reale Macht, die Politik also, arbeitet somit mit der freien Kultur zusammen und erzeugt dadurch erst ihre Wirksamkeit. Im Gegensatz dazu zog Jesus Christus auf einem Esel in Jerusalem ein, wie es bei den Evangelisten im Neuen Testament steht. Klar, Jesus sagte entsprechend, sein Reich sei nicht von dieser Welt.

Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach sah sich in der Tradition der wirklich Mächtigen und war ausgestattet mit reichlich Sendungsbewusstsein. Dass er seine beiden Söhne nach dem römischen Kaiser und dem mazedonischen König nannte – August und Alexander – zeigt deutlich diese Tendenz.

Bald nach seiner Regierungsübernahme und Tod der Mutter Christiane Charlotte im Jahr 1729, die ja zusätzlich seine Ober=Bevormünderin war, ließ sich der Markgraf in Triedorf ein Falkenhaus erbauen, um dem traditionsreichen Triesdorfer Falkenhof neues Leben einzuhauchen. Und direkt dem Anwesen gegenüber das Haupt- und Landgestüt Triesdorf zur Zucht edler Pferde. Im Umfeld folgte dann später das Reithaus und – durch seinen Sohn Alexander – der Marstall. Somit siedelte Markgraf Carl zwei Betriebe in dem bisherigen Landsitz seiner Mutter an. Die zahlreichen Bauaktivitäten, die diesen massiven Investitionen folgten, zogen nach Triesdorf und Weidenbach in großer Zahl Handwerker an, die durch die staubigen Baustellen durstige Kehlen bekamen.

Es kam also nicht von ungefähr, wenn sich der Marketender zu Triesdorf in Weidenbach ein Gasthaus baute und es dann zum Falken nannte. Die durstigen Falkner zu Triesdorf tranken ihr Bier im Falken zu Weidenbach. Das Bier dazu kam aus der markgräflichen Schlossbrauerei zu Unterschwaningen, wobei der Bräu tatsächlich die Markgräfin Friederike Louise war. Beim Bier wurde wiederum der nächste Auftrag besprochen – und das sogleich abgeschlossene Geschäft mit einem Schnaps besiegelt. Heute ist diese Art von Politik als bürgernah bekannt. Alles ist Kultur, alles ist Politik.

Der Ansbacher Komponist Johann Wolfgang Franck bei der Bachwoche Ansbach 2021

Es ist das Verdienst der Bachwoche Ansbach 2021, den bedeutenden Ansbacher Komponisten Johann Wolfgang Franck wieder in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gebracht zu haben.

Denn im Rahmen des Festkonzerts zum Jubiläum 800 Jahre Stadt Ansbach am 5. August in der Hofkirche St. Gumbertus interpretierte das Johann Rosenmüller-Ensemble unter der Leitung von Arno Paduch dessen Kirchenlied „Ich habe Lust abzuscheiden“. Franck war tatsächlich ein Ansbacher Landeskind aus Unterschwaningen.

In dem Buch „Geschichte der Gemeinde Unterschwaningen“ (Gunzenhausen 2009) gibt Michael Granzin den Eintrag im pfarramtlichen Taufregister von Unterschwaningen wie folgt an:


„Anno 1644 Den 12. Junÿ, ist Hannß Wolff H(errn) Martin Franckens Vogts alhie Söhnlein getaufft worden. Testes fuerunt, Wolff Niclaus H. Böttchermeisters zu Anspach Sohn und Hanß Kirhauser, Vogts Viermeßer zu Ober-Schwaningen.“

(Seite 255f. mit Abdruck). Aus seiner Namenskurzform Hans Wolf wurde die höfische Langform Johann Wolfgang.

Markgräfin Sophie, geb. Gräfin von Solms-Laubach kauft Unterschwaningen

Schloss und Dorf Unterschwaningen kamen im Jahr 1630 an die Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach. Der Voreigentümer Oberst Johann Philipp Fuchs von Bimbach starb im 30-jährigen Krieg auf dänischer Seite 1626 in der Schlacht bei Lutter am Barrenberg, und sein Erbe verkaufte die Unterschwanger Besitzungen an die Markgräfin Sophie, geb. Gräfin von Solms-Laubach, die Witwe des Markgrafen Joachim Ernst, als Vormünderin ihres noch minderjährigen Sohnes Friedrich. Das Geld dazu kam aus der Auslösung der Kitzinger Pfandschaft 1628 aus Würzburg.

Somit kam der Stelle eines Vogts (Verwalters) in der neu in den Bestand gekommenen Ortschaft Schwaningen mit seinem großen Schloss eine erhebliche Bedeutung zu. Der Vater in wichtiger Position konnte dadurch seinem Sohn eine hervorragende Ausbildung zukommen lassen und ihn am Hof unterbringen. 1665 wurde Johann Wolfgang Franck als Kammerregistratur-Adjunktus und 1666 als Hofmusikus in Ansbach angestellt.

Allerdings starb 1667 Markgraf Albrecht nach einem Jagdausflug in Triesdorf. Nachfolger wurde erst 1672 sein Sohn Johann Friedrich. In der Zwischenzeit unternahm Franck eine Reise nach Italien.

Johann Wolfgang Franck wird Operndirektor in Ansbach und Triesdorf

Markgraf Johann Friedrich ernannte Johann Wolfgang Franck zum Hofkomponisten und Operndirektor, der dann eine Hofkapelle mit 23 Musikern aufbaute und für die Oper Tänzer und Sänger engagierte. Aufgeführt wurden die Opern im Ansbacher Lusthaus und in Triesdorf. Für diesen Zweck ließ er in Triesdorf nach französischen Vorbild einen Lustgarten anlegen.

Friedrich Wilhelm Schwarzbeck nennt in seiner Dissertation „Ansbacher Theatergeschichte bis zum Tode des Markgrafen Johann Friedrich (1686)“ (Emsdetten 1939) folgende Werke Johann Wolfgangs Francks, deren Aufführung in Ansbach „fast unbestreitbar nachzuweisen sind“: Glückwünschendes Jagd-Ballet“ (1673), „Gesungene Vorstellung Der unvergleichlichen Andromeda“ (1675), „Der Verliebte Föbus“ (1678) und „Die triumphirende Treue“ (1679).

Die Ansbacher Zeit Francks endete 1679, denn Franck tötete im Affekt seinen Musikerkollegen und Nebenbuhler Paul Ulbrecht, als er ihn wieder bei seiner Frau antrifft – im Wochenbett. Franck flüchtete noch in derselben Nacht und ging nach Hamburg. Zwischen 1682 und 1685 war er dort Domkantor und schrieb für seinen Arbeitgeber Kirchenlieder und für die Oper am Gänsemarkt Singspiele und Opern. Ab 1690 veranstaltete er in London Konzerte, komponierte dazu wohl auch die Musik.

Tatsächlich gibt es eine direkte Verbindung von Johann Wolfgang Franck zu Johann Sebastian Bach, wie Michael Granzin 2009 feststellt:

„Interessant anzumerken aber ist, dass Johann Sebastian Bach das Franck-Lied >Die bittre Trauerzeit< bearbeitet und in eines seiner Werke mit eingebracht hat.“ Hoffen wir, dass die Bachwoche Ansbach bis zur nächsten Auflage des Ansbacher Musikfests uns diese beiden Versionen gegenüberstellt und somit weiterhin die Ansbacher Musikgeschichte sich zu eigen macht.

Literatur:

Bachwoche Ansbach 2021, Festkonzert zum Jubiläum 800 Jahre Stadt Ansbach am Mittwoch, 5. August, Programmheft

Matthäus Merian, Topographia Franconiæ, Kassel und Basel 1968 (Faksimile der 2. Ausgabe, wohl von 1656)

Günther Schmidt, Die Musik am Hofe der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, Kassel und Basel 1956

Günther Schuhmann, Die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, Ansbach 1980

Friedrich Wilhelm Schwarzbeck, Ansbacher Theatergeschichte bis zum Tode des Markgrafen Johann Friedrich (1686), Emsdetten 1939

Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung, Geschichte der Gemeinde Unterschwaningen, Gunzenhausen 2009

Ebenda, Triesdorf in Weidenbach, Gunzenhausen 2006

Collegium Musicum Ansbach 1741 und die Bachwoche Ansbach 2021

bachwoche 2021 vor dem Konzert - Bildrechte Hotel Platengarten Ansbach Als Patronatsloge – regional abweichend auch Patronatsstuhl, Fürstenstuhl oder Grafenstuhl – bezeichnet man eine meist mit Fenstern abgeschlossene Loge in Kirchen, die dem adligen Grundherrn für seine Besuche in dem Gotteshaus diente

ANSBACH/TRIESDORF – Noch bis zum kommenden Sonntag, 8. August 2021 ist Bachwoche in Ansbach. Als Referenz an die Stadt Ansbach und das diesjährige Jubiläum 800 Jahre Stadtnennung von Onolzbach oder Onoldisbach organisiert die Bachwoche in diesem Jahr am Mittwoch, 4. August 2021 einen Ansbach-Tag.

Patronatsloge in der Gumbertuskirche Ansbach, anlässlich der Bachwoche 2021 - Bildrechte Hotel Platengarten Ansbach
Patronatsloge in der Gumbertuskirche Ansbach, anlässlich der Bachwoche 2021 – Bildrechte Hotel Platengarten Ansbach

In der Ankündigung schreibt die Bachwoche auf ihrer Homepage: „Die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach unterhielten eine Hofkapelle. Wie jeder Hof im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, und derer gab es viele! Repräsentation, Unterhaltung, Kirchenmusik – die Aufgaben waren vielfältig und erforderten viel Musik. Ihre beste Zeit erlebte die Ansbacher Kapelle unter Markgraf Johann Friedrich zum Ende des 17. Jahrhunderts. Einen prächtigen Einblick in diese Wunderwelt gibt dieses repräsentative Konzert zum Abschluss des Ansbach-Tages.“

Die Ansbacher Hofmusik erwähnt Karl Heinrich Ritter von Lang in „Ansbachs Jubeljahre oder oder wie hat Ansbach, Stadt und Land, vor etwa hundert Jahren ausgesehen?“. Der Aufsatz wurde erstmalig veröffentlicht im Jahr 1833 als Beilage zum dritten Jahresbericht des historischen Vereins für den Rezatkreis (heute: Historischer Verein für Mittelfranken) und 1848 als eigenes Buch in Heftform veröffentlicht:

Seit 1739 wurde durch die fürstliche Hofkapelle die Kirchenmusik eingeführt, wozu der Stadt= und Stiftskantor Johann Samuel Ehrmann der Gemeinde zum Mitsingen die gedruckten Texte lieferte.

Seit dem 9. September 1741 begann in einem Saal des Gasthauses zur Post alle Sonnabend Nachmittag ein musikalischer Verein, Collegium Musicum genannt, mit 15 Kreuzer Eintrittsgeld. Ein Kapellmeister Bümler führte bei der Vermählung des Markgrafen 1729 eine stattliche Serenade, der Kapellmeister Friedrich Johann Meyer 1757 die Trauer=Cantate auf; noch wird genannt ein Kammermusicus Johann Friedrich Hummel und ein Hummel jun., Köhler, Kießler, Carl, Weichart, Arzt, im Jahr 1757 unter den 12 Kammermusikern auch Kiesewetter.

Ein berühmter Orgelbauer war Prediger in Ansbach; der Organist Vetter zu Ergersheim verfertigte Davidsharfen“. (Lang 1848, S. 44. Abkürzungen sind hier ausgeschrieben).

Somit existierte in Ansbach neben der Hof-, Kammer- und Kirchenmusik auch eine Bürgermusik. Schon 1701 gründete Georg Philipp Telemann in Leipzig das Collegium musicum. In Ansbach war allerdings nicht ein Gastronom der Träger, sondern ein eigens dafür gegründeter Verein – wohl auch, um das wirtschaftliche Risiko auf breitere Schultern zu verteilen. Vorbild war in beiden Fällen wahrscheinlich London. „Etwa von 1650 an begann man [in London] auch in Tavernen >Consort-Rooms< zum >Entertainment< mit einer >box for ter musicians< neben den in diesen Etablissements üblichen Tischen und Stühlen einzurichten.“ (Salmen 1988, S. 22).

1701 wurde in London außerdem die „Academy of Ancient Music“ als Konzertverein gegründet (ebendort, S. 68). Für „die bürgerliche Variante höfischer Tafelmusik“ (zit. nach Christoph Wolff), wie im Programmheft zum Orchesterkonzert 1 der Bachwoche Ansbach 2021 steht, schrieb Johann Sebastian Bach seine vier Ouvertüren, wobei die Bachwoche jetzt davon die Suiten Nr. 2 (mit dem berühmten Flöten-Solo im Schlusssatz), Nr. 3 (mit dem bekannten zweiten Satz Air) und Nr. 4 vorstellte und durch das Basler Barockorchester „La Cetra“ pausenlos und umjubelt interpretieren ließ.

Der Bericht „Geschichte des vorletzten Markgrafen von Brandenburg-Ansbach“ des Ritter von Lang ist bis heute eine bedeutende Quelle für die Zeit während der Regierung des Markgrafen Carl Wilhlem Friedrich von Brandenburg-Ansbach (1729-1757). Unter der Regierung dieses Markgrafen wurde die Haupt- und Residenzstadt Ansbach erheblich ausgebaut und umgestaltet und nimmt deshalb einen dominierenden Teil in diesem Aufsatz ein. Der Verein der Freunde Triesdorf und Umgbung, der sich satzungsgemäß zur Aufgabe gemacht hat,„die Geschichte und das Kulturgut der ehemaligen markgräflichen Sommerresidenz Triesdorf und ihrer Umgebung zu erforschen und zu pflegen“, bereitet aktuell eine Neuausgabe mit Einführung und Kommentierung vor.

Quellen:

Bachwoche Ansbach, https://www.bachwoche.de/de/programm/konzertkategorien/festkonzert.html (Zugriff vom 3.8.2021)

Andreas Bomba, Programmheft Orchesterkonzert 1, Bachwoche Ansbach 2021

Karl Heinrich Ritter von Lang, Geschichte des vorletzten Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, Ansbach 1848

Walter Salmen, Das Konzert. Eine Kulturgeschichte, München 1988

Als Patronatsloge – regional abweichend auch Patronatsstuhl, Fürstenstuhl oder Grafenstuhl – bezeichnet man eine meist mit Fenstern abgeschlossene Loge in Kirchen, die dem adligen Grundherrn für seine Besuche in dem Gotteshaus diente

Leopoldo Rettÿ – Baumeister und Architekt im Ansbachischen und in Württemberg.

Leopoldo Rettÿ –  Baumeister und Architekt im Ansbachischen und in Württemberg Schloss Ansbach| Hohenzollern Residenz
Markgraf Carl Wilhelm Friedrich holt den Baumeister und Architekten Leopoldo Rettÿ aus Ludwigsburg nach Ansbach. Seine Hauptaufgabe ist die Fertigstellung der Residenz Ansbach. Heute gilt das Schloss Ansbach als das nach Würzburg bedeutendste Barockschloss in Franken. Foto: Ansbachische Markgrafenstraße.

Am 5. Januar 1731 tritt Leopoldo Rettÿ seine Stelle als Hofbaumeister am Markgrafenhof von Ansbach an. Rettÿ verdrängt dabei seinen Vorgänger Carl Friedrich von Zocha aus seinem Amt. Doch nicht nur das. Zocha rechte Hand, Johann David Steingruber, fühlt sich durch Rettÿs Auftritt zurückgesetzt, sieht sich doch Steingruber selbst als der natürliche Nachfolger Zochas. Wer war Leopoldo Rettÿ?

Über Leopoldo Rettÿ ist bis heute nur wenig erforscht. Unbekannt ist selbst sowohl sein Geburtstag, als auch sein Geburtsort. Vermuten die meisten Autoren das italienische Laino bei Como im ehemaligen Herzogtum Mailand als Geburtsort Rettÿs, so entwickelte Rolf Bidlingmaier 1997 in einem Aufsatz die Theorie, nach der das österreichische Wien als Herkunftsort Rettÿs gelten muss. In Wien arbeitete nämlich in der fraglichen Zeit 1703/1704 Rettÿs Onkel Giuseppe Donato Frisoni, der Bruder seiner Mutter, am Hof des deutschen Kaisers Leopold I. von Habsburg-Österreich. Frisoni, ursprünglich Stukkateur und später dann Architekt, wird später Rettÿs Lehrmeister sein. Freilich ist auch über Frisoni in Wien bislang wenig bekannt. Allein die Tatsache, dass er als Vater einer nichtehelichen Tochter am 14. April 1706 in dem Kirchenbuch von St. Ulrich zu Wien erscheint, zeigt seine enge Verbindung zur Haupt- und Residenzstadt Wien, wie Martin Poszgai aufzeigt.

Rettÿ ein deutscher Staatsbürger aus italienischer Nation

Für diese Theorie spricht zum einen der adaptierte Vorname Leopoldo als Referenz an den Kaiser und zugleich Frisonis Arbeitgeber, eine zur damaligen Zeit übliche Vorgehensweise. Zum anderen spricht für Wien das für Rettÿ auffallend deutsche Selbstverständnis: Zeit seines Lebens schreibt er seinen Namen auf deutsche Art und Weise mit „ÿ“ – dem deutschen i, einem Ypsilon mit zwei Pünktchen (durch die Veränderung wird aus dem griechischen Buchstaben ein deutscher) – und eben nicht Retti mit „i“, wie es die italienische Schreibung verlangt. Deshalb ist die bisherige Klassifizierung als „italienischer Baumeister“ (Karl-Heinz Kurzidem 2001) zu kurz gegriffen. Tatsächlich muss es nach aktuellem Stand heißen: Rettÿ ist ein deutscher Baumeister aus italienischer Nation.

Am 5. Mai 1704 findet die Grundsteinlegung in Erlachshof nördlich von Stuttgart statt für ein „rechtes Jagdhaus“, also einem repräsentativen Barockschloss. Auftraggeber für das Projekt ist Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg. Seinen Namen wird das Schloss und die spätere Stadt dann erhalten: Ludwigsburg. Drei Architekten sind an dem Bau beteiligt. Der junge Marbacher Theologe Philipp Joseph Jensch, vor allem aber der aus Norddeutschland stammende Pionieroffizier Johann Friedrich Nette und Rettÿs Onkel Donato Giuseppe Frisoni. Mit Frisoni kommen neben Leopoldo Rettÿ auch seine älteren Brüder Riccardo, Livio und Paolo Retti nach Ludwigsburg, um dort Schloss und Stadt als Maler, Bildhauer, Stukkateur, Baumeister und Bauunternehmer mit auf- und auszubauen.

Onkel Donato Giuseppe Frisoni geht nach Ludwigsburg


Mit dem Tod Nettes 1715 übernimmt Frisoni den Posten des Schlossbaumeisters, wobei er sich u. a. gegen Carl Friedrich von Zocha durchsetzt, und beteiligt seinen Neffen Paolo Retti mit dem Einverständnis des Herzogs als Bauunternehmer am Schlossbau. Immer mehr Verwandte Frisonis siedeln sich in Ludwigsburg an, zumal sich die Vorstellungen Eberhard Ludwigs „ins Riesenhafte“ (Bidlingmaier 1997) steigern. In Ludwigsburg entstehen im Laufe der Zeit eine Vierflügelanlage mit 452 Räumen in zusammen 18 Gebäuden. In dieser lebendigen, kreativen und bauhandwerklichen Welt, wobei auch immer alles in der Familie bleibt, erlernt Rettÿ schließlich sein Fach und legt den Grundstein für seine Karriere.

Nach seiner zweijährigen Studienreise durch Italien und Frankreich wird der junge Leopoldo Rettÿ 1726 zum herzoglich-württembergischen Baumeister ernannt. Tatsächlich können wir heute seinen großen handgezeichneten Plan „Ansicht von Schloss Ludwigsburg“ aus demselben Jahr als Probearbeit seiner Kunst ansehen. Denn direkt nach seiner Ankunft im Herzogtum Württemberg arbeitet der Architekt als Partner am Ludwigsburger Schlossbau mit. Zwei Jahre später wird das gesamte Stadtbauwesen der neugegründeten Stadt Ludwigsburg vom Schlossbau getrennt. Und Leiter der neuen Abteilung wird Leopoldo Rettÿ. Neben der Ludwigsburger Stadtplanung zeichnet der Baugestalter auch verantwortlich für die Zwillingstürme der evangelischen Stadtkirche in der Ost-West-Achse des Marktplatzes.

Im Jahr 1729 stirbt die Ansbacher Regentin und Markgräfin Christiane Charlotte, eine geborene Prinzessin von Württemberg. Nachfolger wird ihr Sohn Carl Wilhelm Friedrich im Alter von erst 17 Jahren und plant die Fertigstellung seiner Residenz samt großartiger Erweiterung und Modernisierung seiner Residenzstadt Ansbach. Er hält Ausschau nach einem fachkundigen und talentierten Vollblutarchitekten mit Berufserfahrung. Fündig wird der junge Markgraf am Hof seines Verwandten Herzog Ludwig Eberhard in Ludwigsburg: Leopoldo Rettÿ.

Denn im Markgraftum Brandenburg-Ansbach hatten zu viele Bauprojekte ihrer Vollendung. Und zu groß ist die Aufgabe für den bisherigen Obristbaumeister Carl Friedrich von Zocha, der zwar theoretische Kenntnisse der damaligen neuesten Architektur besitzt, aber von praktischer Bauleitung und –durchführung nichts versteht. Was Wunder auch, studierte Zocha doch zunächst Rechtswissenschaften in Gießen, Halle an der Saale und Leyden (Holland), bildete sich fort in England bevor er sich der Mathematik und Architektur in Paris widmete.

Residenz Ansbach ist Hauptaufgabe

Ab 1731 in Rettÿ in Ansbach, ein Jahr später ernennt ihn der Markgraf zum Baudirektor. Diese Beförderung steht in direktem Zusammenhang mit dem endgültigen Weggang seines Vorgängers: Zocha wird Minister und zugleich Oberamtmann von Crailsheim, eines „der größten und einträglichsten Ämter“ innerhalb des Fürstentums (Scholl 1930). Wichtigste Aufgabe ist die Vollendung der Ansbacher Residenz, also dem Markgrafenschloss, und anderer unter Zocha begonnener, aber nicht fertiggestellter Vorhaben. Liegen geblieben waren außerdem auch Neubauten wie der Orangerie und dem Zuchthaus in Ansbach sowie dem Falkenhaus im Tiergarten Triesdorf, dem bevorzugten Jagdgebiet 15 Kilometer außerhalb der Residenzstadt. Für Joseph Maria Ritz ist Rettÿ der wichtigste Architekt Ansbachs. „In Ansbach folgte auf Gabrieli und Zocha als Hauptarchitekt Leopold Retty, der den schönen, vornehmen Bau der Organgerie, wie auch das Schloß, nach Würzburg das bedeutendste in Franken, vollendet hat.“ (Ritz 1931).

Auf seiner Studienreise zu den großen Schlossbauten in München, Köln und Mannheim lernt der „umsichtige und energische Architekt“ (Schumann 1980) unterwegs seine spätere Ehefrau Anna Clara Darni aus Mainz kennen. Am 6. Juli 1733 findet die Hochzeit der beiden statt. Insgesamt elf Kinder gehen aus dieser Verbindung hervor, wobei ein Sohn und eine Tochter sehr früh versterben. Sogar eine Totgeburt haben die Eltern zu beklagen und zu verkraften.

Im Jahr 1734 plant Rettÿ die Umgestaltung des markgräflichen Tiergartens Triesdorf in eine barocke Sommerresidenz absolutistischer Prägung. Ähnlich dem Schloss Karlsruhe sollte die Anlage von einem zentralem Schloss beherrscht werden mit Jagdstern im Norden und Gärten mit Wasserspielen im Süden. Somit sollte Triesdorf tatsächlich als Jagdsitz mit Jagdschloss zu einer Sommerresidenz französischem Vorbilds weiterentwickelt werden. Dazu kommt es aber nicht. Vielmehr wird der Jagdsitz ausgebaut zu einem klassischen Landsitz englischer Prägung. Anstatt einem herrschenden Zentralbau mit dienenden Nebenbauten entstehen in Triesdorf eine Reihe von im Grund gleichrangigen Gebäuden. Es siegt also die dezentrale, demokratische Lösung gegenüber der zentralen, absolutistischen.

Dass das englische Thema tatsächlich in Triesdorf und damit in der Markgrafschaft Ansbach aufgegriffen wird, kommt nicht von ungefähr. Rettÿ hat Kontakt zum Baubüro des englischen Königshofs. Denn seit 1727 sitzt eine Ansbacherin auf dem englischen Thron: Königin Caroline von England und Großbritannien, eine Prinzessin aus dem Hause Brandenburg-Ansbach. Die Wandlung Triesdorf von einer geplanten Sommerresidenz hin zu einem klassischen Landsitz zu einer Art „Stadt“, indem das Nachbardorf Weidenbach baulich in den Landsitz einbezogen wird. So entsteht in Weidenbach etwa die markgräfliche Hofkirche. Rettÿ muss somit heute als deutscher Architekt des barock-klassizistischen Übergangsstils anerkannt werden.

Aufträge als freier Architekt

Neben den markgräflichen Bauten, Garten- und Stadtplanungen in Ansbach, Schwabach, Triesdorf, Bruckberg, Unterschwaningen, Merkendorf und anderswo übernimmt Rettÿ auch häufig Aufträge privater Bauherren. So tritt neben die Stelle als staatlicher Hofbaumeister auch die Arbeit als freier Architekt. 1733 übernimmt er mit Schloss Dennenlohe für Paul Martin Eichler von Auritz sein erstes privates Bauvorhaben. 1736 folgt Schloss Lindenbrunn nahe Langenburg, das spätere Ludwigsruh, als Sommerhaus für den Grafen Christian Albrecht von Hohenlohe-Langenburg. Ein Jahr später ist das kleine Schloss für Ernst Wilhelm Anton von Heydenab an der Reihe, 1738 Schloss Kirchberg an der Jagst für Carl August Graf von Hohenlohe-Kirchberg. Für Johann Wilhelm Gottfried von Seckendorff-Gudent erstellt Rettÿ das Rote Schloss in Obernzenn, im darauf folgenden Jahr das Schloss Eschenau in der heutigen Gemeinde Obersulm bei Heilbronn für den württembergischen Oberkriegskommissar Johann Melchior von Killinger.

Interessant hier ist festzustellen, dass Rettÿ bei staatlichen Aufträgen mit seinem späteren Nachfolger in Ansbach Johann David Steingruber (seit 1734 Landbauinspektor) zusammen arbeitet. Für private Aufträge stützt sich der Architekt lieber auf den Ansbacher Hofmaurer Michael Braunstein als Bauunternehmer. Später, Rettÿ ist mittlerweile in Stuttgarter Diensten, plant der Architekt im Winter 1749/1750 für Markgraf Carl Friedrich von Baden-Durlach einen Neubau zum bisherigen Residenzschloss in Karlsruhe. Zwar kommen diese Planungen nicht zur Umsetzung, doch kann Rettÿ ein anderes Projekt für den badischen Regenten durchführen: Schloss Stutensee nahe Karlsruhe.

Rettÿ baut Synagoge

Auch Kirchen baut Rettÿ als freier Architekt. 1739 plant er die evangelische Pfarrkirche in Sommerhausen am Main, 1743 die Synagoge in Ansbach und 1737 die katholische Kirche in Sondernohe nahe Flachslanden. Es bleibt dort allerdings bei den Planungen, Erbaut wird in Sondenohe unter seiner Regie 1747 lediglich das dazugehörige Pfarrhaus.

Im Jahr 1744 übernimmt der erst 16jährige Prinz Carl Eugen von Württemberg als Herzog die Regierung in Stuttgart. Allerdings fordert er von den württembergischen Ständevertretung, der Landschaft, eine „standesgemäße Wohnung“: ein repräsentatives Schloss. Um den Herzog, den Hofstaat und die Verwaltung in Stuttgart zu halten und somit einen Abzug nach Ludwigsburg zu verhindern, wird ihm dieser Wunsch genehmigt. Als Architekt beruft Carl Eugen den inszwischen in Stuttgart bekannten Leopoldo Rettÿ, der vorerst Hofbaumeister für die Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach bleibt.

Neuer Großauftrag ist Stuttgart

Am 3. September 1744 kommt es zur feierlichen Grundsteinlegung für das Neue Schloss in Stuttgart. Während Rettÿ für die Planungen zuständig ist, liegt die örtliche Bauleitung bei dem württembergischen Oberbaudirektor Johann David Leger. Jedoch funktioniert die Zusammenarbeit der beiden nicht. 1748 wird Leger aus der Bauabteilung entlassen und im selben Jahr siedelt Rettÿ von Ansbach nach Stuttgart über.

Gerade einmal das Hauptgebäude, das sog. Corps des Logis, sowie der Gartenflügel des Neuen Schlosses in Stuttgart sind im Äußeren fertig gestellt, als Leopoldo Rettÿ am 18. September 1751 im Alter von 47 Jahren in Stuttgart stirbt und im Familiengrab in Oeffingen (heute Stadt Fellbach) beigesetzt wird. Um den Weiterbau am Neuen Schloss in Stuttgart kümmert sich fortan der in Paris ausgebildete Philippe de La Guepière, den Rettÿ bereits auf einer Studienreise durch Holland und Frankreich 1750 kennenlernte.

Neues Museum in Ansbach

Aktuell wird das sog. Retti-Palais, einem Stadtschloss in Ansbach, das Rettÿ ab 1745 als Bauträger („Particulier“, Scholl 1930, S. 82) für den starken Mann am Ansbacher Markgrafenhof, den „K. K. Wirklichen Geheimen Rath“ Christoph Ludwig von Seckendorff-Aberdar, Oberamtmann von Heilsbronn und Präsident des Administrationskollegiums der Grafschaft Sayn-Altenkirchen, erbaute, höchst aufwändig restauriert. Der Ansbacher Retti-Verein will in dem Haus nach Abschluss der Restaurierung und erheblicher Erweiterung ein Museum einrichten, um an den Baumeister und Architekten Leopoldo Rettÿ und seine Bedeutung für Ansbach zu erinnern.

 Das Rettÿ-Haus in Ansbach (2016).  Rettÿ verkaufte das Haus im März 1749 an den Oberamtmann und Obervogt von Ansbach, Christoph Ludwig von Seckendorff.
Das Rettÿ-Haus in Ansbach (2016). Rettÿ verkaufte das Haus im März 1749 an den Oberamtmann und Obervogt von Ansbach, Christoph Ludwig von Seckendorff.

Literatur:
Georg Sigmund Graf Adelmann, Topografie der kunsthistorischen Sehenswürdigkeiten, in: Kreis Ludwigsburg, Stuttgart und Aalen 1977
Rolf Bidlingmaier, Die Brüder Riccardo, Paolo, Livio und Leopoldo Retti. Eine oberitalienische Künstlerfamilie im Herzogtum Württemberg, in: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde, Band 21, Heft 13, Stuttgart 1997
Heinz Braun, Die Sommerresidenz Triesdorf der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach 1600-1791, Kallmünz 1958
Walter-Gerd Fleck, Burgen und Schlösser in Nord-Württemberg, Frankfurt am Main 1979
Corinna Höper/Andreas Henning, Das Glück Württembergs, Ostfildern-Ruit 2004
Karl-Heinz Kurzidem, Leopoldo Retty, Ansbach 2001
Emil Lacroix u. a., Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Karlsruhe Land, Karlsruhe 1937
Josef Maier, Johann David Steingruber, Ansbach 1987
Norbert Mappes-Niediek, Europas geteilter Himmer. Warum der Westen den Osten nicht versteht, Berlin 2021

Martin Pozsgai, Donato Giuseppe Frisoni und der Gartenpalast Liechentenstein in Wien, in: Barock in Mitteleuropa, zugleich Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte, Wien Köln Weimar 2006/2007, S. 165-183
Joseph Maria Ritz, Bayerische Kunstgeschichte, Zweiter Teil, Fränkische Kunst, München 1931
Eugen Schöler/Hermann Thoma, Leopoldo Retti, Dennenlohe 2001
Edith Schoeneck, Der Bildersaal im Blauen Schloss zu Obernzenn, Ansbach 1997
Fritz Scholl, Leopoldo Retti, Ansbach 1930
Günther Schumann, Die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, Ansbach 1980
Michael Wenger, 250 Jahre Neues Schloß Stuttgart, Stuttgart 1996

Markgraf Alexander von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth und sein Hof zu Triesdorf

Zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters Markgraf Carl 1757 lässt sich Markgraf Alexander das 1730/1731 erbaute Falkenhaus zu Triesdorf als Wohnhaus für sich und seine Frau Caroline Friederike von Sachsen-Coburg und Saalfeld sowie seinem Hofstaat umbauen.
Der Hofinspektor Johann David Steingruber übernimmt dabei die Leitung des Umbaus persönlich, wobei die Arbeiten vor Ort durch den Maurermeister Knäulein beaufsichtigt werden. In seinem Dekret vom 8.10.1759 an das Bauamt wird befohlen, in „Triesdorff, ehe der Winter und Frost einbricht, im Falckenhauß aus Serenissimi Special-Befehl, das Zimmer der Frau Markgräffin Hochf. Durchl. zu 2 Cabineten nach der dem Maurermeister Knäulein mündlich ertheilten Anweisung mit Boißerie machen, und zwey Mäuerlein führen, den Alcoven aber zumauern und ein neu Fenster brechen laßen.“ (zit. nach Heinz Braun 1954, S. 144)

Tatsächlich will der Markgraf Alexander schnell von Ansbach nach Triesdorf umziehen und treibt seinen guten Bauinspektor zur Eile an, wie Steingruber in seinem Promemoria vom 31.1.1760 notiert.
Im Erdgeschoss des ehem. Falkenhauses wird ein Bad für den Markgrafen eingerichtet. Und im Audienzzimmer wird an die Stelle eines früheren Kamins eine Orgel aufgestellt, um dort bei Gottesdiensten und Konzerten zum Einsatz zu kommen. Auf Anweisung des Hofmarschalls wird daher „das in der Stadtkirchen zu Anspach auf dem Chor gestandene Positiv“ nach Triesdorf gebracht, wobei vorher die Orgel durch den Hoforgelmacher Prediger und den Hofschreiner Beyer überholt werden.

Im Sommer 1760 finden noch weitere Umbauten statt. Es wurden zwei Wände ausgebrochen, um ein großes Zimmer für die Marschallstafel zu erhalten. Auf der rechten Seite wurde eine Wohnung für die Oberhofmeisterin eingerichtet und auf der linken Seite eine Lakaienstube und eine Lakaienkammer. „Mit diesen Arbeiten kam die Umgestaltung des ehemaligen Falkenhauses zum fürstlichen Landschloß im Wesentlichen zum Abschluss“, schreibt Heinz Braun 1954 noch in seiner Dissertation.

Nach den neuesten Erkenntnissen, die im Zuge der Renovierungsmaßnahmen des Bezirks Mittelfranken aufgetreten sind (freundliche Mitteilung von Architektin Silke Walper-Reinhold, Ansbach), wird das Rote Schloss, wie das Falkenhause seit dem Umbau und Bezug durch die markgräfliche Familie und dem Hofstaat heißt, in den Jahren 1780/1781 noch einmal umgebaut und erheblich erweitert.

Das Rote Schloss zu Triesdorf (Rückseite) während der Fassadenrenovierung und Dachsanierung 2015.
Das Rote Schloss zu Triesdorf (Rückseite) während der Fassadenrenovierung und Dachsanierung 2015.

Das Rote Schloss wird auf beiden Seiten um jeweils zwei Fensterachsen verlängert, was dazu führt, dass die beiden zuvor sichtbaren Flügel des Schlosses verdeckt werden. Außerdem erhält das Rote Schloss einen Treppenrisalit mit Attika.

Ob diese Baumaßnahme mit dem Besuch des reisenden Malers Johann Jakob Grund zusammenhängt, lässt sich aktuell nicht feststellen. In seinem Buch „Malerische Reise eines deutschen Künstlers nach Rom“ lässt Grund jedenfalls das Rote Schloss sehr schlecht wegkommen.

So schreibt er in seinem Zwölften Brief: „Er [der Markgraf Alexander] selbst wohnt, mit seiner Gemahlin, in einem kleinen, äußerst engen, Hause, das Falkenhaus genannt, wo überdies die Hofdamen, Kammerfrauen, und andere männliche und weibliche Bediente, ihre Wohnung haben“ (Seite 108).

Zwar ist Grunds Reisebeschreibung im Briefform 1789 in Wien erschienen und somit nach der Erweiterung, des Schlosses.
Allerdings erwähnt der Autor in dem Text die Mademoiselle Clairon, die er beim Sammeln von „Blüthen von den Sträuchern“ im Triesdorfer Schloßgarten bei einem Spaziergang trifft. Im Erscheinungsjahr aber war die ehemalige Mätresse des Markgrafen schon längst von ihrer Nachfolgerin Lady Craven aus Triesdorf verdrängt – und auf ihrem Landsitz Issy bei Paris.

Quellen:

Heinz Braun, Triesdorf. Baugeschichte der ehemaligen Sommerresidenz der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach 1600-1791, Gunzenhausen 1954.
Johann Jakob Grund, Malerische Reise eines deutschen Künstlers nach Rom, Wien 1789 (Nachdruck o. O., o. J.)
Silke Walper-Reinhold, Vortrag vor dem Marktgemeinderat Weidenbach, Rotes Schloss Triesdorf, Sitzung vom 21.11.2017.

Markgraf Alexander und seine Lust zu jagen und zu reiten

Beitrag von Arno Störkel, Würzburg

Markgraf Alexander [von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth], der sich zu Recht wegen seines aufgeklärten und seinen Ländern so wohltuenden Regierungsstils bekannt war, stellte die Jägerei – speziell die von ihm wieder zum Leben erweckte Parforcejagd – jahrzehntelang so sehr in den Mittelpunkt seines Lebens, dass das schon die Zeitgenossen verwirrte: es ließ sich mit der so rühmlich an den Tag legenden Milde der jetzigen Regierung nicht zusammen reimen. (Über die Hegung des Wildes im Ansbachischen, in: Journal von und für Deutschland, 1784, Heft I, S. 107ff., S. 110).

Jagdszenen Paravent Ansbacher Markgrafen, Museum. Hohenzollern, Jagd Parforcejagd Kultur in Ansbach,
Der Paravent aus dem Museum Ansbach

Ausländischen Politikern gegenüber charakterisierte man ihn mit seiner amour de la chasse (Brief Christoph Ludwig von Seckendorff v. 10.11.1757), was für die Zeit nichts Besonderes war; dass er missvergnügt war, wenn eine vorgehabte Jagd ausfallen sollte, wohl auch nicht. Die von einem kaiserlichen Gesandten konstatierte hefftige und alleinige Beschäftigung mit Jagen und Reiten (Bericht Widmann v. 2.8.1766) in seinem jüngeren Jahren muss indes so ausgeprägt gewesen sein, dass sie auch andere Beobachter eines nicht langen Lebens des Herrn Marggraf von Ansbach (Bericht Montmartin v. 4.2.1769) fürchten ließ.
Nach der Extraktion eines Zahnes 1769 – im 18. Jh. weiß Gott keine Kleinigkeit – ging er sogleich auf die Parforcejagd: und darauf waren … die schmerzen Vorbey (Notiz Reitzenstein v. 9.10.1769). Diese Besessenheit legte sich indes mit der Zeit allmählich; daß er sein voriges wildes JägerLeben abgeändert (Bericht Hartig v. 15.9.1768) darf zumindest für die Siebziger Jahre gelten.

Die Parforcejagd als Selbstzweck für einen großen Herrn

Bei der Parforcejagd ging es – ein wenig wie bei der Falkenjagd – an sich nich um die Beute, sondern die Verfolgung des Tieres hatte sich zum Selbstzweck entwickelt: allein und einzig zu einem grossen Palisir und Staate eines grossen Herrn. Das Beutetier war ein Hirsch oder ein Wildschwein, es ging also um die Hohe Jagd, exklusives Privileg des Landesherren und eines seiner wichtigsten Statussymbole überhaupt. Ein moderner Beobachter meint gar, die Jagd sei das einzige Recht gewesen, mit dem der Landesherr auf sämliche Untertanen einwirken konnte.

Diese Jagdform, am französischen Hof erfunden und deshalb auch französische Jagd genannt, wurde schon bald in verschiedenen Territorien des [Heiligen Römischen] Reichs [deutscher Nation] kopiert, zunächst in Celle 1670, in Bayern kurz darauf. Unter anderem waren es Kursachsen, Anhalt-Dessau, Württemberg, und Ansbach, die ebenfalls früh – auf Grund persönlicher Vorlieben der Herrscher – eine solche Jagd einrichteten. Sie galt als dem Zeitgeschmack entsprechend und dem in jeder Hinsicht verpflichtenden Vorbild Versailles gerechtes, als teures und damit exklusives Vergnügen (… für viele zu kostbar …), das in jeder Hinsicht dem Selbstwertgefühl von Veranstaltern und privilegierten Teilnehmern entsprach – Einen Hirsch als ein tapferes und edles Thier in freyem Felde aus heroischem Gemüthe par Force zu erlegen.

Aus: Arno Störkel, Fürstliche Jagd im barocken Franken, Verlag C. u. C. Rabenstein: Bayreuth 2012, S. 4 (oben) u. 14 (unten)

Der seltene Vogel Nimmersatt in der Menagerie zu Triesdorf

Beitrag von Siglinde Buchner, Weißenburg in Bayern

Die unscheinbare Siedlung Schlungenhof [zwischen Gunzenhausen und Altenmuhr (Muhr am See)] geriet im Oktober 1754 in den Fokus des 42-jährigen Markgrafen Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach (*12.5.1712, +3.8.1757), der nach seinem Tod zu Unrecht der Wilde Markgraf genannt wurde.

Seltener Vogel Nimmersatt, Menagerie zu Triesdorf
Seltene Vogel Nimmersatt in der Menagerie zu Triesdorf

Seine Leidenschaft war die Jagd, vor allem die Falkenjagd. Als ihm gemeldet wurde, dass bei Schlungenhof große weiße Vögel gesichtet wurden, befahlt er, diese zu fangen und lebendig nach Triesdorf zu bringen.

Dieses ungewöhnliche Ereignis wurde in einem historischen Journal vom 20. Oktober 1754 beschrieben:
„Aus der markgräflich-ansbachischen Stadt Gunzenhausen ist vor wenigen Tagen zu Ansbach die Nachricht eingelaufen, dass sich in dasiger Gegend in dem Altmühl-Fluß 5 fremde Vögel, die man sonst Nimmersatt nannte, gezeigt hätten, welche weiß und größer als eine Gans wären, einen zwei Querfinger gleich breiten und über eine halbe Elle langen Schnabel hätten, wodurch sie einen dreipfündigen Karpfen verschlucken könnten.

Die Menagerie zu Triesdorf vom Storchenweiher aus gesehen. Foto: Die Ansbachische Markgrafenstraße.
Die Menagerie zu Triesdorf vom Storchenweiher aus gesehen. Foto: Die Ansbachische Markgrafenstraße.



Darauf wurde alsbald der herrschaftliche Menagerie-Meister von Triesdorf auf hochfürstlichem Befehl abgeschickt, der auch so glücklich war, dass er eine Viertelstunde von Gunzenhausen bei Schlungenhof in einem Entenpfuhl, das Binsenwöhr genannt, durch das eingelegte Entengarn zwei von diesen Vögeln lebendig fing, welche hierauf in der Menagerie nach Triesdorf gebracht worden.“


Seltene Vogel Nimmersatt in der Menagerie zu Triesdorf
Seltene Vogel Nimmersatt in der Menagerie zu Triesdorf | Indischer Nimmersatt

Literatur: Staatsrelation derer neuesten Europäischen Nachricht und Begebenheiten auf das Jahr 1754. Ein historisches Journal, gedruckt in Regensburg, S. 501f. Das CXXVIste (=126.) Stück vom 20. October 1754, hier: S. 503: Vermischte Fälle

Aus: Verein für Heimatkunde Gunzenhausen, Alt=Gunzenhausen, Beiträge zur Geschichte der Stadt und Umgebung, Jahrbuch 75/2020, S. 50f.

Der Lustgarten zu Unterschwaningen

CWF & FL 1754 – Die bekrönten Allianzinitialen in Gold auf Malachit mit Jahreszahl von Markgraf Carl Wilhelm Friedrich und Markgräfin Friederike Louise am Pfarrhaus von Unterschwaningen, einem Werk des Retty-Nachfolgers Johann David Steingruber. Foto: Die Ansbachische Markgrafenstraße.

Beitrag von Carolina Schitz, Bechhofen an der Heide

Die künstlerische Gestaltung des Gartens ist für das erste Drittel des 18. Jahrhunderts nachweisbar. Diesbezüglich sei noch einmal hervorgehoben, dass die Entwicklung des Schlossgartens weitgehend parallel zur Bauarchitektur verlief.

Im Zusammenhang mit der Modernisierung der fürstlichen Bauten in Unterschwaningen entstand der barocke Hofgarten unter der Leitung der neuen Schlossherrin Friederike Louise. Sowohl die Markgräfin als auch ihr Baumeister Leopoldo Retty gingen den Bestrebungen nach, das allerseits Schöne gleichsam mit dem Nützlichen zu verbinden, indem die fürstliche Gartenanlage einerseits künstlerisch gestaltet und anderseits das weitläufige Terrain für den landwirtschaftlichen Gemüse- und Obstanbau genutzt wurde, was sicherlich auch auf den Denkansatz ihres ältesten Bruders Friedrich beruhte. Jedoch galt dies nicht nur dem Küchengarten, gleichzeitig erfüllte auch der paradiesische Lustgarten seinen Zweck. So schilderte Veh einen Aufenthalt im Garten aus der Sicht der Markgräfin Friederike Louise:

„Auf den Garten zu wohnte die Fürstin, genoß die wärmenden Strahlen der Südsonne und konnte sich des friedsamen Blicks auf die Blumenparketts und der dahinter mächtig aufwachsenden Allen erfreuen, zwischen denen sich der blickende Spiegel des Kanals mählich verlor.“

Dabei wird die Aufgabe des Lustgartens deutlich, die in erster Linie für die Erholung diente und den fürstlichen Besuch in frohe Stimmung versetzte. Unter Bredekamp wird dem Garten eine philosophische Bestimmung zuteil, indem der Garten „als Ort des zwanglosen Austauschs“ verstanden wird. Jedes der im Garten enthaltenen Gestaltungselemente hatte seine Sinnhaftigkeit.

Markgräfin Christiane Charlotte beauftragt Zocha für erste Planungen.

So zeigt ein erster etwa aus dem Jahre 1730 stammender Plan des Zeichners Schuckhardt die ursprüngliche Planung des Schwaninger Hofgartens. Wie bereits vorweggenommen, wirft die Datierung jedoch etliche Fragen auf. Denn diese fällt in einen Übergangszeitraum, in welchem die Markgräfinwitwe Christiane Charlotte bereits verstorben und die neue Schlossherrin noch nicht bestimmt war. So spricht Horst von Zerboni in seinem Beitrag von „Geländeerwerbungen durch Tausch“, die im Jahre 1727 stattgefunden haben soll. Die erste Gestaltung dieses Geländes hatten ihren Anfang mit dem früheren Baumeister Carl Friedrich von Zocha, dessen Einflüsse sich in der Gartenanlage, speziell im Küchengarten sowie am Gärtnerhaus, bemerkbar machten. Es lässt sich daher vermuten, dass die ersten Entwürfe unter Auflage der Markgräfin Christiane Charlotte erfolgten.

Desgleichen betont eine ältere Quelle diese These. Veh wirft den Begriff einen „Lustgartens“ auf, der offenbar in einem Generalplan 1730 „mit genauer Umschreibung und Zweckbestimmung der verschiedenen Gartenbereiche“ dargestellt ist. Umstritten ist ebenfalls, inwieweit die Gartenanlage zu diesem Zeitpunkt ausgesehen haben mag und in welchem Maße die Anlage bis zur Schenkung 1733 ausgestaltet war. Seltsamerweise nimmt man in Schuhmanns Bilduntertitel zum Plan Schuchards eine vollkommen abweichende Datierung wahr. (Schuhmann verwendet eine andere Schreibweise des Zeichners: F. T. Schuchard.) Möglich ist, dass es sich hierbei um einen eingeschlichenen Schreibfehler handelt, denn die Datierung um 1790 wäre aufgrund des Dargestellten zu spät angesetzt gewesen. Der Gartenplan erscheint zudem auch in einer Publikation der Gräfin zu Dohna, die mehr Aufschluss über den Verfasser geben kann. Sie setzt die Datierung wohl vor 1735.

Der Zeichner Friedrich Schuchard solle bis 1734 als Ansbacher Landbauinspektor beschäftigt gewesen sein und somit wäre es denkbar, dass der Hofgartenplan zu Unterschwaningen für Friederike gezeichnet wurde.

Gartenanlage entsteht unter Markgräfin Friederike Louise durch Retty

Trotz der unterschiedlich aufgeführten Belege sind sich die Historiker jedoch in dem Punkt einig, dass die größte Leistung an der Gartenanlage durch Friederike und Retty erfolgte. Betrachtet man die Form der gesamten Südgartenanlage auf dem Plan Schuckhardts, so ähnelt diese einem Trapez. Ungewöhnlich ist die „Nicht-Ausrichtung“ des Gartens auf das Schloss wie es in den älteren französischen Gärten von Le Nôtre der Fall war.

Literatur:

Horst Bredekamp, Leibniz und die Revolution der Gartenkunst, Berlin 2009
Ursula Gräfin zu Dohna, Die Gärten Friedrichs des Großen und seiner Geschister, Berlin 2000
Verena Friedrich, Barocke Gartenlust in Franken, in: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Geschichte, Kunst und Kultur, Sonderheft, Würzburg 2015, S. 3-37
Otto Veh, Markgräfin Friederike Louise als Schloßherrin von Unterschwaningen, Sonderdruck Nr. 1, hg. vom Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V., Triesdorf 1985
Günter Schuhmann, Die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Eine Bilddomentation zur Geschichte der Hohenzollern in Franken, Ansbach 1980
Johann Schrenk/Horst von Zerboni u.a., Geschichte der Gemeinde Unterschwaningen: Unterschwaningen – Dennenlohe – Köttenbach – Oberschwaningen, Gunzenhausen 2009
Stefan Schweizer, André Le Notre und die Erfindung der französischen Gartenkunst, Berlin 2013

Aus: Carolina Schitz, Friederike Louise und ihr Baumeister Leopoldo Retty – Der Hofgarten zu Unterschwaningen im 18. Jahrhundert, Bachelorthesis, Institut für Kunstgeschichte der Philosophischen Fakultät, Julius-Maximilians-Universität: Würzburg 2020

Zur Geschichte der Schlossbibliothek Ansbach

Beitrag von Marlene Tiggesbäumker-Mütherties (Haus Bökerhof)

Im 18. Jahrhundert wurde das fränkische Fürstentum Ansbach nach französischem Vorbild völlig vom unumschränkten Absolutismus bestimmt.
Von Wilhelm Friedrich (1685; reg. 1703-1723) durchgesetzt, erreichte er unter dessen Sohn Carl Wilhelm Friedrich (1712; 1729-1757) seinen Höhepunkt, bis er unter der Regierung des letzten Markgrafen Carl Alexander (1736; reg. 1757-1791) allmählich ausklang. Der Hof stand im Mittelpunkt kulturellen Lebens und war Anziehungspunkt für Künstler und Gelehrte.

Durch ein Dekret vom 21. Dezember 1720 erklärte Wilhelm Friedrich die fürstliche Hausbibliothek zur öffentlichen Landesbibliothek und schuf mit diesem einschneidenden Ereignis die Basis für den geistigen und wissenschaftlichen Aufschwung im Ansbach des 18. Jahrhunderts. Bestätigt wurde das Dekret mit einem gedruckten Ausschreiben vom 14. Juli 1721, dem ein weiteres am 18. Februar 1726 auf Veranlassung seiner Gemahlin Christiane Charlotte folgte, die nach seinem Tod im Jahr 1723 vorübergehend für ihren unmündigen Sohn die Regentschaft übernahm.

Hofstaat muss mit einem Obolus beitragen

Die Aufstockung des Erwerbungsetats ermöglichte eine erst 1731 veröffentlichte Verordnung, der zufolge jeder markgräfliche Bedienstete bei Amtsantritt einen bestimmten Obolus an die Bibliothekskasse entrichten musste. Die Höhe der Beitragsgelder, die sich jährlich auf 350-400 fl. [Gulden] beliefen, war nach Dienstgraden gestaffelt.

Minister, Geheimer Rat, Oberhofmarschall,
Oberjägermeister, Obriststallmeister usw. je 8 fl.
Obrist, Forstmeister, Oberamtmann, Kollegialrat usw. je 6 fl.
Rittmeister, Kapitän, Kammerjunker, Hofmedikusje 4 fl.
Dekan, Hofjunker, Sekretär, Rektor usw. je 3 fl.
Geistlicher, Leutnant, Kanzelist, Kammerdiener usw. je 2 fl.

Abgesehen von den Geldern, die bei besonderen Anlässen gestiftet wurden, flossen der Bibliothekskasse aus markgräflichem Fond außerdem jährlich 200 fl. zu.

Verleger und Drucker müssen Pflichtexemplare abgeben

Gemäß dem seit 1699 in Preußen geforderten Pflichtexemplarrecht wurden die Verleger und Drucker des Fürstentums aufgefordert, je ein Exemplar einer Neuerscheinung an die Bibliothek abzuliefern. Aufgrund der markgräflichen Verordnungen, die die obligatorische Beitragsleistung neuer Bediensteter und die Pflichtabgabe von Neuerscheinungen festlegte, konnten die Bestände der zunächst nur einige tausend Bücher umfassenden Schlossbibliothek beträchtlich vermehrt werden.

Markgräfin Christiane Charlotte richtet Stiftung ein


Der Impetus zur Bibliotheksstiftung ging von der kunstsinnigen Christiane Charlotte aus, der jüngsten Tochter Herzog Friedrich Karls von Württemberg, die am elterlichen Hof in Ludwigsburg die französische Kultur kennen und schätzen gelernt hatte und vielseitige Interessen zeigte. In den sechs Jahren, in denen sie für ihren unmündigen Sohn Carl Wilhelm Friedrich die Regierung führte, wurde die Bibliothek der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1725 bereicherte sie die Bibliothek durch den Ankauf der stattlichen Büchersammlung des in Kleve verstorbenen königlichen Geheimrats von Blaspiel. 1726 machte die erhöhte Brandgefahr im Schloss, ausgelöst durch die häufigen festlichen Veranstaltungen, die Verlagerung der Bestände in das sog. Marschalkhaus erforderlich.

Auf Anregung des berühmten Obristbaudirektors Carl Friedrich von Zocha ließ Christiane Charlotte zahlreiche wertvolle Bücher aus der Sammlung des französischen Kardinals Guillaume Du Bois in Holland ersteigern, von den einige in Leder gebundene kostbare Bände ursprünglich aus der Privatbibliothek des Bibliothécaire du Roi Abbé Jean Jérôme Bignon stammten.
Der größte Teil der vielfach mit geschmackvollen Superlibros versehenen Werke aus der prachtvollen Handbibliothek der Markgräfin wurde nach ihrem Ableben in den Bestand der Landesbibliothek integriert, darunter vornehmlich französische Schriftsteller, aber auch griechische und lateinische Klassiker nach den handlichen Ausgaben in usum delphini, Reisebeschreibungen sowie geschichtliche und philosophische Literatur.

Private Büchersammlungen werden eingereiht


Weitere namhafte private Sammlungen, z. B. von Immanuel Meyer, Zacharias Konrad von Uffenbach und Professor Nikolaus Hieronymus Gundling sowie dem Oberbaudirektor Carl Friedrich von Zocha gelangten geschlossen oder in Auszügen durch Ankauf oder Schenkung uner Markgraf Carl Wilhelm Friedrich in die hochfürstliche Bibliothek. Eine wesentliche Erweiterung bedeutschtete auch 1733 die Übernahme der Konsistorialbibliothek, die mit der Bibliothek des St. Gumbert Stifts in Ansbach vereinigt worden war.

Carl Wilhelm Friedrch, der im 19. Jahrhundert zu Unrecht zum „Wilden Markgrafen“ gestempelte Sohn von Wilhelm Friedrich und Christiane Charlotte hatte 1729 in Berlin die hochmütige und stolze Königstochter Friederike Louise geheiratet, die sich ihrem derben, temperamentvollen, leicht jähzornigen und zu Ausschweifungen neigenden Gemahl im Laufe ihrer Ehe entfremdete und in die Abgeschiedenheit nach Unterschwaningen zurückzog.

Mit seinem Schwager Friedrich dem Großen schloss Carl Wilhelm Friedrich 1752 das Pacturm Fridericianum. Dieses Hausabkommen, eine Erneuerung der Dispositio Achillea, bekräftigte die Erbfolge zugunsten des Hauses Preußen.

Markgraf Carl gibt Landesbibliothek rechtliche Verfassung


Der Schlossbibliothek, die häufig auch als hochfürstliche oder herrschaftliche Bibliothek bezeichnet wurde, verlieh der Markgraf ihre rechtliche Grundlage durch den Fundationsbrief vom 6. Februar 1738, in dem er u. a. verfügte, dass die Bibliothek zusammen mit dem Münzkabinett als beständiges zum Hause Brandenburg-Onolzbach gehöriges Stück angesehen und gehalten werden solle. Sie dürfe „zu keiner Zeit dismembriert, getheilet, ganz oder zum Theil verschenket, verpfändet oder alieniret oder veräußert“ werden, sondern müsse als ein „vor alle Wissenschaften gehöriges edles Kleinod und sonderbare Zierde“ der fürstlichen Residenz beigehalten und bereichert werden. Dies zur öffentlich fideikommissarischen Einrichtung erklärte Bibliothek des Hauses Brandenburg sollte den Einheimischen, Fremden, Lehrenden und Lernenden dienen und vor allem den fürstlichen Collegien, dem Archiv und der studierenden Jugend des Gymnasiums von Nutzen sein. Der Stiftungsbrief bietet ein schönes Beispiel für die aufgeklärten Bestrebungen des markgräflichen Hofes.

Durch den Verkauf des Maschalkhauses im Jahr 1739, das ohnehin den Platzanforderungen der Bücherlast nicht mehr genügte, wurde 1745 die Rückverlegung der auf 15.000 Bände angewachsenen Bibliothek in das Schloss vorgenommen. Betreut wurde die Bibliothek bis 1764 von den Hofräten Johann Sigmund Strebel und Gottlieb Paul Christ aus Coburg.

Hofarchitekt Retty erhält Auftrag für Bibliotheksneubau

Da 1746 anlässlich eines Festes im Schloß ein Feuer ausbrach, das glücklicherweise keinen größeren Schaden anrichtete, wurde der Bau eines Bibliotheksgebäudes in Erwägung gezogen. Zu diesem Zweck entwarf der Baudirektor und Ingenieur-Capitän Leopoldo Retty einen Plan, der aus finanziellen Gründen nie zur Verwirklichung kam. Obwohl Carl Wilhelm Friedrich sich in hohem Maß der Verwaltung und Jagd zuwandte, setzte er sich für den Ausbau der Bibliothek ein, der er bereits 1730 den größten Teil seiner Hausbibliothek stiftete. An der Förderung der Wissenschaften war im insofern gelegen, als Ansbach anderen Höfen nicht nachstehen sollte.

Das genaue Gegenteil seines Vaters verkörperte der letzte Markgraf Christian Friedrich Carl Alexander, der sich zu dem Kunst- und Geistesleben der westlichen Großmächte hingezogen fühlte und das Musik- und Theaterleben am Hofe schätze. Während seiner Regierungszeit wurden der Bibliothek zwei geschlossene Privatsammlungen testamentarisch vermacht, und zwar die Büchersammlung des Geschichtsschreibers Johann Heinrich von Falkenstein sowie die medizinische Fachbibliothek des markgräflichen Leibarztes Hellwig Christian Mayer. Käuflich erworben wurden keine geschlossenen Sammlungen mehr; stattdessen konzentrierte sich die Erwerbung auf laufende Neuerscheinungen und kleinere Lückenergänzungen.

Markgraf Alexander fördert Kunst und Wissenschaft


1769 fiel Alexander, dessen Geisteshaltung, Lebensstil und Regierungsweise von der Aufklärung geprägt waren, das Fürstentum Bayreuth zu, als mit dem Tod des Markgrafen Friedrich Christian die Brandenburg-Kulmbachische Linie erloschen war. In seiner Funktion als Landesherr beider Fürstentümer nahm Markgraf Alexander sich der Belange der Landesuniversität Erlangen an, die seither den Namen Friedrich-Alexander-Universität trägt.

Von seinen zahlreichen Reisen in Deutschland und in den westlichen Ländern brachte er stets eine Ausbeute für die Bibliothek mit, darunter kostbare Prachtausgaben, und trug auf diese Weise erheblich zur Bereicherung der hochfürstlichen Bibliothek bei. Im Oktober 1769 erteilte er wichtige Instruktionen, die Schlossbibliothek betreffend. So legte er z. B. fest, dass die Bibliothekare ohne Rücksprache mit ihren Kollegen kein Buch kaufen oder gar ein Buch der Herrschaft verkaufen durften.
Zuständig für die Bibliothek in den Jahren 1765 bis 1791 waren der Stiftskaplan Johann Jakob Spieß, der Hofkammerrat Adam Ludwig Wetzel sowie der Gymnasialprofessor Johann Georg Zenker. Ihrem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass der Reiseschriftsteller Philipp Wilhelm Gercken nicht nur den wissenschaftlichen Bestand, sondern auch die gute Ordnung der Bücher rühmte.

Fürstentümer Ansbach und Bayreuth fallen an Königreich Preußen

Nach dem Ableben seiner Gemahlin Friederike Caroline verzichtete der kinderlose Markgraf Alexander zugunsten Preußens auf die Herrschaft über die Hohenzollern’schen Fürstentümer Ansbach und Kulmbach-Bayreuth und zog sich mit seiner Favoritin Lady Craven nach England zurück.

Über das weitere Schicksal der an seltenen und kostbaren Beständen reichen Bibliothek, die die von den Zeitströmungen beeinflussten Neigungen und Interessen der Markgrafen und Markgräfinnen widerspiegelt, soll im Folgenden eingegangen werden.

Festzuhalten ist, dass als wahre Kunst- und Bücherfreunde im 17. Jahrhundert Johann Friedrich und im 18. Jahrhundert Christiane Charlotte sowie Alexander zum Wohl der Bibliothek beigetragen haben.

Schlossbibliothek Unterschwaningen wird nach Ansbach transportiert

Nach der Abdankung des Markgrafen Alexander regierte in Ansbach-Bayreuth 14 Jahre lang unumschränkt wie ein „Vizekönig“ Minister Karl August von Hardenberg. Durch eine Erhöhung des Bibliotheksetats auf 500 Gulden schien die würdige Fortsetzung der markgräflichen Stiftung zunächst gesichert, doch bereits nach 1802 wurde die planmäßige Erwerbung nicht mehr konsequent durchgeführt, bis sie im Zuge der politischen Ereignisse völlig unterblieb. Die einzige größere Errungenschaft während der preußischen Ära stellte die Bibliothek des Schlosses Unterschwaningen dar, die 1802 nach Ansbach transportiert wurde und von den Markgräfinnen Christiane Charlotte und Friederike Louise zusammengetragene Bücherschätze verborgen hielt.

Aus: Marlene Tiggesbäumker-Mütherties, „Die markgräfliche Schloßbibliothek Ansbach als Grundstock der Universitätsbibliothek Erlangen“, Hausarbeit zur Prüfung für den höheren Bibliotheksdienst an der Fachhochschule für Bibliotheks- und Dokumentationswesen in Köln, (1985). Das Exemplar in der Vereinsbibliothek des Vereins der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V. in der Villa Sandrina zu Triesdorf kann dort eingesehen werden. Terminvereinbarung unter Tel. 09826/335.