Heinrich von Kleist und sein Versuch, nach Ansbach zu kommen

ANSBACH – Aktuell hat das Theater Ansbach das Lustspiel Amphitryon von Heinrich von Kleist aus dem Jahr 1807 auf dem Spielplan. Tatsächlich hatte der bedeutende Schriftsteller aus Frankfurt an der Oder schon zu seinen Lebzeiten eine Verbindung zu Ansbach. Kleist hoffte in Ansbach bezahlte Arbeit zu finden. In seinem Brief datiert vom 7.1.1805 schreibt Kleist an seinen Freund Ernst von Pfuel von Berlin aus: „Man wird mich gewiß, und bald, und mit Gehalt anstellen, geh mit mir nach Anspach,und laß uns der süßen Freundschafft genießen.“ Jetzt stellt sich natürlich die Frage, welche Art von Arbeit Kleist in Ansbach suchte und warum sein Ansbacher Projekt schließlich scheiterte.

In seiner Lebens- und Werkchronik über Heinrich von Kleist schreibt Helmut Sembdner: „1805 Anfang: auf Massenbachs und Hardenbergs Empfehlung Arbeit im Finanzdepartement unter Altenstein. Aussicht auf Anstellung in Ansbach.“ Mit Hardenberg ist Carl August Freiherr von Hardenberg gemeint, mit Altenstein Carl Sigmund Franz Freiherr von Stein zum Altenstein. Altenstein, enger Mitarbeiter von Hardenberg, wurde 1807 preußischer Finanzminister. Beide lernten sich wahrscheinlich in Triesdorf kennen. Altenstein war Page am Ansbacher Hof.

Carl August von Hardenberg in Triesdorf

Im September 1790 absolvierte Hardenberg seinen Antrittsbesuchs bei Markgraf Alexander in Triesdorf. Fortan war er leitender Minister der Regierung in den Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth. Seit 1791 war Hardenberg obendrein Chef der ansbachischen Hofbank, da im selben Jahr der Markgraf seine Markgrafentümer an das Königreich Preußen gegen eine Leibrente abtrat, also verkaufte. Am 2. Dezember 1791 „entledigte“ sich Markgraf Alexander offiziell seiner Regierungsgeschäfte in Ansbach-Bayreuth „gänzlich“.

Wir können uns also vorstellen, dass Kleist innerhalb der Königlich Preußischen Banco in Franken vorgesehen war. Daraus wurde nichts. 1806 kam das Fürstentum Ansbach an das neu gegründete Königreich Bayern. Im Klappentext des Buchs Unser Kleist, anlässlich des 200. Todestags des Dichters, lesen wir „1805 Reise von Berlin nach Königsberg; Arbeit an der Kriegs- und Domänenkammer; staats- und finanzwissenschaftliche Vorlesungen.“ Wir wissen somit, dass sich Kleist in Königsberg intensiv auf seine neue Position in Ansbach vorbereitete. Allerdings ohne Erfolg. Als er mit seiner Ausbildung fertig war, war Ansbach schon nicht mehr preußisch.

Wahrscheinlich ist das auch die Kernaussage des Amphitryons von Kleist. Der Feldherr Amphitryon erhält für den Sieg im Krieg gegen die Athener statt der Liebesnacht mit der Fürstentochter Alkmene nur die Nachricht, von Göttervater Zeus selbst gehörnt worden zu sein – Zeus tritt in der Figur des Amphitryons auf. Kleist erzählt uns so also seine eigene Geschichte. Zeus hat fulminanten Sex mit der hohen Tochter, nicht der siegreiche Feldherr. Kleist hatte eine exquisite Ausbildung in Staatswirtschaft, und sah sich um seine Karriere in Franken betrogen, wahrscheinlich auch um sein privates Liebesglück.

Somit ist klar, warum Goethe ist seinem berühmten Brief an Adam Müller, den Amphitryon nicht begreift. Am 28.08.1807 schreibt er von Karlsbad aus: „Über Amphitryon habe ich manches mit Herrn von Gentz gesprochen; aber es ist durchaus schwer, genau das rechte Wort zu finden. Nach meiner Einsicht scheiden sich Antikes und Modernes auf diesem Weg mehr, als daß sie sich vereinigen. Wenn man die beiden entgegengesetzten Enden des lebendigen Wesens durch Kontorsion zusammenbringt, so gibt das noch keine neue Art von Organisation; es ist allenfalls nur ein wunderliches Symbol, wie die Schlange, die sich in den Schwanz beißt.“ Goethe hatte Erfolg, Kleist nicht. Ach! (Schlußwort der Alkmene in Amphitryon).

Literatur:

Björn Brüsch, Genealogie einer Lehranstalt. Von der gartenmäßigen Nutzung des Landes zur Gründung der Königlichen Gärtnerlehranstalt. München 2010

Ingo Hermann, Hardenberg – Der Reformkanzler, München 2003

Elfi M. Haller, Karl August Freiherr von Hardenberg. Königl. Preuß. Wirklicher Geh. Staats-Kriegs-Cabinets- und dirigierender Minister über die Fürstentümer Ansbach-Bayreuth u. Chef der Bank in Franken, München 1987

Frank Mangelsdorf (Hg.), Unser Kleist. 60 Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler über den Dichter aus Frankfurt (Oder), Berlin Wildeshausen 2010

Helmut Sembdner (Hg,), Heinrich von Kleist. Werke in einem Band, München 1978, 2. Auflage

Arno Störkel, Christian Friedrich Carl Alexander. Der letzte Markgraf von Ansbach-Bayreuth, Ansbach 1995

Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V, (Hg.), Markgraf Alexander und sein Hof zu Triesdorf, Triesdorf 2022

Das Zepter des Hofrats von Seckendorff

Es war Hofrat Christoph Friedrich von Seckendorff-Aberdar zu Unternzenn, der dem Markgrafen Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach eine Heirat schmackhaft machte.

Zusammen mit der geborenen Ansbacher Prinzessin und verheirateten Herzogin Eleonore Juliane von Württemberg-Teck-Winnenthal arrangierte er die Ehe mit Christiane Charlotte, der Tochter der Herzogin.

Bis zum Tod des Markgrafen 1723 sollte der Hofrat maßgeblich die ansbachische Politik bestimmen und das politische Zepter in der Hand halten.

Die ältere Literatur meint, dass dies auch nach dem Tod des Markgrafen anhielt. Doch zeigt die neuere Studie von Andrea Schödl, dass die Markgräfin Christiane Charlotte als Oberbevormünderin ihres Sohnes Carl Wilhelm Friedrich die Regierung des Fürstentums Ansbach – und somit das Zepter – selbst in die Hand nahm.

Im Jahr 1999 schreibt Gerhard Rechter: „Der ausgezeichnete Verwaltungs- und Finanzfachmann (Seckendorff) sah wohl mehr in der preußischen denn in der überkommenen Staatlichkeit Frankens die Zukunft und bestimmte, getragen vom Vertrauen seiner seit 1723 verwittweten Fürstin (Christiane Charlotte), über lange Jahre die ansbachische Politik.“ (S. 45). Schödl antwortet darauf 2009 mit einem zeitgenössischen Zitat des Barons Carl Ludwig von Pöllnitz: „Sie (Christiane Charlotte) wollte >selbst ihr Premier-Minister sein und hatten ihre Räthe nichts anderes zu thun als ihre Befehle zu vollstrecken<.“ (S. 21)

Christoph Friedrich von Seckendorff rächte sich nach dem Tod der Markgräfin 1729, indem er in einem Gutachten 1730 die desolate finanzielle Lage des Fürstentums Ansbach dem Sohn und Nachfolger Markgraf Carl Wilhelm Friedrich darlegte. Der Markgraf rächte sich seinerseits an Seckendorff viele Jahre später. Markgraf Carl stellte den Unternzenner kalt, indem er dessen Neffen 1737 Christoph Ludwig von Seckendorff-Aberdar zu Obernzenn als neuen „maßgeblichen Minister“ (Rechter) berief, der gleichwohl den offiziellen Titel Geheimer Rat bekam.

Gleichwohl blieb Christoph Friedrich von Seckendorff weiterhin formell Premier-Minister, wie Gerhard Rechter erstaut feststellt: „Die politische Kaltstellung Christoph Friedrichs bedeutete freilich nicht den Verlust seiner hohen Verwaltungsämter.“ (Rechter 1997, S.60*). Um dies nach außen hin zu demonstrieren, ließ sich Seckendorff deshalb wahrscheinlich hinreißen, ein reelles – und kostbares! – Zepter in Auftag zu geben. Dieses wird jetzt in der Bayerischen Landesausstellung in der Orangerie zu Ansbach gezeigt (noch bis zum 6. November 2022).

Das Zepter des Christoph Friedrich von Seckendorff in der Landesausstellung zu Ansbach
Das Zepter des Christoph Friedrich von Seckendorff in der Landesausstellung zu Ansbach © Bayerisches Nationalmuseum München/Foto: Bastian Krack – 

Seckendorff wähnte sich offenbar als maßgeblicher Reichsritter im Kanton Altmühl mit dem Markgrafen gleichrangig – und forderte ihn mit diesem sichtbaren Zeichen deutlich heraus. Es nützte nichts. Markgraf Carl Wilhelm Friedrich ließ sich nicht erweichen, holte den älteren Seckendorff nicht mehr zurück. Christoph Friedrich von Seckendorff-Aberdar zu Unternzenn musste bis zum Tod des alten Markgrafen warten. Erst dessen Sohn und Nachfolger, Markgraf Alexander, reaktivierte Seckendorff wieder politisch in Ansbach. Das Zepter wurde also nicht mehr gebraucht. Es hatte schließlich seinen Dienst erfüllt.

Literatur:

Gerhard Rechter, Die Seckendorff, Band III/1, Neustadt an der Aisch 1997

Derselbe, Preußens Weg nach Franken. Der Erwerb der zollerschen Fürstentümer und die Rolle der adeligen Berater in Ansbach, in: Bayern & Preußen & Bayerns Preußen, Ausstellungskatalog, Regensburg 1999, S. 41-52

Andrea Schödl, Markgräfin Christiane Charlotte – Fürstin, Mutter und Frau, Sonderdruck Nr. 7, hg. vom Verein der Freunde Triedorf und Umgebung e. V., Triedorf 2009

Information

Bayerische Landesausstellung zum Thema „Typisch Franken?“, 25. Mai bis zum 6. November 2022 in der Orangerie Ansbach und in der Hofkirche St. Gumbertus Ansbach. Besuch täglich möglich von 9 bis 18 Uhr. Eintritt 12 Euro. Ermäßigungen. Ermäßigungen ebenfalls bei anschließendem Besuch des Markgrafenmuseums Ansbach und der Residenz Ansbach.

Markgraf Alexander zu Triesdorf und in Weidenbach

Markgraf Alexander hielt sich beständig zu Triesdorf auf. Nach Weidenbach zog es den Markgrafen allerdings zum Gottesdienst in die dort befindliche Hofkirche. Direkt unterhalb des Fürstenstandes hängt heute noch ein Bild von ihm. Auch im Pfarrhaus zu Weidenbach findet sich bis heute ein Portrait von ihm.

Wie nun das Verhältnis des Markgrafen Alexander zu Weidenbach aussah, versucht Dr. Arno Störkel in seinem Beitrag

„Triesdorf als Landsitz Markgraf Alexanders: Kultur auf beiden Seiten der Roten Mauer

zu klären.

Der Aufsatz ist enthalten im aktuellen Triesdorfer Heft Nr. 11 „Markgraf Alexander und sein Hof zu Triesdorf“ des Vereins der Freunde Triesdorf und Umgebung.

Markgraf Alexander mit Rotem und Schwarzem Adlerorden des Ansbacher Hofmalers Johann Michael Schwabeda. Pfarrhaus Weidenbach
Markgraf Alexander mit Rotem und Schwarzem Adlerorden des Ansbacher Hofmalers Johann Michael Schwabeda. Das Bild befindet sich heute im Pfarrhaus Weidenbach. Foto: Pfarrerin Simone Sippel.

Im selben Heft interpretiert übrigens die gebürtige Ansbacherin Dr. Barbara Eichner, Musikwissenschaftlerin an der Brookes-Universität in Oxford/England, die Rolle der Lady Craven in dem Essay „Die Komponstin und Schaupielerin Maria Theresia Gräfin von Ahlefeldt am Gesellschaftstheater zu Ansbach und Triesdorf“ völlig neu.  Die englische Schriftstellerei vermied es demnach, als Geliebte des Markgrafen am Hof gesehen zu werden – ganz im Gegensatz zu ihrer großen Gegenspielerin, der Mademoiselle Clairon. Vielmehr wollte Elizabeth Craven offenbar als Künstlerin wahrgenommen werden.

Und als jemand, der Karrieren anderer Künstler beförderte. Zum Beispiel die der Gräfin Ahlefeldt. So ist es auch zu verstehen, dass die Craven das alte Theater des Markgrafen Markgraf Johann Friedrich von Brandenburg-Ansbach als Neues Theater zu Ansbach und Triesdorf reaktivierte. Die Ahlefeldt konnte jedenfalls nach ihrer Zeit im Ansbachischen am Königlichen Theater https://kglteater.dk/en zu Kopenhagen/Dänemark reüssieren: Mit dem Ballett „Telemach auf der Insel der Kalypso“.

Ein Stoff übrigens, den die Ahlefeldt wohl aus der https://www.schlossbibliothek-ansbach.de/start/ kannte. Dort kann man heute noch die beiden Ausgaben Benjamin Neukirchs zum Telemach in Versform ausleihen: Die Begebenheiten Des Prinzen von Ithaca, Oder Der seinen Vater Ulysses suchende Telemach.

Markgraf Alexander und das Merinolandschaf zu Triesdorf

Die Merinolandschafherde zu Triesdorf auf der Weide. Foto: Kerstin Kerschbaum

TRIESDORF – Markgraf Alexander ließ im Jahre 1788 eine Schäferei als Musterbetrieb an seinem Wohnsitz in Triesdorf einrichten. Diese herrschaftliche Zuchtschäferei wurde als Schaafsverbesserungspflanzschule (Störkel 1995, S. 122) bezeichnet und sollte helfen, die Wollqualität des ansbachischen Landschafs insgesamt zu erhöhen. Eine höhere Wollqualität könnte sich am Wollmarkt, so die Hoffnung, in höheren Preisen niederschlagen. Und dies wiederum könnte für höhere Gewinne und somit Steuereinnahmen für den Markgrafen sorgen. Um dies zu erreichen, wurde in Spanien eine Herde Merinoschafe aufgetrieben, die dann mit Roussillon-Schafen aus Frankreich ergänzt wurde.

In ihrem Beitrag Triesdorf in seinen Anfängen bis zum Jahr 1847 zur Festschrift 150 Jahre Bildungszentrum Triesdorf schreiben Wilfried Ahrens und Friedrich Renner:

„Bereits 1788 wurde in Colmberg eine markgräfliche >Schafsverbesserungspflanzschule< gegründet, in die französische und spanische Merinos >verpflanzt< wurden. Die Absicht war, die Wollfeinheit des heimischen Zaupelschafes zu verbessern. In dem strengen Winter 1788/89 wurden von Spanien nach Triesdorf 130 Merino-Widder, 90 Merino-Mutterschafe und ein Manso-Hammel getrieben. Unterwegs nahm man in Perpignan noch 72 Roussillon-Mutterschafe dazu. Die Herde kam sehr geschwächt in Triesdorf an, so dass viele Tiere nachfolgend eingingen.“ (Ahrens/Renner 1998, S. 13f.)

Dem Vorhaben vorausgegangen war eine deutliche Kritik an der bisherigen Landwirtschaftspolitik im Ansbachischen durch den Aufklärer Johann Bernhard Fischer. In seiner zweibändigen Beschreibung des Burggraftums Nürnberg, unterhalb Gebürgs; oder des Fürstentums Brandenburg=Ansbach (Ansbach 1787) schreibt er im ersten Band auf Seite 217: „Die Schafzucht ist beinahe durchgängig sehr ansehnlich. An die Veredlung der Schaafe durch ausländische Böke ist aber dennoch zur Zeit nicht gedacht worden.“

Es scheint also, als ob Fischers Idee, durch den Import von ausländischen Zuchttieren die Wettbewerbsfähigkeit von ansbachischen Landschafen zu steigern, direkt in die Tat umgesetzt worden ist. Fischer war immerhin markgräflicher Beamter und wurde nach seiner Veröffentlichung sogar direkt zweimal befördert, wie Georg Seiderer in seiner Einführung zum Nachdruck der Beschreibung (Ansbach 2008, S. IVf. ) schreibt: Vom Regierungskanzlist in der markgräflichen Verwaltung (1777) zum Geheimen Registrator (1788) und Amtskastner in Gerabronn (1790). Und seine Beschreibung erhielt sogar noch eine 2. Auflage. Von seiner Karriere in preußischen und bayerischen bzw. württembergischen Diensten ganz zu schweigen.

Es stellt sich allerdings die Frage, wie diese Schaafsverbesserungspflanzschule tatsächlich aussah. War es nur eine Art Musterbetrieb für Schafhaltung, um den Bauern die Zuchtschafsböcke einfach auszuleihen? Arno Störkel sieht es so, dass „…eine herrschaftliche Zuchtschäferei errichtet (wurde), das Projekt also in eigener Regie behalten, und den Schäfern die Widder nur zur Zucht zur Verfügung gestellt.“

Musterbetrieb für Schafhaltung und Schäferschule

In seinem Standardwerk zur Deutschen Agrargeschichte kommt Alois Seidl allerdings zu dem Schluss, dass es sich dabei sicherlich um eine der ältesten landwirtschaftlichen Spezialschulen Deutschland handelte (vgl. Seidl 2014, S. 165). Immerhin war das Triesdorfer Projekt im Vergleich ziemlich verspätet, um nur ein einfacher Betrieb zu sein. „Die Schafzucht sollte vor allem durch die Einführung von Merinoschafen verbessert werden. 1765 wurden erstmals Merinoschafe in das Kurfürstentum Sachsen, 1785 in Preußen, 1788 auch in die Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach (Triesdorf) eingeführt.“ (Seidl 2014, S. 119).

Wollforschung in Triesdorf

Heute floriert die Schafhaltung mit ausschließlich Merinolandschafen der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf ganz beträchtlich. „Spitzenpreise für Triesdorfer Zuchtböcke auf den Süddeutschen Märkten der letzten Jahre sind ein Beleg für die erfolgreiche Zuchtarbeit.“ (Niklas/Sedlmeier/Zerboni 1998, S. 24). Um die Wollfeinheit der Triesdorfer Schafe weiter zu steigern, will Wilhelm Pflanz, Professor für Tierwissenschaft in der ökologischen Landwirtschaft und Dekan an der Fakultät für Landwirtschaft, Lebensmittel und Ernährung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die Wollforschung wieder in Triesdorf etablieren. Die Fachhochschule in Triesdorf wurde 1971 gegründet nach Auflösung der Ingenieurschule für Landbau in Triesdorf, die wiederum auf der 1847 gegründeten Ackerbauschule Triesdorf fußte. CARL-ALEXANDER MAVRIDIS

Quellen:

Wilfried Ahrens/Friedrich Renner, Triesdorf in seinen Anfängen bis zum Jahr 1847, in: 150 Jahre Bildungszentrum Triesdorf, Triesdorf 1998, S. 8-15

Johann Bernhard Fischer, Beschreibung des Burggraftums Nürnberg, unterhalb des Gebürgs oder des Fürstentums Brandenburg-Anspach, 2 Bände, Ansbach 1787

Landwirtschaftliche Lehranstalten Triesdorf und Triesdorfer Schulen (Hg,), 150 Jahre Bildungszentrum Triesdorf, Triesdorf 1998

Willibald Niklas/Johann Sedlmeier/Horst von Zerboni, Landwirtschaftliche Lehranstalten mit Landmaschinenschule und Tierhaltungsschule, in: 150 Jahre Bildungszentrum Triesdorf, Triesdorf 1998, S. 21-28

Kristina Schmidl, Warum hiesige Schafe feinere Wolle brauchen, in: Fränkische Landeszeitung, Ansbach, Ausgabe vom 10.08.2022, o. S.

Alois Seidl, Deutsche Agrargeschichte, Frankfurt am Main 2014, 2. Auflage

Georg Seiderer, Ansbachische Landeskunde in der Spätaufklärung – Johann Bernhard Fischers Statistische und topographische Beschreibung des Burggraftums Nürnbergs, unterhalb des Gebürgs, Einführung im Nachdruck, Ansbach 2008, S. III-XXI

Arno Störkel, Christian Friedrich Carl Alexander – Der letzte Markgraf von Ansbach-Bayreuth, Ansbach 1995

Sommertheater um Markgraf Alexander von Ansbach unter freiem Himmel

ANSBACH – Progressives Sommertheater im konservativem Ansbach unter freiem Himmel.
Das https://www.theater-ansbach.de/ gibt aktuell ein Spektakel über Markgraf Alexander, Mademoiselle Clairon und Lady Craven. Es wird im Alten Posthof getanzt, gesungen, drei Musikerinnen spielen E-Cembalo, Cello und Blockflöte. Und noch dazu wird mit dem Feuer gespielt (wundervoll: Joana Tscheinig).

Wer sich jetzt vorstellt, dass das Ganze nur ein Spaß ist, irrt sich gewaltig. Klar, es ist auch ein Spaß. Es ist aber auch ein Stück Heimatgeschichte. Ein Stück, das einen Politiker auf die Bühne stellt – auch ein Markgraf muss als solcher angesprochen werden -, der seiner Sache nicht gewachsen ist und folglich die Sache hinwirft und die Flucht ergreift.

Lady Craven siegt über Mlle. Clairon

Ob es jetzt die Craven ist, wie es immer wieder heisst und auch im Stück thematisiert wird, die ihm den Verkauf seiner Territorien Ansbach, Bayreuth und Sayn-Altenkirchen an Preußen schmackhaft macht oder gar einredet, muss offen bleiben.

Viel wahreinlicher ist – und das ist das Ergebnis der neuesten Forschung -, dass der Rücktritt als Landesfürst vielmehr die eigene Entscheidung des Markgrafen Alexander selbst war. Die Lady Craven gab nur die günstige Gelegenheit ab. Es ist halt so einfach, sich als Opfer der Umstände zu begreifen und die Verantwortung anderweitig zu deponieren.

Das Spektakel um Markgraf Alexander und seine beiden Mätressen Clairon und Craven – offiziell: C. C. Mätressen. Ein dokumentarisches BaRockmusical – ist keine schwere Kost und liegt nicht schwer im Magen. Im Gegenteil. Es ist wie ein Nachtisch. Eine feine Sache! Allerdings ohne Nachschlag. Eine Zugabe gibt es nämlich nicht. Schade!

Wer mehr sehen will, kann sich noch eine zweite Theaterkarte kaufen und noch einmal das Theater besuchen. Warum nicht? Weitere Vorstellungen sind am 21.,22.,23. und 24. Juli 2022.

Carl-Alexander Mavridis

Teetischplatte mit Falkenjagd auf Reiher in Landesausstellung Ansbach

ANSBACH/TRIESDORF – Die Landesausstellung thematisiert aktuell in Ansbach die Falkenjagd des Wilden Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach (1712-1757). Gezeigt wird dabei in einer Vitrine die bedeutsame Ansbacher Fayence mit Darstellung einer Falkenjagd auf Reiher zu Triesdorf. Diese Teetischplatte hat tatsächlich ihren festen Platz im Keramikmuseum in Ludwigsburg.

Diese Ansbacher Fayence zeigt wahrscheinlich diejenige Falkenjagd des Markgrafen, die der Fürst zur Feier des Besuchs seines Schwiegervaters und preußischen Königs, Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg-Preußen, am 29. Juli 1730 veranstaltete. Gefertigt hat dieses Meisterwerk vermutlich der ehemalige Meißener Porzellanmaler Carl Heinrich von Löwenfinck, der 1740 in der Fayencefabrik in Ansbach tätig war.

Jetzt stellt sich die Frage, warum diese Teetischplatte dann zehn Jahre nach dem Ereignis gefertigt wurde. Der heutige Standort in Ludwigsburg gibt den entscheidenden Hinweis. Denn Ludwigsburg war zeitweise die Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Württemberg.

Falkenjagd ist politisches Instrument

Im Jahr 1737 bestieg Carl Eugen von Württemberg im Alter von neun Jahren als Herzog den Thron und kam 1741 zur Erziehung an den Hof von König Friedrich II. von Brandenburg-Preußen nach Berlin. Auf dem Weg dorthin lernte er seine künftige Frau Elisabeth Friedrike Sophie von Brandenburg-Bayreuth kennen. Da bei der Triesdorfer Falkenjagd 1730 auch König Friedrich II. dabei war, damals freilich noch als Kronprinz, sollte die Teetischplatte also an die enge Verbindung von Ansbach und Berlin erinnern.

In dem Triesdorfer Heft Nr. 10 stellt Horst von Zerboni einleitend die Frage, wie denn die Falkenjagd des Markgrafen Carl zu beurteilen wäre. War sie fürstliches Hobby? Oder Sport? Oder staatliche Notwendigkeit? Wir sehen an der Ansbacher Teetischplatte jedenfalls, dass die Falkenjagd als politisches Instrument gebraucht wurde.

Teetischplatte mit Falkenjagd auf Reiher zu Triesdorf
Teetischplatte Falkenjagd auf Reiher zu Triesdorf aus der Fayencefabrik Ansbach
© Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart | Foto: P. Frankenstein/H. Zwietasch

Quelle: Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V., (Hg.), Die Falkenjagd des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, Triesdorf 2018 (=Triesdorfer Heft Nr. 10 mit Texten von Sigrid Schwenk, Arno Störkel, Wolfgang Wüst und Werner Mühlhäußer und weiterführender Literatur).

Wanderung auf den Spuren des Wilden Markgrafen nach Georgenthal

Auf den Spuren des Wilden Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach:
Der Historische Verein für Mittelfranken organisiert eine Wanderung mit Oskar Geidner aus Wolframs-Eschenbach. Es geht durch den Mönchswald mit Lindenbühl und Georgenthal. Treffpunkt ist am Samstag, dem 9. April 2022 um 10 Uhr in Haundorf bei Gunzenhausen an der Kirche St. Wolfgang.

Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Ansbach, heute bekannt als Wilder Markgraf, der mit der preußischen Prinzessin Friederike Louise im jugendlichen Alter vermählt worden war, wandte sich zugleich auch anderen Frauen zu und heiratete möglicherweise sogar nichtoffiziell Elisabeth Wünsch, die Tochter eines Mühlknechts von der Weinzierleiner Mühle nahe Roßtal. Der Ritter von Lang bezeichnet sie in seinem berühmten Aufsatz über das Ansbach des 18. Jahrhunderts als „ländliches Mädchen“ und „blonde Schönheit“, ohne sie allerdings mit Namen zu nennen.

Elisabeth Wünsch lernte den Markgrafen Carl in Ansbach kennen – oder er sie -, kam zuerst ins Ansbacher Schloss, wohnte dann auf Schloss Georgenthal und zog schließlich 1752 nach Schloss Wald bei Gunzenhausen; zwischen 1734 und 1748 gebar sie dem Markgrafen Carl vier Kinder. Auf Betreiben des Markgrafen wurden die beiden natürlichen Söhne mit dem Namen Falkenhausen ausgestattet und anschließend in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Der ursprünglich gewünschte Name war ja schon vergeben: Der Kaiser selbst führte den Titel Graf von Falkenstein.

Schloss Wald bei Gunzenhausen gilt heute das das Stammschloss der Freiherren von Falkenhausen. Tatsächlich gehört das Haus zum Besitz des 2. Falkenhausen
Schloss Wald bei Gunzenhausen gilt heute als das Stammschloss der Freiherren von Falkenhausen. Tatsächlich gehörte das Haus zum Besitz des jüngeren Falkenhausen. Über dem Eingang prangt das Familienwappen.

„Um die finanzielle Ausstattung von Mutter Elisabeth [genannt die Madame de Falckenstein] und den … Kindern aus seiner Nebenverbindung war der Markgraf väterlich besorgt. [Tatsächlich muss man diese Konstellation als Nebenfrau und Nebenfamilie bezeichnen!]

Die Mutter bezog eine monatliche Zahlung von 500 fl.

Die Tochter Eleonore erhielt als Heiratsausstattung einen Betrag von 30.000 fl. Gut genug ausgesteuert also, um mit einem „jungen Baron von Nostitz“ (Ritter von Lang) verheiratet zu werden. Die andere Tochter starb schon im Kindesalter.

Von den beiden Söhnen erhielten
Friedrich Carl [1. Falkenhausen] Thürnhofen [bei Feuchtwangen], im Wert von 50.000 fl, Erträge von 913 fl. Trautskirchen, im Wert von 90.000 fl., Erträge von 2.000 fl., ½ von Biebersfeld, im Wert von 20.000 fl, Erträge von 483 fl. und

Friedrich Ferdinand Ludwig [der jüngere Falkenhausen] Laufenbürg, im Wert von 50.000 fl., Erträge von 1.153 fl; Wald [bei Gunzenhausen], im Wert von 75.000 fl, Erträge von 1.653 fl, ½ von Biebersfeld, im Wert von 20.000 fl, Erträge von 483 fl. Hinzu kamen noch Waldungen und Weiher.“ (Werzinger, S. 173f.)

Quellen:

Siglinde Buchner, Die Kinder des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich, in: Gunzenhausen – Fürstliche Residenz unter Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach (reg. 1729-1757), hg. von Werner Mühlhäußer u. a., Schrenk-Verlag: Gunzenhausen 2007, S. 31-68

Carl Heinrich Ritter von Lang, Geschichte des vorletzten Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, Carl Brügel: Ansbach 1848

Dieter R. Werzinger, Die zollerischen Markgrafen von Ansbach Verlag Degener & Co.: Neustadt/Aisch 1995

Einstieg in den Kulturtourismus in Ansbach mit exklusiver Stadtführung

ANSBACH – Einstieg in den Kulturtourismus: Museumsdirektor und Stadtarchivar Dr. Wolfgang Reddig bietet eine Spezialführung durch das Ansbach des 18. Jahrhunderts an. „Auf den Spuren Johann David Steingrubers durch Ansbach – Architektur zur Blütezeit der [Haupt- und] Residenzstadt“ lautet das Thema dieser besonderen Stadtführung.

Die historische Wanderung beginnt am Freitag, dem 25. März 2022 um 14 Uhr. Der Treffpunkt ist mit der Buchhandlung Seyerlein (Karlstraße) sehr gut gewählt. Denn tatsächlich sind die Hauptwerke des markgräflichen Bauinspektors in Ansbach vor allem in der Karlstraße.

Insbesondere Steingrubers eigenes Wohnhaus, das Palais Schlammersdorf, die Karlshalle und das Redoutenhaus am Karlsplatz. Veranstalter dieses exklusiven Stadtrundgangs durch Ansbach ist der Historische Verein für Mittelfranken.

Johann David Steingruber 1702-1787 war aber nicht nur als markgräflicher Hofbaumeister im Markgraftum Ansbach tätig. Tatsächlich aus ganz Franken – und darüber hinaus – nahm er zahlreiche Aufträge von den unterschiedlichsten Bauherren herein und betätigte sich somit auch als Bauunternehmer. Die große Gedenkausstellung 1987 in Ansbach zeigte sein Leben und sein Werk in seiner großen Vielfalt.

So war der Hofbaumeister auch als Architekturtheoretiker tätig und veröffentlichte etwa das Architectonische Alphabet, welches bei Johann Gottlieb Mizler in Schwabach 1773 verlegt wurde. Die hervorragende Qualität dieses Werks zeigt sich in der Tatsache, dass das weltberühmte Metropolitan Museum of Art in New York in der Abteilung Prints und Photographs dieses Buch Steingrubers in der Ausstellung präsentiert und auch im offiziellen Ausstellungskatalog zeigt. Das Stadtarchiv Ansbach verfügt ebenfalls über ein Exemplar.

 
BU: Das Architektonische A von J. D. Steingruber. Siehe: https://archive.org/details/bub_gb_SUBJAAAAcAAJ/page/n35/mode/1up
 
Das Architektonische A von J. D. Steingruber. Siehe: https://archive.org/details/bub_gb_SUBJAAAAcAAJ/page/n35/mode/1up

Neben der Abbildung des „Architektonischen As“ schreibt Nora B. Beeson 1972 „This plate from Johann David Steingruber‘s Architectonisches Alphabet, from an edition published in 1773, shows a design for a building in the shape of an A.“ Tatsächlich diskutiert der Ansbacher Hofbaumeister in seinem Buch die Möglichkeiten, Häuser nach lateinischen Buchstaben zu bauen, um somit die Initialen von Bauherren in die Landschaft zu setzten. Josef Maier schreibt 1987 dazu: „Besonders sinnreich … sind die Schlösser, die Steingruber nach dem Signet des Markgrafen Christian Friedrich Carl Alexander und dessen Gemahlin Friderica Carolina entwickelt.“

Es wäre schön, wenn die Stadt Ansbach mit dem Stadtarchiv als ausführendes Organ dieses Architectonische Alphabet in einer Neuauflage mit Einführung der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen könnte. Das hätte den Vorteil, dass die Buchhandlung in der Ansbacher Karlstraße dieses Buch Steingrubers auch in der Auslage hätte. Und zudem die Landesausstellung in Ansbach mit einer Begleitmaßnahme lokale Unterstützung erleben würde.

Quellen:

Nora B. Beeson, Guide to The Metropolitan Museum of Art, New York 1972, S. 263

Josef Maier (Bearbeiter), Johann David Steingruber 1702-1787 Leben und Werk, Ausstellungskatalog, Ansbach 1987, S.141

Thema der Bayerischen Landesausstellung in Ansbach: Ansbach-Preußen

Die Bayerische Landesausstellung 2022 in Ansbach wird sich dem Thema Ansbach-Preußen widmen. Ab dem 25. Mai in der Orangerie der Haupt- und Residenzstadt Ansbach (bis 06. November).

Friederisiko hieß 2012 eine große Ausstellung zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen in Potsdam. Dabei wurde damals das Thema Preußen-Ansbach gestreift. Wenngleich nur ganz kurz und mit schroffem Kommentar. Ein Bild von Markgraf Alexander – und noch dazu nur eine Kopie nach einem Bild des Ansbacher Hofmalers Friedrich Gotthard Naumann – musste genügen.

ALEXANDER, regierender Markgraf zu Anspach-Bayreuth, Porträt. Brustbild mit Kopftuch im Oval. Kupferstich von D. Berger 1784.
ALEXANDER, regierender Markgraf zu Anspach-Bayreuth, Porträt. Brustbild mit Kopftuch im Oval. Kupferstich von D. Berger 1784. Ausschnitt. Größe im Original 9,5 x 5,5 cm. Wahrscheinlich ein Souvenirbildchen zum Einkleben in ein Album.

Dazu folgender Text: „Der Markgraf aus der fränkischen Linie der Hohenzollern ist ein Neffe Friedrichs. Gerne weilt er monatelang in Berlin. 1769 ist er gleich zweimal im Neuen Palais. Das Regieren liegt ihm nicht, und 1791 verkauft er seine Länder an Preußen.“

Jetzt, zehn Jahre später, gibt es in Ansbach die Chance, dieses sehr schräge Geschichtsverständnis zum Thema Ansbach-Preußen gerade zu ziehen. Ob allerdings die Landesausstellung in Ansbach dieses Thema intensiv bearbeiten wird, ist noch nicht geklärt. Wir werden sehen: Ab dem 25. Mai in der Orangerie der Haupt- und Residenzstadt Ansbach (bis 06. November).

Es stellt sich natürlich die Frage, wie der Markgraf Alexander, obwohl ihm wenig an Politik lag, wie in Potsdam 2012 behauptet, es fertigbrachte, dann seine Länder, also die Fürstentümer Ansbach, Bayreuth und die Grafschaft Sayn-Altenkirchen im Westerwald, an Preußen zu verkaufen. Ist denn dieser Verkauf selbst keine Politik? Klar, immer noch hält sich die Behauptung, hauptverantwortlich für die Abdankung sei seine englische Mätresse Lady Craven.

So schreibt Dr. Günther Schuhmann 1956: „Ausschlaggebend aber war letztlich der beherrschende Einfluß der eigennützigen Lady Craven auf den Fürsten. Sie schürte in ihm Übrerdruß und Unzufriedenheit an der Regierung und nährte den Gedanken an einen geruhsamen und glücklichen Lebensabend in England.“ Es wäre jetzt an der Zeit, diese Frage in der Öffentlichkeit im Rahmen einer wissenschaftlichen Tagung intensiv zu diskutieren.

Quellen:

Günther Schuhmann, Markgraf Alexander von Ansbach-Bayreuth 1736-1806, Ausstellungskatalog, hg. von der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen/Bayerisches Staatsarchvi Nürnberg, Ansbach 1956, S. 32: X. Abdankung, letzte Lebensjahre in England, Tod

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.), Friederisiko – Friedrich der Große, Begleitheft zur Ausstellung, Berlin 2012, Nr. 110: Christian Friedrich Karl Alexander von Brandenburg-Ansbach.

Theater Ansbach bringt Markgraf Alexander auf die Bühne

Das Theater Ansbach bringt den Markgrafen Alexander und seinen Hof auf die Bühne. Über Markgraf Alexander stellt der Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung noch rechtzeitig vor der Premiere ein neues Triesdorfer Heft vor, welches neue wissenschaftliche Erkenntnisse u.a. über das markgräfliche Theater der Lady Craven in Ansbach und Triesdorf liefert. Und den Beitrag der Mlle. Clairon am Ansbacher Hof in Verbindung mit dem Grafen von Saint-Germain neu einordnet.

C.C. Mätressen heißt das Stück und beschäftigt sich mit den beiden internationalen Mätressen des Fürsten, der Mademoiselle Clairon aus Paris und der Engländerin Lady Craven. Premiere ist am 30. Juni 2022. Das Spektakel steht dann bis zum 24. Juli auf dem Spielplan.

Angelegt ist die Produktion als Sommertheater im Innenhof der Alten Post zu Ansbach. Die Ankündigung im aktuellen Spielplan feiert die Veranstaltung als „dokumentarisches BaRockmusical zur großen bayerischen Landesausstellung >Typisch Franken<“. Autoren des Spektakels sind der Intendant des Theaters Axel Krauße, der auch die Regie führt, und Peter Sindlinger. Die Beschäftigung mit dem markgräflichen Stoff ist aber nicht neu. Schon Gerd Scherm aus Binzwangen schrieb in der jüngsten Vergangenheit für das Theater Ansbach ein Schauspiel. Und Michael Kämmle aus Behringersdorf legte für den Fränkischen Sommer ein Singspiel vor.

So ganz dokumentarisch, wie man in Ansbach möchte, kann das aktuelle Stück aber gerade nicht sein. So hielt sich doch der Hof des Markgrafen Alexander nicht in Ansbach auf, sondern in Triesdorf. Sicher, auch in Ansbach gibt es bis heute Relikte, welche an die Mätressen des Markgrafen erinnern.
So ist die Mademoiselle Clairon für den Bau des römisch-katholischen Bethauses (heute: Karlshalle) veranwortlich.

so ist die Mademoiselle Clairon für den Bau des römisch-katholischen Bethauses (heute: Karlshalle) veranwortlich.
Karlshalle © Stadt Ansbach …. ist die Mademoiselle Clairon für den Bau des römisch-katholischen Bethauses (heute: Karlshalle) veranwortlich.

Und die Lady Craven spielte auch in Ansbach Theater. Klar, die Craven gründete ja das Neue Theater der Gesellschaft von Ansbach und Triesdorf. Das Schlosstheater war schon vorher in der alten markgräflichen Wagenremise eingerichtet worden, dort, wo heute die Staatliche Bibliothek (Schlossbibliothek) untergebracht ist.

Die Hofkapelle Ansbach spielte in Triesdorf

Aber die Musik spielte tatsächlich nicht in Ansbach, sondern in Triesdorf. Hier inszenierte die englische Lady Craven eine französische Oper im Heckentheater zu Triesdorf, um ihren Sieg über die Mademoiselle Clairon zu demonstrieren. Sogar mit „Pauken und Trompeten“ und somit in großer Besetzung der Hofkapelle Ansbach. Es existiert „eine detaillierte Beschreibung“ (Renate Schusky) eines ungenannten Journalisten, welche im überregionalen Journal Deutsches Museum 1787-1789 abgedruckt wurde. Vielleicht war es auch ein selbst geschriebener PR-Beitrag, direkt von der Lady Craven also. Sie war ja von Beruf aktive Schriftstellerin und nicht, wie die Clairon, ehemalige Schauspielerin.

Das Stück im Gartentheater zu Triesdorf (Heckentheater) wurde gegeben am 23. Juli 1787. Der im ganzen Heiligen Römischen Reich deutscher Nation bekannte Dichter Johann Peter Uz aus Ansbach steuerte sogar einen Prolog auf Deutsch bei. Es galt, dem anwesenden Volk mitzuteilen, dass der Markgraf Alexander mit diesem Triumph der Craven über die Clairon völlig einverstanden war. Denn das Stück, welches auf die Gartenbühne kam, war Henri IV oder Die Jagdlust und bezog sich also auf die Lust des Markgrafen, der Jagd. Die Musik dazu machte die Gräfin Maria Theresia Ahlefeldt, die am Hof des Markgrafen Alexander von Ansbach lebte und später nach Kopenhagen ging, an der „ihr Mann als Intendant des königlichen Theaters wirkte“ (Michael Kämmle, Lexikon Fränkischer Musiker, hg. vom Fränkischen Sommer, Ansbach 2012).

Markgraf Alexander war also nicht nur als eifriger Jäger und wilder Reiter Freund der großen Jagd. Er war auch womöglich großer Freund der Kunst, immerhin aber fleißiger Kulturgänger. Wahrscheinlich würde er heute als Kulturtourist auch die Produktionen am Theater Ansbach anschauen. Wenn er nicht gestorben wäre: 1806, in England, im Exil.

Literatur:

Johann Jakob Grund, Malerische Reise eines deutschen Künstlers nach Rom, Wien 1789 (Nachdruck)

Susanne Franke, Die Reisen der Lady Craven durch Europa und die Türkei, Trier 1995

Renate Schusky, Das deutsche Singspiel im 18. Jahrhundert, Bonn 1980

Arno Störkel, Fürstliche Jagd im barocken Franken, Bayreuth 2012

Johann Peter Uz, Sämtliche Poetische Werke, hg. von August Sauer, Darmstadt 1964

Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V. (Hg.), Triesdorf in Weidenbach, 2. Auflage, Gunzenhausen 2013