Die Poetische Reisebeschreibung des Prinzen Alexander von Triesdorf nach Utrecht

TRIESDORF/ANSBACH – Der Gründer des Historischen Vereins für Mittelfranken, Carl Heinrich Ritter von Lang, erwähnt in seinem Aufsatz aus dem Jahr 1833 „Ansbachs Jubeljahre oder wie hat Ansbach, Stadt und Land, vor etwa hundert Jahren ausgesehen?“ den „Reiseprediger Wolfshofer, nachher Consistorialrath und Dechant zu Crailsheim, dessen poetische Reisebeschreibung unter dem Titel: >Vermischte Gedanken oder so nützlich als belustigende Reisebeschreibung eines Durchlauchtigsten Prinzen<, in Handschrift noch vorhanden ist.“ Im Jahr 1979 kommt Adolf Lang, Stadtarchivar in Ansbach und insgesamt Franken-Kenner, auf die Idee, die Veröffentlichung der „Poetische Reyße Beschreibung des Durchlauchigsten Herrn Erb Prinzens nach Utrecht von H. Wolshofer“ in die Hand zu nehmen, was er in einer Fußnote seines Buchs Falkenjagd in Gunzenhausen auch öffentlich ankündigt.

Es war Rainer Graf von Seckendorff-Aberdar zu Obernzenn, der Adolf Lang das Manuskript der Gedichtssammlung zur Verfügung stellte. Deshalb ist es Seckendorff zu verdanken, dass der Historische Verein für Mittelfranken das Vorhaben jetzt zum Abschluss brachte, indem er bei Jahreshauptversammlungen des Vereins immer wieder an das Vorhaben erinnerte – und somit erheblichen Druck ausübte. Langs Nach-Nachfolger im Amt als Stadtarchivar von Ansbach, Dr. Wolfgang F. Reddig, hat sich an diese Arbeit gewagt und die Reisebeschreibung endlich samt Kommentar und Erklärung als Buch vorgelegt.

Die Bedeutung dieser Reisebeschreibung liegt in der Tatsache begründet, dass damit bewiesen ist, dass Markgraf Carl seinem Sohn Alexander von der Qualität seiner eigenen Falknerei zu Triesdorf und Gunzenhausen überzeugen wollte. Und dies im Vergleich mit einer anderen bedeutenden Falknerei. So schreibt Adolf Lang: „Vielleicht kennzeichnet es am besten die Falken-Euphorie um Carl Wilhelm Friedrich, wenn man ein Gedicht hört, das der ansbachische >Reiß-Prediger Friederich Wilhelm Wohlßhoffer< schrieb, als er mit dem Erbprinzen Alexander 1749 das Schloß Falkenlust des Kurfürsten Clemens August von Köln besuchte:

Hillo!

Kommt Musen und räumet die schattigsten Wälder!

Verlaßet die Berge, die Thäler und Felder!

Hier jägt man in Lüften durch Wolcken und Wind!

Die streitende Thiere, die fechtenden Waffen,

Vermögen viel Tausend Vergnügen zu schaffen,

Weil Jäger und Wildpret in Freyheit hier sind.

Dies Falcken Lust weiß es, dies prächtige Gebäude;

Es redet vom Kriege, es meldet vom Streite

Der Falcken, der Reyher, bald anderst, bald so:

Hillo! Hillo!

Hillo!

Mein Falcken Lust! gönne, vergönne die Freude;

Wir segnen dich zweymal, wir dencken an heute

Mit tausend Vergnügen nach Anspach zurück.

Die Heymat der Falcken; der Krähen, Milanen,

Der Reyher, der Sperber, der Hühner, Faßanen,

Und meistens der Haaßen so flüchtiges Glück.

Da pflegt man mit Paucken, trompetend zu schmaußen,

In Uffenheim, Röcking, im Rieß, Gunzenhausen;

Ach Falcken Lust! glaube! man findets nicht so!

Hillo! Hillo!

Hillo!

Du bist zwar ein Wunder mit Falcken zu prangen,

Doch lob ich die Häußer, doch rühm ich die Stangen,

Womit man in Anspach die Tauben offt reizt:

Wer hat so wie Carol, der Ruh nicht zu pflegen

In Hitze, in Kälte, im Schnee und im Regen,

So vieles, so lang und beständig gebaizt?

Es lebe die Falcken Lust! Hillo! ihr Felder!

Es lebe mein theurer Fürst! Hillo! ihr Wälder!

Es lebe mein schönster Prinz! Hillo! So! So!

Hillo! Hillo!

Angesichts des berühmten Schlosses Falkenlust in Brühl dachte der Reiseprediger also an die Heimat, belehrte seinen Schützling, den späteren letzten Markgrafen von Ansbach, über die Qualität der Falkenjagd in Ansbach, worunter natürlich hier das gesamte Fürstentum zu verstehen ist.”

Acht Jahre vor dem Besuch des Erbprinzens Alexander war Markgraf Carl selbst bei Kurfürst Clemens August zu Besuch (15. Oktober 1741). Er wusste also aus eigener Anschauung in etwa, was sein Sohn dort sehen würde, als er ihn dort hinschickte.

Wer war nun Kurfürst Clemens August? „Clemens August (1700-1761) aus dem Hause Wittelsbach, Kurfürst und Erzbischof von Köln, zugleich Fürstbischof von Hildesheim, Münster, Osnabrück und Paderborn und Hochmeister des Deutschen Ordens, war ohne Zweifel einer der bedeutendsten und passioniertesten Jäger des 18. Jahrhunderts.“, so Horst-Rüdiger Jarck in seinem Aufsatz „Repräsentation – sportliches Vergnügen – bäuerliche Last. Die Jagd des Bischofs Clemens August (1700-1761) im Hümmling.“

So ist es nicht verwunderlich, dass Arno Störkel in seinem Beitrag „Der Fürst mit dem Falken – Zur Einordnung des einzigen Falkenbildes des Markgrafen Carl“ den Kurfürsten Clemens August als Vergleich heranzieht.

Carl-Alexander Mavridis

Literatur:

Horst Rüdiger Jarck, Repräsentation – sportliches Vergnügen – bäuerliche Last. Die Jagd des Bischofs Clemens August (1700-1761) im Hümmling, in: Die Jägerey im 18. Jahrhundert, hg. von der Arbeitsstelle Achtzehntes Jahrhundert, Bergische Universität Gesamthochschule Wuppertal (Hg.), Heidelberg 1991 (=Beiträge zur Geschichte des Literatur und Kunst des 18. Jahrhunderts, Band 11), S. 69-79

Adolf Lang, Falkenjagd in Gunzenhausen, Gunzenhausen 1979

Karl Heinrich Ritter von Lang, Geschichte des vorletzten Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, Ansbach 1848

Wolfgang F. Reddig, Die Prinzenreise Alexanders von Brandenburg-Ansbach 1748-1750. Edition des „Poetischen Reisebeschreibung“ des Reisepredigers Friedrich Wilhelm Wolfshofer, Ansbach 2025 (= Mittelfränkische Studien Band 29)

Arno Störkel, Der Fürst mit dem Falken – Zur Einordnung des einzigen Falkenbildes des Markgrafen Carl, in: Die Falkenjagd des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, hg. vom Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V., Triesdorf 2018 (= Triesdorfer Heft Nr. 10), S. 31-37