Aufsatzbesprechung: Johann Sigmund Strebel und seine Lehrschrift für den Erbprinzen Alexander

Porträt von Markgraf Alexander von Ansbach-Bayreuth aus dem neuen Kurhaus von Bad Alexandersbad. Tatsächlich hatte der Fürst einen Sinn für Ökonomie. Als Erbprinz hatte er im sehr fortschrittlichen Holland die Politik des Wirtschaftswachstums kennengelernt. Um den wirtschaftlichen Aufschwung des ehemaligen Kurbades Sichersreuth zu forcieren, wurde dort ein Kurhaus gebaut und das Bad nach ihm umbenannt. Das alte Kurhaus heißt heute Markgräfliches Schloss.
 

ANSBACH – „Von der nothwendigkeit und dem nutzen der erkenntnuß eines landes überhaupt“ ist der Titel eines Aufsatzes von Andreas Rutz in der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 2019 Band 82 [Heft 2].

Der Untertitel verrät etwas mehr: Johann Sigmund Strebel und die Prinzenerziehung in Brandenburg-Ansbach um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Tatsächlich geht es in dem Beitrag um die Inhalte des Ausbildungsprogramm für den Erbprinzen Alexander von Brandenburg-Ansbach, welches von dem markgräflichen Bibliothekar und Archivar erstellt wurde. Dabei geht der Aufsatz auf einen Vortrag zurück, den der Autor am 11.02.2016 an der Universität Bayreuth gehalten hat. Für die Drucklegung wurde das Manuskript mit einem umfangreichen Quellenapparat versehen und aktualisiert.

Gegenstand des Artikels ist die knapp 300 Seiten umfassende Landesbeschreibung des Fürstentums Ansbach mit dem Titel „Anleitung zur nöthigen Kenntnuß von der wahren und archivmäßigen Beschaffenheit des Hochlöblichen Fürstenthums Brandenburg-Onolzbach oder Burggrafthums Nürnberg unterhalb Gebürgs zum Gebrauch des Durchlauchigsten Erb-Prinzen“, welche heute im Staatsarchiv Nürnberg aufbewahrt wird. Autor der Lehrschrift ist Johann Sigmund Strebel.
Er erhielt den Auftrag dafür vom Markgrafen Carl, der offensichtlich mit dem Wissenstand nach dem Studium in den Generalstaaten seinen Sohnes Alexanders unzufrieden war. „Ziel seines Vaters war es, dem Fünfzehnjähigen nach den sehr allgemeinen Studien in den Niederlanden eine dezidiert auf die künftigen Aufgaben im Lande zugeschnittene Ausbildung zukommen zu lassen, und genau zu diesem Zweck diente die Anleitung.“ (S. 482).

Zwar diente die Anleitung zur Prinzenerziehung, Strebel war aber nicht Alexanders Prinzenerzieher. „Als Erzieher des 1736 geborenen Erbprinzen Karl Alexander fungierte Stebel nicht, verfasste für den Fünfzehnjährigen aber 1751 die Anleitung zur nöthigen Kenntnuß von der wahren und archivmäßigen Beschaffenheit des Hochlöblichen Fürstenthums Brandenburg-Onolzbach oder Burggrafthums Nürnberg unterhalb Gebürgs.“ (S. 486).

Wenn Strebel jetzt aber nicht der Prinzenerzieher war, wie kann nun seine Anleitung einen zentralen Bestandteil der Prinzenerziehung eingenommen haben? Tatsächlich wird dies aber in dem Beitrag unterstellt: „Bemerkenswert ist, dass Fragen von Infrastruktur und Ökonomie, deren Berücksichtigung Strebel mit Blick auf das Genre der Landesbeschreibung durchaus als wichtig erkannt hatte, bei dieser Zielsetzung völlig aus dem Blick geraten und in der Anleitung letztlich nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen.“ (S. 494) Hat jetzt der Erbprinz diese Lehrschrift studiert oder nicht?

Laut des Autoren existiert in der Schlossbibliothek Ansbach (Staatliche Bibliothek) eine Abschrift mit dem Titel „Beschreibung des Ober-Amts Onolzbach nach deßen wahren und archivmäßigen Beschaffenheit Anno 1751″

Allerdings übersieht der Autor, dass es sich bei dem Nürnberger Exemplar um das gesamte Fürstentum handelt, bei dem Ansbacher Manuskript lediglich um das Oberamt Ansbach. Interessant wäre es jetzt gewesen, diese beiden Exemplare miteinander zu vergleichen, ob sich nur der Titel oder auch der Inhalt unterscheidet – und wenn ja, wie? Dass sich in der Schlossbibliothek heute noch Material von Strebel erhalten hat, ist ja auch zu erwarten, war doch Strebel selbst Bibliothekar ebendieser markgräflichen Einrichtung.

Diese Unaufmerksamkeit von Andreas Rutz lässt sich erklären. Der Autor ist aktuell Lehrstuhlinhaber für sächsische Landesgeschichte an der Technischen Universität Dresden und mit der ansbachischen Markgrafengeschichte offensichtlich wenig vertraut. Dies zeigt sich auch, dass er den Namen des Markgrafen fast durchgängig falsch widergibt. Der Markgraf hieß Alexander im Gegensatz zu seinem Vater Carl, nicht Karl Alexander wie Rutz schreibt. Zwar wird in der älteren Literatur dieser Fehler oft begangen – wobei es dann immerhin Carl Alexander heißt, wie etwa bei Martin Krieger Die Ansbacher Hofmaler des 17. und 18. Jahrhunderts (1966) -, doch hat sich seit Günther Schuhmann Die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach (1980) die Sache eigentlich erledigt.

Allerdings gibt es auch in der jüngsten Literatur einen anderen Fall von Falschbenennung. Susan Richter erfindet 2010 den Namen Friedrich Carl Alexander. Markgraf Alexander hieß mit vollem Namen Christian Friedrich Carl Alexander. So hat es Arno Störkel in seiner Biografie über den Ansbacher Fürsten 1995 auch richtig festgehalten. Beide Autoren, Rutz und Richter, kennen die Biografie von Störkel, da beide sie mehrfach zitiert haben, geben aber leider keine Erklärung für die jeweilige Namensänderung.

Wie kam nun Andreas Rutz zu seinem Gegenstand? In der Fußnote 51 seines Aufsatzes erschließt sich diese Frage. 2015 erschien in der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte bereits ein Aufsatz von ihm mit dem Titel: Territorialpolitik mit Karten. Der Streit um die Landeshoheit zwischen Brandenburg-Ansbach und Nürnberg im 18. Jahrhundert. Tatsächlich diente die Anleitung also weniger der Prinzenerziehung, sondern der Territorialpolitik und der Territorialpropaganda. „Für Brandenburg-Ansbach erfüllten die Landesbeschreibungen und Karten also einen doppelten Zweck: Die hierdurch ermöglichte intime Kenntnis des Landes diente sowohl bei innenpolitischen Projekten als Entscheidungsgrundlage als auch der Abwehr auswärtiger Ansprüche.“ (S. 490) 1763 veröffentlichte der Nürnberger Verlag Homann Erben seine berühmte Karte Principatum Brandenburgico Onolsbacensem über das Fürstentum Ansbach, die sich auch im Vorsatz von Störkels Dissertation befindet. Interessant wäre jetzt gewesen, inwiefern sich der Streit um den Grenzverlauf Ansbach-Nürnberg in der Karte widerspiegelt.

In seinem Fazit kommt Andreas Rutz zu einem überraschenden Ergebnis. „Der geringe Stellenwert der Ökonomie in der diskutierten Lehrschrift ermöglicht eine genauere Charakterisierung der Prinzenerziehung in Brandenburg-Ansbach im 18. Jahrhundert.“ (S. 494). Wenn Strebel den Auftrag vom Markgrafen Carl hatte, seinem Sohn Alexander das beizubringen, was in seinen bisherigen Studium in Utrecht fehlte, dann mussten Fragen zur Ökonomie nicht mehr eigens diskutiert werden. Gerade deshalb war ja Alexander in Holland, waren doch die handelstreibenden Seemächte führend in der Marktwirtschaft und Motoren bei der Politik des Wirtschaftswachstums. Dass Alexander etwa 1748 die Porzellanfabik in Delft besichtigte (Störkel 1995, S. 23) und dann – kaum an der Regierung – zehn Jahre später 1758 selbst eine Porzellanfabik in Ansbach gründete – später verlegt nach Bruckberg -, ist doch ein deutliches Zeichen für die Bedeutung der Ökonomie im Markgraftum Ansbach im 18. Jahrhundert. Immerhin erkennt Andreas Rutz die Gründung der Porzellanfabrik als markgräfliche Leistung an.


ANDREAS RUTZ, „Von der nothwendigkeit und dem nutzen der erkenntnuß eines landes überhaupt“. Johann Sigmund Strebel und die Prinzenerziehung in Brandenburg-Ansbach um die Mitte des 18. Jahrhundert, S. 475-496, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 2019, Band 82 [Heft 2], hg. von der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie für Wissenschaften in Verbingung mit der Gesellschaft für fränkischen Geschichte und der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft, Verlag: C. H. Beck, München

Markgraf Alexander und seine Lust zu jagen und zu reiten

Beitrag von Arno Störkel, Würzburg

Markgraf Alexander [von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth], der sich zu Recht wegen seines aufgeklärten und seinen Ländern so wohltuenden Regierungsstils bekannt war, stellte die Jägerei – speziell die von ihm wieder zum Leben erweckte Parforcejagd – jahrzehntelang so sehr in den Mittelpunkt seines Lebens, dass das schon die Zeitgenossen verwirrte: es ließ sich mit der so rühmlich an den Tag legenden Milde der jetzigen Regierung nicht zusammen reimen. (Über die Hegung des Wildes im Ansbachischen, in: Journal von und für Deutschland, 1784, Heft I, S. 107ff., S. 110).

Jagdszenen Paravent Ansbacher Markgrafen, Museum. Hohenzollern, Jagd Parforcejagd Kultur in Ansbach,
Der Paravent aus dem Museum Ansbach

Ausländischen Politikern gegenüber charakterisierte man ihn mit seiner amour de la chasse (Brief Christoph Ludwig von Seckendorff v. 10.11.1757), was für die Zeit nichts Besonderes war; dass er missvergnügt war, wenn eine vorgehabte Jagd ausfallen sollte, wohl auch nicht. Die von einem kaiserlichen Gesandten konstatierte hefftige und alleinige Beschäftigung mit Jagen und Reiten (Bericht Widmann v. 2.8.1766) in seinem jüngeren Jahren muss indes so ausgeprägt gewesen sein, dass sie auch andere Beobachter eines nicht langen Lebens des Herrn Marggraf von Ansbach (Bericht Montmartin v. 4.2.1769) fürchten ließ.
Nach der Extraktion eines Zahnes 1769 – im 18. Jh. weiß Gott keine Kleinigkeit – ging er sogleich auf die Parforcejagd: und darauf waren … die schmerzen Vorbey (Notiz Reitzenstein v. 9.10.1769). Diese Besessenheit legte sich indes mit der Zeit allmählich; daß er sein voriges wildes JägerLeben abgeändert (Bericht Hartig v. 15.9.1768) darf zumindest für die Siebziger Jahre gelten.

Die Parforcejagd als Selbstzweck für einen großen Herrn

Bei der Parforcejagd ging es – ein wenig wie bei der Falkenjagd – an sich nich um die Beute, sondern die Verfolgung des Tieres hatte sich zum Selbstzweck entwickelt: allein und einzig zu einem grossen Palisir und Staate eines grossen Herrn. Das Beutetier war ein Hirsch oder ein Wildschwein, es ging also um die Hohe Jagd, exklusives Privileg des Landesherren und eines seiner wichtigsten Statussymbole überhaupt. Ein moderner Beobachter meint gar, die Jagd sei das einzige Recht gewesen, mit dem der Landesherr auf sämliche Untertanen einwirken konnte.

Diese Jagdform, am französischen Hof erfunden und deshalb auch französische Jagd genannt, wurde schon bald in verschiedenen Territorien des [Heiligen Römischen] Reichs [deutscher Nation] kopiert, zunächst in Celle 1670, in Bayern kurz darauf. Unter anderem waren es Kursachsen, Anhalt-Dessau, Württemberg, und Ansbach, die ebenfalls früh – auf Grund persönlicher Vorlieben der Herrscher – eine solche Jagd einrichteten. Sie galt als dem Zeitgeschmack entsprechend und dem in jeder Hinsicht verpflichtenden Vorbild Versailles gerechtes, als teures und damit exklusives Vergnügen (… für viele zu kostbar …), das in jeder Hinsicht dem Selbstwertgefühl von Veranstaltern und privilegierten Teilnehmern entsprach – Einen Hirsch als ein tapferes und edles Thier in freyem Felde aus heroischem Gemüthe par Force zu erlegen.

Aus: Arno Störkel, Fürstliche Jagd im barocken Franken, Verlag C. u. C. Rabenstein: Bayreuth 2012, S. 4 (oben) u. 14 (unten)

Der seltene Vogel Nimmersatt in der Menagerie zu Triesdorf

Beitrag von Siglinde Buchner, Weißenburg in Bayern

Die unscheinbare Siedlung Schlungenhof [zwischen Gunzenhausen und Altenmuhr (Muhr am See)] geriet im Oktober 1754 in den Fokus des 42-jährigen Markgrafen Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach (*12.5.1712, +3.8.1757), der nach seinem Tod zu Unrecht der Wilde Markgraf genannt wurde.

Seltener Vogel Nimmersatt, Menagerie zu Triesdorf
Seltene Vogel Nimmersatt in der Menagerie zu Triesdorf

Seine Leidenschaft war die Jagd, vor allem die Falkenjagd. Als ihm gemeldet wurde, dass bei Schlungenhof große weiße Vögel gesichtet wurden, befahlt er, diese zu fangen und lebendig nach Triesdorf zu bringen.

Dieses ungewöhnliche Ereignis wurde in einem historischen Journal vom 20. Oktober 1754 beschrieben:
„Aus der markgräflich-ansbachischen Stadt Gunzenhausen ist vor wenigen Tagen zu Ansbach die Nachricht eingelaufen, dass sich in dasiger Gegend in dem Altmühl-Fluß 5 fremde Vögel, die man sonst Nimmersatt nannte, gezeigt hätten, welche weiß und größer als eine Gans wären, einen zwei Querfinger gleich breiten und über eine halbe Elle langen Schnabel hätten, wodurch sie einen dreipfündigen Karpfen verschlucken könnten.

Die Menagerie zu Triesdorf vom Storchenweiher aus gesehen. Foto: Die Ansbachische Markgrafenstraße.
Die Menagerie zu Triesdorf vom Storchenweiher aus gesehen. Foto: Die Ansbachische Markgrafenstraße.



Darauf wurde alsbald der herrschaftliche Menagerie-Meister von Triesdorf auf hochfürstlichem Befehl abgeschickt, der auch so glücklich war, dass er eine Viertelstunde von Gunzenhausen bei Schlungenhof in einem Entenpfuhl, das Binsenwöhr genannt, durch das eingelegte Entengarn zwei von diesen Vögeln lebendig fing, welche hierauf in der Menagerie nach Triesdorf gebracht worden.“


Seltene Vogel Nimmersatt in der Menagerie zu Triesdorf
Seltene Vogel Nimmersatt in der Menagerie zu Triesdorf | Indischer Nimmersatt

Literatur: Staatsrelation derer neuesten Europäischen Nachricht und Begebenheiten auf das Jahr 1754. Ein historisches Journal, gedruckt in Regensburg, S. 501f. Das CXXVIste (=126.) Stück vom 20. October 1754, hier: S. 503: Vermischte Fälle

Aus: Verein für Heimatkunde Gunzenhausen, Alt=Gunzenhausen, Beiträge zur Geschichte der Stadt und Umgebung, Jahrbuch 75/2020, S. 50f.

Der Lustgarten zu Unterschwaningen

CWF & FL 1754 – Die bekrönten Allianzinitialen in Gold auf Malachit mit Jahreszahl von Markgraf Carl Wilhelm Friedrich und Markgräfin Friederike Louise am Pfarrhaus von Unterschwaningen, einem Werk des Retty-Nachfolgers Johann David Steingruber. Foto: Die Ansbachische Markgrafenstraße.

Beitrag von Carolina Schitz, Bechhofen an der Heide

Die künstlerische Gestaltung des Gartens ist für das erste Drittel des 18. Jahrhunderts nachweisbar. Diesbezüglich sei noch einmal hervorgehoben, dass die Entwicklung des Schlossgartens weitgehend parallel zur Bauarchitektur verlief.

Im Zusammenhang mit der Modernisierung der fürstlichen Bauten in Unterschwaningen entstand der barocke Hofgarten unter der Leitung der neuen Schlossherrin Friederike Louise. Sowohl die Markgräfin als auch ihr Baumeister Leopoldo Retty gingen den Bestrebungen nach, das allerseits Schöne gleichsam mit dem Nützlichen zu verbinden, indem die fürstliche Gartenanlage einerseits künstlerisch gestaltet und anderseits das weitläufige Terrain für den landwirtschaftlichen Gemüse- und Obstanbau genutzt wurde, was sicherlich auch auf den Denkansatz ihres ältesten Bruders Friedrich beruhte. Jedoch galt dies nicht nur dem Küchengarten, gleichzeitig erfüllte auch der paradiesische Lustgarten seinen Zweck. So schilderte Veh einen Aufenthalt im Garten aus der Sicht der Markgräfin Friederike Louise:

„Auf den Garten zu wohnte die Fürstin, genoß die wärmenden Strahlen der Südsonne und konnte sich des friedsamen Blicks auf die Blumenparketts und der dahinter mächtig aufwachsenden Allen erfreuen, zwischen denen sich der blickende Spiegel des Kanals mählich verlor.“

Dabei wird die Aufgabe des Lustgartens deutlich, die in erster Linie für die Erholung diente und den fürstlichen Besuch in frohe Stimmung versetzte. Unter Bredekamp wird dem Garten eine philosophische Bestimmung zuteil, indem der Garten „als Ort des zwanglosen Austauschs“ verstanden wird. Jedes der im Garten enthaltenen Gestaltungselemente hatte seine Sinnhaftigkeit.

Markgräfin Christiane Charlotte beauftragt Zocha für erste Planungen.

So zeigt ein erster etwa aus dem Jahre 1730 stammender Plan des Zeichners Schuckhardt die ursprüngliche Planung des Schwaninger Hofgartens. Wie bereits vorweggenommen, wirft die Datierung jedoch etliche Fragen auf. Denn diese fällt in einen Übergangszeitraum, in welchem die Markgräfinwitwe Christiane Charlotte bereits verstorben und die neue Schlossherrin noch nicht bestimmt war.
So spricht Horst von Zerboni in seinem Beitrag von „Geländeerwerbungen durch Tausch“, die im Jahre 1727 stattgefunden haben soll. Die erste Gestaltung dieser Gelände hatten ihren Anfang mit dem frühen Baumeister Carl Friedrich von Zocha, dessen Einflüsse sich in der Gartenanlage, speziell im Küchengarten sowie am Gärtnerhaus, bemerkbar machten. Es lässt sich daher vermuten, dass die ersten Entwürfe unter Auflage der Markgräfin Christiane Charlotte erfolgten.

Desgleichen betont eine ältere Quelle die These. Veh wirft den Begriff einen „Lustgartens“ auf, der offenbar in einem Generalplan 1730 „mit genauer Umschreibung und Zweckbestimmung der verschiedenen Gartenbereiche“ dargestellt ist. Umstritten ist ebenfalls, inwieweit die Gartenanlage zu diesem Zeitpunkt ausgesehen haben mag und in welchem Maße die Anlage bis zur Schenkung 1733 ausgestaltet war. Seltsamerweise nimmt man in Schuhmanns Bilduntertitel zum Plan Schuchards eine vollkommen abweichende Datierung wahr. (Schuhmann verwendet eine andere Schreibweise des Zeichners: F. T. Schuchard.) Möglich ist, dass es sich hierbei um einen eingeschlichenen Schreibfehler handelt, denn die Datierung um 1790 wäre aufgrund des Dargestellten zu spät angesetzt gewesen. Der Gartenplan erscheint zudem auch in einer Publikation der Gräfin zu Dohna, die mehr Aufschluss über den Verfasser geben kann. Sie setzt die Datierung wohl vor 1735.

Der Zeichner Friedrich Schuchard solle bis 1734 als Ansbacher Landbauinspektor beschäftigt gewesen sein und somit wäre es denkbar, dass der Hofgartenplan zu Unterschwaningen für Friederike gezeichnet wurde.

Gartenanlage entsteht unter Markgräfin Friederike Louise durch Retty

Trotz der unterschiedlich aufgeführten Belege sind sich die Historiker jedoch in dem Punkt einig, dass die größte Leistung an der Gartenanlage durch Friederike und Retty erfolgte. Betrachtet man die Form der gesamten Südgartenanlage auf dem Plan Schuckhardts, so ähnelt diese einem Trapez. Ungewöhnlich ist die „Nicht-Ausrichtung“ des Gartens auf das Schloss wie es in den älteren französischen Gärten von Le Nôtre der Fall war.

Literatur:

Horst Bredekamp, Leibniz und die Revolution der Gartenkunst, Berlin 2009
Ursula Gräfin zu Dohna, Die Gärten Friedrichs des Großen und seiner Geschister, Berlin 2000
Verena Friedrich, Barocke Gartenlust in Franken, in: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Geschichte, Kunst und Kultur, Sonderheft, Würzburg 2015, S. 3-37
Otto Veh, Markgräfin Friederike Louise als Schloßherrin von Unterschwaningen, Sonderdruck Nr. 1, hg. vom Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V., Triesdorf 1985
Günter Schuhmann, Die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Eine Bilddomentation zur Geschichte der Hohenzollern in Franken, Ansbach 1980
Johann Schrenk/Horst von Zerboni u.a., Geschichte der Gemeinde Unterschwaningen: Unterschwaningen – Dennenlohe – Köttenbach – Oberschwaningen, Gunzenhausen 2009
Stefan Schweizer, André Le Notre und die Erfindung der französischen Gartenkunst, Berlin 2013

Aus: Carolina Schitz, Friederike Louise und ihr Baumeister Leopoldo Retty – Der Hofgarten zu Unterschwaningen im 18. Jahrhundert, Bachelorthesis, Institut für Kunstgeschichte der Philosophischen Fakultät, Julius-Maximilians-Universität: Würzburg 2020

Die heimliche Hochzeit im Haus des Falkners

Palais Heydenab GunzenhausenHeydenabsches Haus| Markgrafen zu Ansbach Foto:Die Ansbachische Markgrafenstraße

WEIDENBACH/GUNZENHAUSEN –

Heydenabsches Haus| Markgrafen zu Ansbach  Foto:Die Ansbachische Markgrafenstraße
Heydenab’sches Haus| 1737 baut der markgräflich-ansbachische Hofarchitekt Leopoldo Rettÿ das Heydenab’sche Haus zwischen Weidenbach und Triesdorf. Foto: Die Ansbachische Markgrafenstraße

Mit ihrem Beitrag „Ernst Wilhelm von Heydenab (1701-1758), Oberamtmann von Gunzenhausen. Ein Günstling des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach“ (Alt=Gunzenhausen, hg. vom Verein für Heimatkunde Gunzenhausen, Heft. 69/2014) legt Siglinde Buchner aus Weißenburg erstmalig eine kurze Lebensbeschreibung über einen der wichtigsten Figuren am Hof des Markgrafen Carl vor.

Wappen der Familie von Heydenab Foto: Die Ansbachische Markgrafenstraße
Wappen der Familie von Heydenab Foto: Die Ansbachische Markgrafenstraße
 

Ernst Wilhelm Anton von Heydenab besaß in Weidenbach-Triesdorf Schloss und Gut sowie in Gunzenhausen ein Stadtschloss (heute: Filiale Gunzenhausen der VR-Bank Mittelfranken West, Ansbach).

Einem Mitglied des Vereins der Freunde Triesdorf und Umgebung aus Weidenbach ist jetzt im Kirchenbuch der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Weidenbach ein Fund geglückt, der die Lebensgeschichte des Obristfalkenmeisters am Ansbacher Hof weiter aufhellt. Dort steht:
„Kirchenbuch Weidenbach. Johann Andreas Frei wurde am 3. Mai 1744 Dom. Rog. von Dekan Schülin zu Gunzenhausen eingesetzt. Unter ihm wurde der Bau des neuen Pfarrhauses vollendet. Auf einem im Geburtsregister vom Jahre 1746 eingehefteten Blättchens berichtet er folgendes merkwürdige amtliche Vorkommnis.

Ao 1746 den 24. Septbr. wurde ich zum Herrn Obrist-Wachtmeister, wie auch Falkenmeister und Kammerjunker von Heidenaber berufen, woselbst ich obgedachten Herrn und Herrn Kammer-Rat Schaudig antraf, welcher mir von meinem Durchlauchigst- und Gnädigsten Landesfürsten und Herrn einen mit dem Höchfürstl. Wappen versiegelten Brief überreichte, welcher zur Überschrift folgende Worte hatte:
Ad Parochum Weidenbachensem. Der Inhalt ist fideliter copirt folgender: Ich als Summus Episcopus befehle dem Pfarrer zu Weidenbach, das er die Copulation an den Obrist-Wachtmeister, wie auch Falkenmeister und Kammerjunker von Heidenaber vollziehen und es so einrichten darf, [daß] auf sein Verlangen ihm ein Attest vor Geburt seiner lieben Kinder soll gegeben werden. Carl Wilhelm Friedrich als Episcopus. His publice lectis wurde insolvirt den 25. Septbr. darauf als Sonntag XVI. p. Trin. abends im Beisein Herrn Rittmeisters von Reitzenstein, Herrn Hauptmanns von Hofer und Herrn Stallmeisters Diezel die priesterliche Einsegnung mit Frl. Mar. Barb. Seizin vorzunehmen, welches auch bei Licht abgeredeter Massen nach gehaltener kurzen Sermon geschehen. Der Herr, dessen wir sind und deme wir dienen, wende diese und alle Ehen zum Besten. J. A. Frej, Past.’ “


Der Grund für die Empörung des Weidenbacher Pfarrers ist klar: Heydenab lebte schon seit Jahren mit seiner Haushälterin Maria Barbara Seiz in wilder Ehe in seinem Weidenbacher Haus zusammen und hatte mit ihr bereits vier Kinder: Johann Christoph (*1741), Johanna Wilhelmina (*1743), Sophia Henrica Charlotta (*1744) und Ehrenfried Johann Christian (*1746).
Zwei weitere sollten noch folgen: Wilhelmina Carolina 1747 und eine Totgeburt am 10.9.1748. Bei der von Siglinde Buchner angebotenen Tochter Maria Sibylla Elisabeth könnte es sich auch um die Schwester des Obristfalkenmeisters handeln, wird sie doch in der gedruckten Leichenpredigt 1756 als „geborene Freyin von Heydenab“ genannt.

Durch Befehl des Markgrafen in seiner Funktion als Bischof von Ansbach wurden durch die nachträgliche, klandestine Ehe – vor Ausschluss der Öffentlichkeit in der privaten Kapelle des Heydenab’schen Hauses – die Kinder aus dem Hause des Falkners legitimiert und somit die Voraussetzung geschaffen, diese eigentlich nicht-ehelichen Kinder Heydenabs in die Gesellschaft einzuführen und schließlich – in der Perspektive – gut zu verheiraten. Somit wurde durch die Legitimation der Kinder des Heydenab das Verfahren hergestellt und erprobt, welches später auch in markgräflicher Sache angewandt wurde. Bei der Legitimation der Kinder des Markgrafen Carl aus seiner illegitimen Beziehung mit Elisabeth Wünsch: die Freiin und Freiherren von Falkenhausen.

Palais Heydenab Gunzenhausen Heydenab’sches Haus| 1750 ist es Rettÿs Nachfolger Hofbaumeister Johann David Steingruber, der statt eines Rathauses für Gunzenhausen an die prominente Stelle direkt am Marktplatz das Adelspalais für den Falkenmeister von Heydenab erstellt. Der bereits 1748 gefertigte Rathausentwurf wird dazu geringfügig abgewandelt. Die künftige Rangerhöhung zum Obristfalkenmeister und Oberamtmann von Gunzenhausen 1751 kündigte sich also bereits an Foto: Die Ansbachische Markgrafenstraße

Johann Peter Uz (1720-1796) in Ansbach und Halle an der Saale: Zehn Materialien und Gedichte zusammengestellt.

1.

„Johann Peter Uz ist am 3. Oktober 1720 als Sohn des Goldschmieds Friedrich Carl Gottlob August Uz in Ansbach zur Welt gekommen. Der Vater freilich arbeitete nicht in seinem erlernten Beruf, sondern war Inspektor des fürstlichen Laboratoriums und Aufseher über die neu angelegte Lederfabrik in Flachslanden. Nach dem frühen Tod des Vaters sorgte die Mutter Elisabeth, geb. Reisenleiter, die ebenfalls einer Ansbacher Goldarbeiter-Familie entstammte, für die gründliche Ausbildung. Johann Peter Uz besuchte das örtliche Gymnasium bis 1739 und studierte dann in Halle vier Jahre vor allem die Rechte im Hinblick auf eine Anstellung als Jurist. Von Leipzig, wo er sein Studium fortsetzen wollte, rief ihn im August 1743 der gemeßene Befehl (wohl der Mutter) zurück nach Ansbach,

Gleim gegenüber deutete er an, sie habe befürchtet, ihm könne ein ähnliches Schicksal widerfahren wie Johann Christian Günther. Aus seinem Briefwechsel ist weiter bekannt, daß er schließlich in seiner Geburtsstadt ein Häuschen bewohnte, zunächst noch zusammen mit seiner Mutter und zwei Schwestern, später dann nur noch mit seiner Schwester Esther Sophia, die ihn um wenige Monate überlebte.“

Ernst Rohmer, Dichter und Bürger in der Provinz – Johann Peter Uz und die Aufklärung in Ansbach, Max Niemeyer Verlag: Tübingen 1998, S. XIIIf.


2.

„[Johann Wilhelm Ludwig] Gleim zählt neben dem Dichter Johann Peter Uz und dem Anakreon-Übersetzer Johann Nikolaus Götz zur zweiten halleschen Dichterschule. Die drei hatten gemeinsam an der Fridericiana studiert und zelebrierten seitdem ihre Freundschaft. Anakreon bildete dabei nicht umsonst das ästhetische Zentrum. Seine Gedichte stellen zur Verfügung, was von da an das Ferment jeder Jugendkultur bildete: Sex (Küsse), Drogen (Wein) und Musik (anakreontische Lieder), und so prägte der anakreontische Ton das Frühwerk von Dichtern wie Lessing oder Goethe.“

Steffen Martus, Aufklärung – Das deutsche 18. Jahrhundert – ein Epochenband, Rowohlt: Berlin 2015, Seite 531

3.

Der Sommer und der Wein

In diesem schwülen Sommertagen
Fliegt Amor nur in kühler Nacht,
Und schlummert, wann die Sonne wacht:
Die Muse träumt nur matte Klagen.
Ich hänge mit verdroßner Hand
Die träge Leyer an die Wand.

Doch. Freund, in schwülen Sommertagen,
(Zischt mir Lyäus in das Ohr:)
Hebt sich der Weinstock stolz empor,
Den Frost und Regen niederschlagen:
Und nur der höhern Sonne Glut
Kocht seiner Trauben göttlich Blut.

So mag in schwülen Sommertagen
Der Weichling, Amor, schüchtern fliehn,
Und Scherz und Muse sich entziehn:
Der Wein wird sie zurücke jagen.
Er reise nur der frohe Wein:
Was kann mir unerträglich seyn?

J. P. Uz, Sämtliche poetische Werke, Erster Band, Drittes Buch, Johann Georg Fleischhauer: Reutlingen 1777, S. 118f.

4.

„Johann Peter Uz (1720-1796, Ansbach, Halle): Lyrische und andere Gedichte. Heitere Gesellschaftsdichtung, Gipfel der deutschen Anakreontik dar. Hauptthema die Liebe, von sinnlich-schäferlichem Getändel umspielt, gelegentlich auch frivol. Preis gemäßigten Weingenusses. Außerdem einige vaterländische Gesänge, Gedenkverse auf Freunde sowie philosophische und religiöse Oden. Kulturphilosophische Ideen wie die der Erziehung des Naturmenschen durch die Dichtung und die des Göttermythos als Spiegel der menschlichen Entwicklung (Die Dichtkunst) sowie der Freundschaftskult (An die Freude) zeigen Uz, auch in der rhythmischen und metrischen Formung, als Vorläufer Schillers.“

H.A. und E. Frenzel, Daten deutscher Dichtung. Chronologischer Abriß der deutschen Literaturgeschichte Band I, Deutscher Taschenbuchverlag: München 1970, 6. Auflage, S. 172

5.

Neujahrswunsch des Nachtwächters zu Ternate

Weckt eure Gatten küssend auf,
Ihr Schönen von Ternate!
Hört, bey des Jahres neuem Lauf,
Wie mir ein Wunsch gerathe!

Ein Mädchen, das sich Muse nennt,
Durchstreicht mit mir die Staßen;
Und was mein Herz euch gutes gönnt,
Will sie in Reime fassen.

Wohlan! die Freude werde neu,
Wie sich das Jahr verneuet!
Es fliehe finstre Heucheley,
Die sich im Winkel freuet!

Nicht Eigennutz, nur Zärtlichkeit
Sey Stifter unsrer Ehen:
So wird man Hymens güldne Zeit
Auch Jahre dauern sehen.

Die süße Falschheit unsrer Zeit
Entweiche von der Erde,
Daß alte wahre Redlichkeit
Noch einmal Mode werde.

Es drohe Miswachs und Verlust
Gelehrten Schmierereyen:
Nur müsse junger Mädchen Brust
Und guter Wein gedeihen!

Gib, Himmel! Deinen alten Wein
Den fröhlichen Poeten!
Die in der Musen Lorbeerhayn
Oft, leider! Durstig treten.

Nur Wasser, alter Weisen Trank,
Gib unsern jungen Weisen;
Und jage den Monadenzank
Von freudenvollen Schmäusen.

Der Geitz mag sein erwuchert Gut
Nur hüten, nicht genießen!
Doch laß ein Bächlein güldner Fluth
Auch auf den Weisen fließen!

Den unsre Weibchen kosten viel,
Wenn sie uns lieben sollen:
Wie viel erfordert Putz und Spiel
Und wenn wir schmausen wollen!
Heil allen, den Heil gebricht,
Heil sey dem ganzen Staate!
Dieß wünsch ich aus bezahlter Pflicht,
Nachwächter von Ternate.

J. P. Uz, Sämtliche poetische Werke, Erster Band, Drittes Buch, Johann Georg Fleischhauer: Reutlingen 1777, S. 100ff.

6.

„Und wie könnte ich den Stolz von Anspach, den unerreichbaren Lyriker, den Horaz der Teutschen, Herrn Landgerichtsassessor Uz, vergessen, dessen göttliche Muse die höchsten Gegenstände der Religion und Moral, so eingreifend besungen, die schöne Natur mit so sanften Farben geschildert, und Thorheiten und Laster, mit so eigentümlicher Laune bestraft hat. – Allein die poetischen Verdienste, welche sich dieser wahre Biedermann erworben hat, sind nicht einmal seine schönste Seite. Seine tiefe Einsicht in die Rechtsgelehrsamkeit; sein unermüdeter Eifer dem Bedrängten zu helfen – ihm bald zu helfen; – sein unglaublicher Fleiß, durch welchen er bewirkt, daß er bey dem stärksten Pensum immer die wenigsten Akten im Haus hat; Seine unbestechliche Redlichkeit, die iedem der sich seiner Sache nicht gewiß weis, fürchterlich ist; Sein Feuer mit welchem er gegen die listige Chikane zu Felde zieht, und dies Ungeheuer aus den verborgensten Schlupfwinkeln heraustreibt; etc. diese vortreflichen Eigenschaften sind es, die in seinem Wirkungskreis unzählige Wohlthaten verbreiten, und aus manches Armen Auge eine dankbare Thräne entlocken, für die Er gerne, wie er selbsten in seinen unsterblichen Werken sagt, iedes seiner schönsten Gedichte hingeben würde. In seinem Privatleben eingezogen und still, in dem Zirkel weniger Freunde, von sanftem Umgang, ohne alle Prätensionen, ohne alle Eitelkeit, mit gänzlicher Verläugnung eines stolzen Selbstgefühls, ist Uz das, was so viele seyn wollen, und so wenige sind, ein wahrer Christ, und ein wahrer Weiser.“

Johann Bernhard Fischer, Statistische und topographische Beschreibung des Burggraftums Nürnberg, unterhalb des Gebürgs; oder des Fürstentums Brandenburg=Anspach, Erster Theil, Benedict Friedrich Haueisen: Ansbach 1790, S. 289f.

7.

Ein Traum

O Traum, der mich entzückt!
Was hab ich nicht erblicket!
Ich warf die müden Glieder
In einem Thale nieder,
Wo einem Teich, der silbern floß,
Ein schattigtes Gebüsch umschloß.

Da sah ich durch die Sträuche
Mein Mädchen bey dem Teiche.
Das hatte sich, zum Baden,
Der Kleider meist entladen,
Bis auf ein untreu weiß Gewand,
Das keinem Lüftchen widerstand.

Der freye Busen lachte,
Den Jugend reizend machte.
Mein Blick blieb lüstern stehen
Bey diesen regen Höhen,
Wo Zephyr unter Lilien blies,
Und sich die Wollust fühlen ließ.

Sie fieng nun an, o Freuden!
Sich vollends auszukleiden:
Doch ach! Indems geschiehet,
Erwach ich und sie fliehet.
O schlief ich doch von neuem ein!
Nun wird sie wohl im Wasser seyn!

J. P. Uz, Sämtliche poetische Werke, Erster Band, Drittes Buch, Johann Georg Fleischhauer: Reutlingen 1777, S. 19f.


8.

„Den Höhepunkt Ansbacher Dichtung im 18. Jahrhundert markieren Johann Friedrich von Cronegk (1731-1758) und vor allem Johann Peter Uz (1720-1796), beide gebürtige Ansbacher, beide in engem Kontakt mit zahlreichen Vertretern der norddeutscheen und sächsischen Aufklärung; Cronegk insbesondere mit Gellert, Uz etwa mit Gleim oder Nicolai. Während Cronegks Ruhm nach seinem frühen Tod schnell verblaßte – immerhin wurde noch das Hamburgische Nationaltheater 1767 mit einem seiner Dramen eröffnet, was Lessing zu seiner ausführlichen Kritik in den ersten sieben Stücken der Hamburgischen Dramaturgie veranlaßte -, war Uz als einer der bedeutendsten unter den Anakreontikern deutscher Sprache Repräsentantz einer literischen Richtung, die nicht zuletzt als bewußte Provokation des hallensichen Pietismus entstanden war.“

Georg Seiderer, Formen der Aufklärung in fränkischen Städten – Ansbach, Bamberg und Nürnberg im Vergleich, C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung: München 1997, S. 90f.

9.

„Uz Johann Peter, Dichter, Oden, Lehrgedichte, Lyrik, Mitherausgeber des Ansbacher Gesangbuchs von 1781. *03.10.1720 Ansbach, +12.05.1796 Ansbach“

Hermann Dallhammer in Zusammenarbeit mit Werner Bürger, Ansbach – Geschichte einer Stadt, Hercynia-Verlag: Ansbach 1993, S. 412

10.

„Ich hätte sehr gern geheirathet; aber da ich heirathen wollte, konnte ich noch keine Frau ernähren, und da ich dieß gekonnt hätte, war ich zu alt.“

Johann Peter Uz, zit. nach Friedrich Schlichtegroll: Nekrolog auf das Jahr 1796. Enthaltend Nachrichten von dem Leben merkwürdiger in diesem Jahr verstorbener Deutschen, 7. Jahrgang, 1. Band. Gotha 1799, S. 65-153, hier S. 67. Aus: Ernst Rohmer, Dichter und Bürger in der Provinz – Johann Peter Uz und die Aufklärung in Ansbach, Max Niemeyer Verlag: Tübingen 1998, S. XV

Falkenjäger unter sich: Carl von Ansbach bei Clemens August von Köln in Brühl bei Bonn

Falkenjagd ansbach Kultur in Ansbach Kulturausflug nach Ansbach Kulturreise Hotel Platengarten

TRIESDORF/ALTENKIRCHEN

Falkenjagd  : Clemens August als Falkenjäger von Peter Jakob Horemans aus Schloss Augustusburg. Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl sind heute UNESCO-Welterbestätten. Foto: Horst Gummersbach.
Kurfürst Clemens August als Falkenjäger von Peter Jakob Horemans aus Schloss Augustusburg. Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl sind heute UNESCO-Welterbestätten. Foto: Horst Gummersbach.

Im Fürstentum Ansbach spielte die Falkenjagd eine herausragende Rolle. Bei der Hohen Beize, die allein dem Fürsten zustand, handelt es sich um die Jagd mit abgerichteten Raubvögeln, die hoch in der Luft andere Vögel von oben angreifen und nieder drücken und somit schlagen. Als besonderes Schauspiel war der Kampf zwischen dem Gerfalken (Islandfalke) und dem Graureiher hoch im Kurs. Es war Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, der dieser sehr teueren und aufwändigen Jagdform sein Leben widmete. Dass die Kinder aus der Verbindung mit seiner Nebenfrau Elisabeth Wünsch den Namen Falkenhausen erhielten, können wir heute dafür als Beweis gelten lassen.

In seinem Buch „Fürstliche Jagd im barocken Franken“ (Verlag C. und C. Rabenstein: Bayreuth 2012) schreibt Arno Störkel:
„Carl Wilhelm Friedrich hatte bereits ein Jahr nach seinem Regierungsantritt ein volles Hundert Falken im Dienst. Er wurde charakterisiert als ein Mann, den man den ganzen Tag mit dem Falken auf der Hand sah; er beschäftigte ein halbes Hundert Mann – inklusive eines eigenen Falkenmalers – allein für sein Hobby und ließ es sich über 50.000 fl. (Gulden) im Jahr kosten. Die Priorität, die die fauconerie bei ihm an Aufmerksamkeit und Geld genoss, brachte ihm schon früh Probleme in seiner Ehe und sein Land schließlich buchstäblich an den Rand des Ruins.“

Sitz der ansbachischen Falknerei war zuerst Triesdorf und später dann zusätzlich Gunzenhausen.

War die Falkenjagd für den Markgrafen von Ansbach wirklich nur Hobby? Tatsächlich muss man den Markgraf als Fürsten betrachten, als Ersten Politiker seines Territoriums. Und die Falkenjagd war ein Mittel, um sich mit anderen Fürsten und anderen Politikern zu treffen und zu messen. Dass Markgraf Carl beim Besuch seines Schwiegervaters Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg und König in Preußen zu Triesdorf eine Falkenjagd veranstaltete, zeigt die Dimension der Unternehmung. Wahrscheinlich wollte Markgraf Carl seinem Schwiegervater dadurch verdeutlichen, dass die Führung im gemeinsamen Haus Hohenzollern noch nicht ausgemacht ist.

Am 1. August 1741 fiel die Grafschaft Sayn-Altenkirchen an das Fürstentum Ansbach. Die kleine Grafschaft im Westerwald kam aus einer Erbschaft weit entfernter Verwandten an den Markgrafen. Zur Huldigung fuhr Carl Wilhelm Friedrich selbst dorthin. Carl Heinrich Ritter von Lang schreibt in seinem Aufsatz „Geschichte des vorletzten Markgrafen von Brandenburg-Ansbach (Carl Brügel: Ansbach 1848) nahezu verwundert: „Der Markgraf selber begab sich am 5. Oktober von Triesdorf aus dahin, um am 7. Oktober die feierliche Huldigung einzunehmen, während die Markgräfin ihrem geliebten vaterländischen Berlin zueilte. Im Gefolge des Fürsten befanden sich die glücklichen Günstlinge, der Oberst=Reisestallmeister v. Schenk und der Falkenmeister v. Heidenab, der Sekretär Holle, der Kammerdiener Binder, der Kammer=Courier Ritter und der ehemalige Feuchtwanger Burgermeister und lustige Rath Wünschenmayer, der durch die Künste der Höflinge zum Narren gemacht, überall in einer ungeheuern Allonge=Perücke, und mit einem kolossalen Kammerherrnschlüssel und erdichteten Orden behängt, daher stolzierte. Am 15. Oktober wurde dem Kurfürsten von Köln ein Besuch in Bonn abgestattet.“

Bei dem ganzen Vorgang fällt auf, dass der evangelisch-lutherische Markgraf – selbst Bischof – und sein Falkenmeister Ernst Wilhelm Anton von Heydenab gemeinsam den Kurfürsten Clemens August von Baiern besuchen und somit den katholischen Erzbischof von Köln. Er, der Bruder des künftigen Kaisers Carl VII. und aus dem mit Hohenzollern und Habsburg konkurrierenden Haus Wittelsbach, war ein ebenso großer Falkner wie der Markgraf.

Leider wissen wir heute nicht, was während des ansbachischen Besuchs in Bonn besprochen wurde. Tatsache ist aber, dass das Jagdschloss Falkenlust des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August nur wenige Jahre vorher fertiggestellt wurde (1737). Architekt war der berühmte kurbayerische Hofbaumeister François de Cuvilliés. Es fällt schwer anzunehmen, dass die beiden Spitzenpolitiker sich nur über Falken und andere Vögel ausgetauscht haben. Wahrscheinlich wurde hierbei auch Politik gemacht und Beschlüsse besiegelt. Somit können wir der Falkenjagd einen staatstragenden Charakter zusprechen. Und den Markgrafen Carl als Staatsmann ansprechen. Denn gleichzeitig war die Ehefrau des Markgrafen, Friederike Louise, bei ihrem Bruder, dem König Friedrich II. in Preußen. Wahrscheinlich wurde hierbei auch nicht nur über die Musik gesprochen, sondern ebenfalls Politik gemacht. Alles ist Kultur, alles ist Politik.

Das Torhaus Sommersdorf

Sommersdorf - Kulturausflug, Ansbach - Sommersdorf, Wasserschloss Sommerdorf

Das Wasserschloss Sommersdorf (Kreis Ansbach) wird wahrscheinlich von Ludwig von Eyb erbaut, der seit 1391 den Namenszusatz zu Sommersdorf trägt.

Sein Wappen und das seiner Frau Elisabeth von Seckendorff befindet sich am Käsperle-Turm. Im Jahr 1550 verkauft es Hanns Christoph von Eyb zu Sommersdorf an seinen Schwager Wolf von Crailsheim zu Neuhaus, der hier 1551 die Reformation einführt.

1688 wird das Wasserschloss ausgeräumt und alle wertvollen Hausgeräte nach Ansbach geschafft.

Kultur-Ausflug von Ansbach nach Schloss Sommerdorf

Bildrechte:Hotel Platengarten Ansbach

1701 verkauft es Georg Wolf von Crailsheim zu Sommersdorf angeblich zum Schein an seinen Schwiegersohn Georg Heinrich de Campo.
Als dieser nach dem Tod seines Schwiegervaters 1717 tatsächlich Sommersdorf in Besitz nimmt, bestreiten die Geschlechtsagnaten dieses Rechtsgeschäft, was einen 30-jährigen Prozess nach sich zieht.

Georg Heinrich de Campo war kaiserlicher Dragonerhauptmann im Castell’schen Regiment und verheiratet mit Eleonora Louise von Crailsheim.

Tatsächlich muss er am markgräflichen Hof in Ansbach eine bedeutete Rolle gestielt haben, denn Pate der gemeinsamen Tochter Juliana Charlotte de Campo bei der Taufe in St. Gumbertus in Ansbach am 20. Januar 1714 ist Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach als zweijähriger Erbprinz.

Fast die gesamte markgräfliche Familie ist Mitpate des Täuflings. Dies sind im Einzelnen die erst einjährige Prinzessin Eleonore Wilhelmine Charlotte, die Markgräfin Christiane Charlotte von Ansbach und die Herzogin Juliana Eleonore von Württemberg, die Mutter der Markgräfin Christiane Charlotte und selbst eine geborene Prinzessin von Ansbach.

Der neue Besitzer von Schloss Sommersdorf, Georg Heinrich de Campo, erweitert die Anlage erheblich um einen Wirtschaftshof mit umlaufender Mauer und einem Torturm.
Zusätzlich wird ein Pfarrhaus, eine Schule sowie ein Kastenamtshaus errichtet.

1747 wird der Campo’sche Prozeß durch einen Vergleich beendet, und Schloss und Gut Sommersdorf gehen in das Eigentum der Familie von Crailsheim über.

Heute wird das Wasserschloss selbst wieder durch die Familie von Crailsheim bewohnt, das Kastenamtshaus bewohnt die Familie Kamann, die dort zusätzlich ein Grafikdesignbüro betreibt. Julia Kamann hat im Torturm eine komfortable Ferienwohnung eingerichtet, die seit diesem Jahr an Kulturtouristen vermietet wird.

Besondere Aufmerksamkeit schenkte der Treppenforscher Friedrich Mielke der Holztreppe des Torturms und lobte den Auftraggeber und zollte dem Hersteller der „einläufigen zwischengewendelten Treppe aus Holz“ großen Respekt für diese Leistung. „Wer sich für Treppen und Treppengeländer, für die Vielfalt ihrer Gestaltungen und Formen interessiert, braucht nicht allein Schlösser, Kirchen und Bürgerhäuser aufzusuchen.
Verschiedentlich findet man kleine Besonderheiten buchstäblich am Wege – dort, wo man sie kaum vermutet hat.
So geschah es auch hier im Torturm des alten Wasserschlosses, seitlich der offenen Durchfahrt. Die einfache Stufenfolge ist nicht bemerkenswert, aber ihr Geländer sollte man sich ansehen.

Der Handlauf zwar ist eines der Standarderzeugnisse, die in sehr vielen Häusern dieser Gegend üblich waren. Er gehört zur gehobenen Ausstattung und bietet damit mehr als für diese ländliche einfache Stiege gebraucht wird“.

Durch diese Expertise wird klar, dass Georg Heinrich de Campo es mit seinem neuen Adelssitz Sommersdorf ernst meinte, er es nicht nur zum Schein kaufte – wie die männlichen Vertreter der Familie von Crailsheim es beharrlich vertraten – , sondern es behalten wollte und zu seinem repräsentativen Landsitz ausbaute. Und dies in unmittelbarer Nähe zum markgräflichen Jagdsitz Triesdorf.

Die durch das Torhaus ziehenden Betrachter der Erbauerzeit müssen beim Anblick der Holztreppe gewusst haben, um welch bedeutenden Besitz es sich hierbei handelte. Noch heute spürt der moderne Besucher von Schloss Sommersdorf diesen Zauber beim Betreten der Wasserschlossanlage.


Literatur:

Manfred Freiherr von Crailsheim, Zur Geschichte des Schlosses Sommersdorf, in: Triesdorfer Hefte Nr. 3, Triesdorf 1990
Emma Foertsch, Die markgräfliche Familie als Paten in Ansbach, in: 62. Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelfranken, Ansbach 1965, S. 109-163, S. 119
Josef Lidl/Friedrich Mielke, Treppen zwischen Tauber, Rezat und Altmühl, Verlag Walter E. Keller: Treuchtlingen 1985, S. 98f.
Hans K. Ramisch, Landkreis Feuchtwangen, Deutscher Kunstverlag, München 1964, S. 115 ff.