Der beiden Brauereien der Markgräfin in Unterschwaningen und Weidenbach

UNTERSCHWANINGEN/WEIDENBACH – Am 30. Mai 1729 heiratete die Prinzessin Friedrike Louise in Preußen mit 14 ½ Jahren den 17jährigen Ansbacher Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich in Berlin und zog in die Haupt- und Residenzstadt Ansbach. Neben den „lukrativen Hochzeitsgeschenken“ (Schödl 2009), brachte sie ein gewaltiges Darlehen über 200.000 Taler bzw. 300.000 Gulden rheinischer Währung ins Ansbachische mit.

Ein Jahr nach der Hochzeit besuchte sie ihr Vater König Friedrich Wilhelm. Neben dem freudigen Wiedersehen mit seiner Tochter Friederike Louise und politischen Angelegenheiten ging es darum, sich über die wirtschaftliche Entwicklung im Fürstentum Ansbach und über die Rückzahlung des Darlehens zu erkundigen. Am 30. Juli 1730 reiste der König in Begleitung des Markgrafen nach Gottesdienst, Mittagessen und Verabschiedung von Friederike Louise von Triesdorf Richtung Hohenaltheim ab, nicht aber ohne noch zuvor Schloss Unterschwaningen gesehen zu haben. Unterschwaningen war der frühere Witwensitz der Markgräfin Christiane Charlotte. Unterschwaningen sollte aber auch Witwensitz von Friederike Louise werden.

Es ist also zu vermuten, dass Friederike Louise ihrem Vater von ihren Plänen berichtete, in Unterschwaningen ein Mustergut zu errichten. Denn ihr Vater wollte es sich nicht entgehen lassen, den Ort selbst in Augenschein zu nehmen. So schreibt der kaiserliche Botschafter Friedrich Heinrich Reichsgraf von Seckendorff erstaunt an den Wiener Hof:

„Man besahe en passant ein der verstorbenen frau marggräffin gehöriges gewesenes und zwey meilen von Triesdorff gelegenes schloß, Schwaningen genant, setzte aber die reise über Öttingen nach Hohenaltheim – wo der fürst von Öttingen sich dermahlen auffhält – dergestalt fort, daß man abendts vor der sonnen untergang alda ankame.“ (Wagner 1957).

Friederike Louise hat ihr Projekt Unterschwanigen also bald nach ihrer Ankunft im Fürstentum Ansbach in Angriff genommen. Schon im Ehevertrag wurde festgelegt, welche Morgengabe ihr nach Geburt des Erbprinzens zustand, nämlich Schloss und Gut Schwaningen. Hier entstanden unter ihrer Hand Molkerei und andere Betriebe, das Schloss wurde erweitert und der markgräfliche Hofbaumeister Leopoldo Rettÿ erstellte für sie eine Hofkirche und legte den Hofgarten an.

Bierbrauerei ist Herzstück der Ökonomie

Herzstück der Unterschwaninger Unternehmungen aber war die Brauerei. Um sich in den Bierbraubetrieb einzuarbeiten, besuchte die reformierte Markgräfin sogar die katholische Wallfahrtskirche Großlellenfeld nur zum Schein, um sich tatsächlich die Aktivitäten des dortigen Pfarrers Johann Emmeram Weißgerber anzusehen.

So schreibt der Pfarrer im Eintrag vom 14. August 1730, also kurz nach dem Besuch des Königs im Ansbachischen, ahnungslos ins Pfarrregister des Pfarramts Großlellenfeld „habe ich die hohe Gnad gehabt, daß Ihro Königliche Hoheit Frau Markgräfin nit allein die Kirch besichtigt und das Geläut zu hören verlangt, sondern auch mir die hohe Gnad angetan, den Pfarrhof besehen, bey 2 bis dritthalbstund bey mir mit 3 Dames, 3 Kavaliers, 2 Husaren und anderen sich heut aufgehalten und mit rotem Burgunderwein mich beschenkt.“ (Freundliche Mitteilung von Hermann Thoma, Goldbühl).

Denn die Markgräfin war nicht allein mit ihrer Idee, aus Bierherstellung und Bierverkauf Gewinn zu schlagen. Auch der Lellenfelder Pfarrer war sehr geschäftstüchtig. „Von ihm ist bekannt, dass er 1731 den Pfarrhof neu erbauen oder gründlich umbauen ließ und sich mit der Gemeinde Lellenfeld um das >Zigeunerholzörtlichen Wirte< nicht schmecke.“ (Pasel 2005).

Allerdings war aber der Absatzmarkt in Unterschwaningen zu gering, um die Bierbrauerei profitabel zu betreiben. Deshalb suchte die Markgräfin nach Expansionsmöglichkeiten.

Ihre Wahl fiel auf Weidenbach, um den großen Triesdorfer Markt zu erschließen. Eben dort, wo sich der Markgraf und Ehemann Carl samt Hofstaat mit Falknerei und Pferdegestüt beschäftigte. Die zahlreichen Baustellen erzeugten zudem viele trockene Kehlen. „Christian Seybold, Marketender zu Triesdorf, erbaute sich 1736 ein Haus in Weidenbach, und erhielt darauf das Recht der Heckenwirtschaft, worauf er Schwaninger Bier ausschenkte, unter dem 1737 erlangten Schild eines Falken, der sodann 1739 auch als Anzeichen des Tafernrechts erkannt wurde.“ (Lang 1848).

Übernahme der Konkurrenz und Investition in Lagerkapazitäten

Friederike Louise bekam aber bald Konkurrenz. Das Weidenbacher Schlossgut des späteren Obristfalkenmeisters Ernst Wilhelm Anton von Heydenab wurde per Dekret des Markgrafen von 15. August 1739 an die Triesdorfer Röhrenfahrt angeschlossen (die besteht heute noch, das Hotel Platengarten ist noch angeschlossen)

Und der dortige Braubetrieb konnte beginnen. Es ist also kein Zufall, dass Friederike Louise 1756 ihren Hofkammerrat Johann Christoph Hirsch beauftragte, das Weidenbacher Schloss und Gut des Obristfalkenmeisters samt Brauerei mit Verlag in Gunzenhausen zu kaufen.
In Triesdorfer Tiergarten ließ sie sich einen großen Felsenkeller graben und ausbauen, um das Lagerbier während des Sommers kühl zu halten und an Ort und Stelle im Biergarten zu verkaufen. Damit konnte gleichzeitig der Bierausstoß erheblich gesteigert werden, weil in die Vermarktung investiert worden war.

Fazit

Friederike Louise betrieb ihre Unternehmen in Unterschwaningen nicht nur hobbymäßig betrieb, sondern unternehmerisch handelte, indem sie einen unliebsamen Konkurrenten in Weidenbach übernahm und in dessen Betrieb sogar noch weiteres Geld investierte. Sie begnügte sich hier offenbar nicht nur mit dem galanten Ausspruch „Und wird auch der Erfolg mir keineswegs zum Lohn, Ist selbst das Unterfangen genug der Ehre schon.“ (Laclos 1999). Nein, die Markgräfin wollte Erfolg. Friederike Louise war auf „Plusmachen“ (Störkel 2009) aus.

CARL-ALEXANDER MAVRIDIS

Falkenjäger unter sich: Carl von Ansbach bei Clemens August von Köln in Brühl bei Bonn

Falkenjagd ansbach Kultur in Ansbach Kulturausflug nach Ansbach Kulturreise Hotel Platengarten

TRIESDORF/ALTENKIRCHEN

Falkenjagd  : Clemens August als Falkenjäger von Peter Jakob Horemans aus Schloss Augustusburg. Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl sind heute UNESCO-Welterbestätten. Foto: Horst Gummersbach.
Kurfürst Clemens August als Falkenjäger von Peter Jakob Horemans aus Schloss Augustusburg. Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl sind heute UNESCO-Welterbestätten. Foto: Horst Gummersbach.

Im Fürstentum Ansbach spielte die Falkenjagd eine herausragende Rolle. Bei der Hohen Beize, die allein dem Fürsten zustand, handelt es sich um die Jagd mit abgerichteten Raubvögeln, die hoch in der Luft andere Vögel von oben angreifen und nieder drücken und somit schlagen. Als besonderes Schauspiel war der Kampf zwischen dem Gerfalken (Islandfalke) und dem Graureiher hoch im Kurs. Es war Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, der dieser sehr teueren und aufwändigen Jagdform sein Leben widmete. Dass die Kinder aus der Verbindung mit seiner Nebenfrau Elisabeth Wünsch den Namen Falkenhausen erhielten, können wir heute dafür als Beweis gelten lassen.

In seinem Buch „Fürstliche Jagd im barocken Franken“ (Verlag C. und C. Rabenstein: Bayreuth 2012) schreibt Arno Störkel:
„Carl Wilhelm Friedrich hatte bereits ein Jahr nach seinem Regierungsantritt ein volles Hundert Falken im Dienst. Er wurde charakterisiert als ein Mann, den man den ganzen Tag mit dem Falken auf der Hand sah; er beschäftigte ein halbes Hundert Mann – inklusive eines eigenen Falkenmalers – allein für sein Hobby und ließ es sich über 50.000 fl. (Gulden) im Jahr kosten. Die Priorität, die die fauconerie bei ihm an Aufmerksamkeit und Geld genoss, brachte ihm schon früh Probleme in seiner Ehe und sein Land schließlich buchstäblich an den Rand des Ruins.“

Sitz der ansbachischen Falknerei war zuerst Triesdorf und später dann zusätzlich Gunzenhausen.

War die Falkenjagd für den Markgrafen von Ansbach wirklich nur Hobby? Tatsächlich muss man den Markgraf als Fürsten betrachten, als Ersten Politiker seines Territoriums. Und die Falkenjagd war ein Mittel, um sich mit anderen Fürsten und anderen Politikern zu treffen und zu messen. Dass Markgraf Carl beim Besuch seines Schwiegervaters Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg und König in Preußen zu Triesdorf eine Falkenjagd veranstaltete, zeigt die Dimension der Unternehmung. Wahrscheinlich wollte Markgraf Carl seinem Schwiegervater dadurch verdeutlichen, dass die Führung im gemeinsamen Haus Hohenzollern noch nicht ausgemacht ist.

Am 1. August 1741 fiel die Grafschaft Sayn-Altenkirchen an das Fürstentum Ansbach. Die kleine Grafschaft im Westerwald kam aus einer Erbschaft weit entfernter Verwandten an den Markgrafen. Zur Huldigung fuhr Carl Wilhelm Friedrich selbst dorthin. Carl Heinrich Ritter von Lang schreibt in seinem Aufsatz „Geschichte des vorletzten Markgrafen von Brandenburg-Ansbach (Carl Brügel: Ansbach 1848) nahezu verwundert: „Der Markgraf selber begab sich am 5. Oktober von Triesdorf aus dahin, um am 7. Oktober die feierliche Huldigung einzunehmen, während die Markgräfin ihrem geliebten vaterländischen Berlin zueilte. Im Gefolge des Fürsten befanden sich die glücklichen Günstlinge, der Oberst=Reisestallmeister v. Schenk und der Falkenmeister v. Heidenab, der Sekretär Holle, der Kammerdiener Binder, der Kammer=Courier Ritter und der ehemalige Feuchtwanger Burgermeister und lustige Rath Wünschenmayer, der durch die Künste der Höflinge zum Narren gemacht, überall in einer ungeheuern Allonge=Perücke, und mit einem kolossalen Kammerherrnschlüssel und erdichteten Orden behängt, daher stolzierte. Am 15. Oktober wurde dem Kurfürsten von Köln ein Besuch in Bonn abgestattet.“

Bei dem ganzen Vorgang fällt auf, dass der evangelisch-lutherische Markgraf – selbst Bischof – und sein Falkenmeister Ernst Wilhelm Anton von Heydenab gemeinsam den Kurfürsten Clemens August von Baiern besuchen und somit den katholischen Erzbischof von Köln. Er, der Bruder des künftigen Kaisers Carl VII. und aus dem mit Hohenzollern und Habsburg konkurrierenden Haus Wittelsbach, war ein ebenso großer Falkner wie der Markgraf.

Leider wissen wir heute nicht, was während des ansbachischen Besuchs in Bonn besprochen wurde. Tatsache ist aber, dass das Jagdschloss Falkenlust des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August nur wenige Jahre vorher fertiggestellt wurde (1737). Architekt war der berühmte kurbayerische Hofbaumeister François de Cuvilliés. Es fällt schwer anzunehmen, dass die beiden Spitzenpolitiker sich nur über Falken und andere Vögel ausgetauscht haben. Wahrscheinlich wurde hierbei auch Politik gemacht und Beschlüsse besiegelt. Somit können wir der Falkenjagd einen staatstragenden Charakter zusprechen. Und den Markgrafen Carl als Staatsmann ansprechen. Denn gleichzeitig war die Ehefrau des Markgrafen, Friederike Louise, bei ihrem Bruder, dem König Friedrich II. in Preußen. Wahrscheinlich wurde hierbei auch nicht nur über die Musik gesprochen, sondern ebenfalls Politik gemacht. Alles ist Kultur, alles ist Politik.

Der Markgraf Alexander und sein Dichter Uz in Triesdorf

Johann Peter Uz, Gemälde von Johann Michael Schwabeda. Schwabeda war markgräflicher Hofmaler 1780, Gleimhaus Halberstadt
Johann Peter Uz, Gemälde von Johann Michael Schwabeda. Schwabeda war markgräflicher Hofmaler 1780, Gleimhaus Halberstadt
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Peter_Uz

Zum 300. Geburtstag von Johann Peter Uz (3.10.1720-12.5.1796) zeigt das Markgrafenmuseum Ansbach eine Sonderausstellung zu Leben und Werk des deutschen Dichters und markgräflichen Juristen in Ansbach

ANSBACH/TRIESDORF – Als die Lady Craven ihren Sieg über ihre Rivalin Mademoiselle Clairon um die Gunst des Markgrafen Alexander als Erste Mätresse feierte, musste natürlich das Volk eingeladen werden und zuschauen. Diese Siegesfeier fand am 23. Juli 1787 in Triesdorf statt – dem markgräflichen Jagd- und Landsitz – und war als Volksfest angelegt. Eine Aufführung des Hoftheaters Triesdorf samt Hofkapelle Ansbach mit dem Stück La Partie de Chasse de Henri Quatre (Die Jagdlust Heinrich IV) des französischen Schriftstellers Charles Collé lieferte dazu den Anlass.

Das Stück wurde in der Originalsprache Französisch gegeben, denn Französisch war im 18. Jahrhundert die Sprache bei Hofe. Um aber auch das Volk einzubeziehen, wurde es um ein deutsches Vorspiel ergänzt. Das Lied zu dieser Volksarie dichtete der aus Ansbach stammende und in Ansbach wohnende reichsweit bekannte Dichter und Jurist Johann Peter Uz.

Damit auch im gesamten Heiligen Reich Deutscher Nation davon Notiz genommen wurde, bestellte die Craven gleich noch einen Journalisten, um über die Veranstaltung im Triesdorfer Heckentheater zu berichten, was dieser dann auch fleißig für das Journal von und für Deutschland tat. Die Bekanntheit von Uz wusste also die Craven geschickt für sich zu nutzen.

Unser Landesvater jagt,
Wie die Edlen pflegen,
Doch des Volkes Liebe zagt
Seines Fürsten wegen.
Huldreich strahlt sein Angesicht,
Und wie Gottes Sonne
Ist es auch der Armen Licht,
Und verbreitet Wonne.
Helfen will er jedem gern,
Keinen gern betrüben,
Diesen lieben, guten Herrn,
Wer sollt’ ihn nicht lieben.

Dieses Gedicht wird heute allgemein als läppisch bezeichnet und somit abgetan. Der Romanist Titus Heydenreich schreibt etwa in seinem Aufsatz Französische Geschmackskultur am Ansbacher Hof: „Hätte Johann Peter Zu zeitlebens nur solche Gedichte geschrieben, dann hätten Germanisten heute weniger zu tun. Uz jedoch steht und stand im Ruf eines verdienten Poeten und Juristen dazu, und was er sich gegenüber der am Ort eh’ Zugereisten leistete, grenzte an Boykott.“ Dabei wird allerdings die tatsächliche Bedeutung und Tragweite des Gedichts verkannt und zeigt zugleich eine Unkenntnis der wahren Verhältnisse. Das Gedicht war nicht für die Lady Craven bestimmt, sondern für das Volk. Das Volk wird an den Hof des Markgrafen Alexander geladen, der landesweit bekannt deutsche Dichter Uz liefert den Text eines Lobgesangs auf den Markgrafen Alexander dazu – auf Deutsch, damit das Volk auch den Inhalt versteht – und das Ganze wird von der englischen Lady Elizabeth Craven organisiert und durchgeführt: Ein Fest für das Volk, eine Oper für den Hof, ein Ereignis für die Welt!


Literatur:
Ernst Rohmer (Hg.) et al, Dichter und Bürger in der Provinz, De Gruyter: Berlin 2013 (Nachdruck)
August Sauer (Hg.), Johann Peter Uz – Sämtliche Poetische Werke, Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 1964

Ansbachische Kammermusik

holländische Karte des Fürstentums Ansbach|Amsterdam 1791

TRIESDORF/KIRCHBERG an der Jagst – Die beiden Fürstentümer Ansbach und Bayreuth wurden ab 1769 durch den Markgrafen Alexander gemeinsam regiert. So kam die ehemalige bayreuthische Hofkapelle nach Ansbach und füllte die dort bereits vorhandene Hofkapelle kräftig auf.
In Ansbach wirkten bedeutende Komponisten wie Jakob Friedrich Kleinknecht und Andreas Gottlob Schwarz. Heute ist die großartige markgräflich-ansbachische Musiktradition nahezu vergessen.

Zum einen lenkt der Ruhm von Johann Sebastian Bach – der niemals in Ansbach weilte – und die ihm zu Ehren auch 2019 stattfindende Ansbacher Bachwoche die musikalische Aufmerksamkeit Richtung Köthen und Leipzig. Zum anderen hat die Dissertation über den Ansbacher Markgrafen Alexander von Arno Störkel weiterhin gehörigen Einfluss.

Dieser hätte, so Störkel, das Ansbacher Musikleben eher als gering eingeschätzt. Er schreibt: „Das Ansbacher Musikleben erfuhr erst durch die Bayreuther Erbschaft einen Aufschwung, als die dortige Hof-Capell- und Cammer-Music durch den Markgrafen übernommen wurde, doch eine Rückkehr zu den Tagen des späten 17. Jahrhunderts, als Ansbach einer der führenden Höfe Deutschlands in dieser Hinsicht gewesen war, sollte es nicht geben.
Alexander, der das Cello mit nicht geringer Fertigkeit spielte, hatte offenbar kein intensives Interesse an musikalischen Veranstaltungen; in den achtziger Jahren [1780er] war die Konzerttätigkeit am Hof mehr oder weniger eingeschlafen.“

Dabei bezieht sich Arno Störkel auf eine Aussage von C. L. Junker, der 1785 schreibt: „Das einzige Konzert, das in Ansbach noch überhaupt und beinahe ausschließungsweise gehalten wird, ist in dem Hause des Herrn Ministers von Benkendorf, dieses redlichen, altdeutschen, ganz warmen, ganz gefühlvollen Mannes für die Tonkunst.
In seinem Hause versammeln sich allemal über den anderen Tag die Glieder der fürstlichen Kapelle in freundschaftlicher Vertraulichkeit“. Tatsächlich bezieht sich diese Einschätzung lediglich auf die Konzerttätigkeit in Ansbach, nicht auf die Musiktätigkeit insgesamt.

Da sich der Ansbacher Hof aber „beständig in Triesdorf“ aufhält, wie es der gebürtige Gunzenhäuser Norbert von Grund schreibt, spielt die Musik nicht in Ansbach, sondern in Triesdorf. Während also die Hofkapelle in Ansbach sich private Auftraggeber suchen musste, erklang die Kammermusik in Triesdorf im Staatsauftrag.

Dass die Ansbacher Hofkapelle darüber hinaus als bedeutend eingestuft werden muss, zeigt die Aufnahme in den Musikalischen Almanach des Musiktheoretikers Johann Nikolaus Forkel im Jahr 1782. Tatsächlich wird die Ansbachische Staatskapelle dort in das „Verzeichniß des besten Kapellen deutscher Höfe“ aufgenommen, wie Christian Ahrens in seiner Dissertation über die Hofkapelle Gotha feststellt. „Auch in Relation zu den Kapellen in Regensburg und Ansbach schneidet die in Gotha nicht schlecht ab.“ (Ahrens). Über die Hofkapelle Ansbach steht eine wissenschaftliche Aufnahme hingegen noch aus.

Markgraf Alexander ließ sich von seinem Hofbauinspektor Johann David Steingruber erst das alte Falkenhaus in Triesdorf zu seinem Wohnsitz umbauen, später dann sogar erheblich erweitern.
Es wird also tatsächlich zum Roten Schloss.
In der Bel Etage wird ein Festsaal eingerichtet: Somit wird Platz geschaffen für kammermusikalische Konzerte. Der Bezirk Mittelfranken hat in den letzten Jahren dieses markgräfliche Schloss renoviert, der Festsaal soll künftig nach den Aussagen des Leiters der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf, Otto Körner, als besonderer Konferenzsaal dienen.

Die Dissertation von Adelheid Krause-Pichler über Jakob Friedrich Kleinknecht (1722-1794) weist eine Vielzahl von Kompositionen aus dessen Ansbacher Zeit auf – Sinfonien, Konzerte und Trio-Komposition -, die sich freilich in der Mehrzahl nicht erhalten haben. Ebenfalls am Ansbacher Hof wirkte seit 1776 der Fagottist Andreas Gottlob Schwarz. Von ihm gab in den Jahren 2012 und 2014 der Münchener Fagottist und Musikwissenschaftler Hans-Peter Vogel zwei Sonaten für Fagott und Violoncello und das Konzert F-Dur für Fagott und Orchester heraus.

Damit das kulturelle Leben in Triesdorf wieder mehr an Fahrt gewinnt, lädt Markgraf Alexander die anerkannte Schriftstellerin und Dramatikerin Lady Elizabeth Craven aus Paris nach Ansbach ein, um in Ansbach und Triesdorf als Kulturmanagerin zu wirken.

Tatsächlich erscheint sie 1787 und inszeniert sogleich eine Oper unter freiem Himmel im Heckentheater zu Triesdorf.
Dazu spielt die Hofkapelle Ansbach: „Nach 8 Uhr begann der Anfang mit Trompeten und Pauken, und einer hinreissenden Musik von Künstlern, deren Vorzüge in Ihren artistischen Miscellaneen schon mehr als einmal gerühmt worden sind“.

Und der Ansbacher Hofdichter Johann Peter Uz muss ein Gedicht beisteuern, welches sogar als Arie gesungen wird:

„Unser Landesvater jagt,
Wie die Edlen pflegen,
Doch des Volkes Liebe zagt
Seinen Fürsten wegen.
Huldreich strahlt sein Angesicht,
Und wie Gottes Sonne
Ist es auch der Armen Licht/
Und verbreitet Wonne.
Helfen will er jedem gern,
Keinen gern betrüben,
Diesen lieben, guten Herrn,
Wer sollt’ ihn nicht lieben.“

(zitiert nach Renate Schusky).

Wer ansbachische Musik von Kleinknecht und Schwarz tatsächlich erleben möchte, dem bietet sich eine seltene Gelegenheit beim Hohenloher Kultursommer 2019. Ansbachische Kammermusik erklingt am Samstag, 31. August 2019 auf Schloss Kirchberg. Beginn um 18 Uhr.