Zum 290. Geburtstag von Markgraf Alexander von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth

TRIESDORF/SPEEN – Am 5. Januar 1806 stirbt auf Schloss Benham in der englischen Grafschaft Berkshire kurz vor seinem 70. Geburtstag der letzte Markgraf von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth, Christian Friedrich Carl Alexander. Markgraf Alexander verkauft 1791 seinen beiden Fürstentümer Ansbach und Bayreuth an das Königreich Preußen und ging mit Lady Elizabeth Craven, seiner früheren Mätresse und zweiten Ehefrau, nach England, um dort als Privatier seinen Lebensabend zu verbringen. Vor allem züchtet er dort Pferde, waren sie doch die vielleicht größte Leidenschaft des Fürsten.

Porträt von Markgraf Alexander von Ansbach-Bayreuth aus dem neuen Kurhaus von Bad Alexandersbad. Tatsächlich hatte der Fürst einen Sinn für Ökonomie. Als Erbprinz hatte er im sehr fortschrittlichen Holland die Politik des Wirtschaftswachstums kennengelernt. Um den wirtschaftlichen Aufschwung des ehemaligen Kurbades Sichersreuth zu forcieren, wurde dort ein Kurhaus gebaut und das Bad nach ihm umbenannt. Das alte Kurhaus heißt heute Markgräfliches Schloss.
Porträt von Markgraf Alexander von Ansbach-Bayreuth aus dem neuen Kurhaus von Bad Alexandersbad. Tatsächlich hatte der Fürst einen Sinn für Ökonomie. Als Erbprinz hatte er im sehr fortschrittlichen Holland die Politik des Wirtschaftswachstums kennengelernt. Um den wirtschaftlichen Aufschwung des ehemaligen Kurbades Sichersreuth zu forcieren, wurde dort ein Kurhaus gebaut und das Bad nach ihm umbenannt. Das alte Kurhaus heißt heute Markgräfliches Schloss.

Markgraf Alexander erlebte noch den Untergang des Fürstentums Ansbach: Am 15. Dezember 1805 fällt Ansbach im Vertrag von Schönbrunn an Frankreich. Denn Preußen tauscht damit das von französischen Truppen besetzte Kurfürstentum Hannover ein – neben Ansbach auch Bayreuth, Kleve und Neuenburg/Schweiz. Einen Tag später fällt das ehemalige Markgraftum Brandenburg-Ansbach an Bayern, das am 1. Januar 1806 zum Königreich aufsteigt.

Für Bayern besetzt am 24. Februar 1806 der französische Marschall Jean-Baptiste Bernadotte, Fürst von Ponte Corvo, das Fürstentum Ansbach. Somit gerät Bernadotte zum Totengräber des Fürstentums Ansbach und wird gleichzeitig zum Geburtshelfer des modernen Bayern. Und das gerade am Geburtstag des Markgrafen Alexander. Bernadotte wird 1818 als Carl XIV. König von Schweden und ist somit Stammvater des heutigen schwedischen Königshauses.

Wer war Markgraf Alexander? Geboren wird Markgraf Christian Friedrich Carl Alexander am 24. Februar 1736 als zweiter Sohn von Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach und seiner Frau Friederike Louise, einer geborenen königlichen Hoheit, nämlich einer Tochter von König Friedrich Wilhelm I. in Preußen und seiner Frau Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg. Nach dem plötzlichen Tod seines älteren Bruders Carl Friedrich August am 9. Mai 1737 in Triesdorf rückt Alexander, so die von ihm selbst gewählte Kurzform seines Namens, zum Erbprinzen des Fürstentums auf. Jetzt erst beginnt die Erziehung Alexanders. Im August 1737 übernimmt die in der „Kinderzucht wohlerfahrenen adelichen Dame“, Frau von Imhof, als Hofmeisterin ihre Aufgabe. Zwei Jahre später kommt eine Sprachmeisterin für Französisch hinzu. Informator, Hauslehrer also, wird Johann Georg Mayer und der Hofkaplan hatte täglich eine Stunde „Christenthum“ zu lehren.

Ausbildung in Holland

Nach einem Plan des Ansbacher Ministers Christoph Ludwig von Seckendorff studiert Alexander in den Jahren 1748 bis 1750 in der holländischen Stadt Utrecht. [Über diese Prinzenreise hat Wolfgang F. Reddig ein Buch geschrieben, welches am Donnerstag, 21. Mai 2026 im Blauen Schloss zu Obernzenn im Rahmen eines Festakts mit Führung und Empfang vorgestellt wird. Beginn ist um 17 Uhr.] https://historischer-verein-mittelfranken.de/#aktuelles  Als junger „Graf von Sayn“ – die Grafschaft Sayn-Altenkirchen im Westerwald fiel bereits 1741 an Ansbach – unternimmt Alexander zum Abschluss seiner Ausbildung eine Reise an den Hof Königs Carlo Emanuele I. von Piemont-Sardinien nach Turin (Carlo Emanuele war gleichzeitig Herzog von Savoyen) und ging anschließend auf Kavalierstour. Die Grand Tour war die „frühneuzeitlichen Keimform des modernen Tourismus“ (Hachtmann 2007).

Ob er sich hier bei einer Liebschaft mit der „venerischen Krankheit“ (Syphillis) angesteckt hat und deswegen impotent, wie es immer wieder heißt? Jedenfalls bleibt Alexander kinderlos – trotz zweier Ehen und einiger außerehelicher Beziehungen. Eine Freundin sogar, Caroline von Beust, heiratet 1755 seinen älteren Halbbruder Friedrich Carl Freiherr von Falkenhausen. Den genauen Grund seiner Kinderlosigkeit allerdings kennen wir bis heute nicht.

Am 22. November 1754 heiratet Markgraf Alexander in Coburg Caroline Friederike von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Diese Ehe kommt allerdings nicht aus Liebe zustande, sondern aus Berechnung. Sein Vater Carl Wilhelm Friedrich lässt diese Heirat einfädeln. Wieder war es der Seckendorff, der ihn schon nach Utrecht brachte.  Für Alexander aber ist seine Braut nicht besonders interessant. Sein Biograf Arno Störkel findet hier harte Worte: „Die Prinzessin war unansehnlich, ungebildet und langweilig“.


Mit dem Tod seines Vaters Carl Wilhelm Friedrich am 3. August 1757 übernimmt Markgraf Alexander in Ansbach die Regierung des Markgrafentums Brandenburg-Ansbach. Ist die Residenz der wichtigsten weltlichen Herrschaft im Fränkischen Kreis Ansbach, so hält sich der Fürst jedoch viel lieber in Triesdorf auf. So schreibt Dr. Günther Schuhmann: „Alexanders Lieblingsaufenthalt war das ländliche Triesdorf, in das er sich gerne und immer häufiger zurückzog, wo er vergleichsweise bescheiden, unbelastet von der höfischen Etikette leben und seiner Jagdleidenschaft frönen konnte.“ Triesdorf war also Jagd- und Landsitz des letzten Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Und Ansbach war der vornehmste weltliche Stand im Fränkischen Reichskreis.

Alexander in Triesdorf

Tatsächlich lässt sich Alexander von seinem Bauinspektor Johann David Steingruber in Triesdorf das Falkenhaus zu seinem Wohnhaus, dem Roten Schloss, umbauen. Ebenso errichtet Steingruber dort den neuen Marstall mit Pferden als Initialenhalter im Giebel, Forst- und Jägerhaus. Für seine Geliebte Hippolyte Clairon erweitert Alexander das Weiße Schloss, für die Geliebte Fräulein Kurz entsteht die Villa Sandrina und Lady Elizabeth Craven genehmigte er gar ein neues Schloss: die Villa Rotunda. Selbst für seinen Leibarzt Dr. Johann David Schoepf lässt er an der Roten Mauer ein eigenes Haus als Dienstwohnung errichten.

Markgraf Alexander zeigt sich aber auch als ein Wirtschaftsförderer – und übernimmt somit die Wirtschaftspolitik seines Vaters Carl Wilhelm Friedrich und seiner Großmutter Christiane Charlotte. 1758 wird die Porzellanfabrik in Ansbach gegründet (1762 verlegt nach Bruckberg), setzt Impulse in der Landwirtschaft durch den Import von Schafen aus Spanien und Frankreich und investiert erhebliche Mittel in den Bau von breiten Straßen, Chausseen genannt, also in den Wirtschaftsverkehr. Auch gründete Alexander im Jahr 1780 seine eigene Bank: die „Hochfürstlich-Brandenburg-Anspach-Bayreuthische Hofbanco“ (heute Teil der italienischen Unicredito aus Mailand).

Das Motiv für die Bankgründung ist einfach: Alexander will das Geschäft mit dem Geld nicht den bis dato führenden jüdischen Bankhäusern überlassen, sondern selbst Kasse machen. Und er machte Kasse: er vermietete Truppen, Soldaten, an den englischen König im Krieg um die englischen Kolonien in Amerika. Als Obrist der Fränkischen Kreistruppen hatte Markgraf Alexander das Kommando über die „fränkische Armee“. Der Soldatenhandel ist ein höchst einträgliches Geschäft. Und dafür wird Alexander zum Privatbankier. Von den Subsidien (Hilfstruppen) und Rekruten in einer Stärke von 1644 Mann kommen nach einer Aufstellung von Friedrich Kapp im Herbst 1783 wieder 1183 Mann zurück.  Später wurden weitere Truppen vermietet, und zwar an Holland. Verwendet werden „die außerordentlichen und zudem auch wohl problematischen Einkünfte“ (Werzinger 1993) besonders zur Schuldentilgung des Fürstentums. Laut den „Bemerkung über das Finanzwesen“ des Ansbacher Ministers Carl Friedrich Reinhard Freiherr von Gemmingen-Guttenberg lagen die Staatsschulden bei Alexanders Regierungsantritt 1757 bei 5 Millionen Gulden, 1790 nur noch bei 1.520.560 Gulden. Somit wendet sich Alexander in Laufe seiner Regentschaft doch ab von der Politik seiner Vorgänger: Weg vom schuldenbasierten Wirtschaftswachstum, hin zu einer nachhaltigen Politik der schwarzen Null.

Abdankung oder Verkauf?

Im Jahr 1791 verkauft Markgraf Alexander schließlich seine beiden Markgraftümer Brandenburg-Ansbach und Bayreuth (1769 fällt Bayreuth an Ansbach) an König Friedrich Wilhelm II. von Preußen. In einem geheimen Vertrag, unterzeichnet am 16. Januar 1791 in Berlin, verzichtee Alexander auf seine Regierung zum Preis von 304.000 Gulden Leibrente pro Jahr („konventionsgemäße Kompetenz“) und der gesamten Schatulle, der „Kasse des abgesonderten Privatvermögens des Markgrafen“ (Werzinger 1993).

Seine Geliebte Lady Craven sichert sich ebenfalls ein Stück des Kuchens. Sie erreicht ein eventuelles Witwengeld in Höhe von jährlich 20.000 Gulden, was sie jedoch nie beziehen soll, da sich nach dem Tod Alexanders Preußen und Bayern um die Zahlungsverpflichtung streiten. Ihr jüngster Sohn Keppel erwirkt später vom Königreich Bayern „gewissermaßen als Wiedergutmachung der vorenthalten Witwenrente“ seiner Mutter, die 1828 in Neapel stirbt, „eine bescheidene Rente“ (Tiggesbäumker 1994).

(Allerdings wurde das Geschäft schon vorher eingefädelt, war doch seit Oktober 1790 Carl August Freiherr von Hardenberg Minister in Ansbach. Und Hardenberg war der Mann Preußens. Ebenfalls wird das private Vermögen des Markgrafen liquidiert und der Erlös ebenfalls nach England transferiert. Etwa das Gut Plein Desir in Weidenbach-Triesdorf aus dem Erbe seiner Mutter Friederike Louise, die bereits 1784 in Unterschwaningen stirbt.) 

Am 18. Februar 1791 stirbt Markgräfin Caroline Friederike in Unterschwaningen. Dort lebte sie mit ihrer Schwiegermutter zusammen und wird von dieser auch in den neu gegründeten Goldenen Adler-Orden aufgenommen, wie ein Bild von Caroline Friederike, welches sich heute auf Schloss Callenberg in Coburg erhalten hat, beweist. https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/bayern/sachsen-coburg-coburg-prinz-von-sachsen-coburg-windsor-schweden-callenberg-ehrenburg-e401683/?reduced=true Und am 19. Mai desselben Jahres verläßt Markgraf Alexander von Triesdorf aus seine fränkischen Lande still und leise in Richtung England über Ostende und Lissabon. In der portugiesischen Hauptstadt heiratet er am 30. Oktober seine Geliebte Lady Craven. Ihr Mann, Lord William Craven, starb nur einen guten Monat zuvor am 27. September in Lausanne. Am 2. Dezember 1791 schließlich unterzeichnete der Markgraf in Bordeaux die Abdankung. Das Fürstentum Ansbach war somit offiziell preußisch.

Pferde als „Lieblingsspielzeug“

Wie wichtig dem Markgrafen Pferde waren, zeigt folgender Sachverhalt. Als die Reisegesellschaft in Ostende ankommt, den damaligen Österreichischen Niederlanden, (Belgien gab es damals noch nicht), schickt Alexander seinen Stallmeister Johann Wilhelm von Mardefeld zurück nach Triesdorf, um dort seine Pferde zu holen. Natürlich hat Mardefeld aber auch noch einen anderen Auftrag: er soll das Bargeld aus dem Schatullvorrat und das fürstliche Guthaben bei der Bank in Ansbach auf ein Konto bei einer englischen Bank in Ostende überweisen. Insgesamt 230.000 Gulden. Eine gewaltige Summe!

Stallmeister von Mardefeld - Markgrafen von Ansbach Foto: Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung
Das Bild vom jungen Mardefeld als Stalljunge mit einem Schimmel befindet sich im Markgrafen-Museum zu Ansbach. Foto: Jim Albright

Pferde waren Alexanders großes Hobby. Insgesamt 500 Pferde unterhält der Hochfürstliche Marstall, 26 davon gehen nach England. Im Jahr 1793 kauft der Privatier, jetzt Baron genannt, nördlich von London ein Gut und gründete ein Gestüt zur Zucht von Rennpferden. Im Dezember 1791 schon erwirbt der Regent in Ruhestand von Ansbach-Bayreuth ein Anwesen an der Themse bei Hammersmith ganz in der Nähe von London, 1798 dann kauft er Schloss und Gut Benham von dem ältesten Sohn seiner Frau Elizabeth, seit 1793 von Kaiser Franz II. von Habsburg zur „Fürstin von Berkeley“ erhoben.

Am 5. Januar 1806 stirbt nach kurzer Krankheit, einer „die Lunge betreffenden Krankheit“, Markgraf Christina Friedrich Carl Alexander auf Schloss Benham. Heute noch erinnert eine Gedenktafel in der St. Mary´s Kirche von Speen, nahe Newbury, http://www.stmarysspeen.org.uk/index.asp an den „Margrave of Brandenbourgh, Anspach and Bareith“.      

CARL-ALEXANDER MAVRIDIS

Quellen:


Heinz Braun, Sommerresidenz Triesdorf, Kallmünz 1958

Susanne Franke, Die Reisen der Lady Craven durch Europa und die Türkei 1785-1786, Trier 1995
Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.), der Fränkische Reichskreis, Augsburg 2003
Friedrich Kapp, Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika, München o. J.

Rüdiger Hachtmann, Tourismus-Geschichte, Göttingen 2007
Elfi Haller, Markgraf Alexander – Frankens letzter Hohenzollernfürst, München 1980
Karl Möckl, Zwischen zwei Kaiserwahlen: die Epoche von 1742 bis 1871, in: Bayern & Preußen, Ausstellungskatalog, Augsburg 1999, S. 63-75

Günther Schuhmann, Markgraf Alexander von Ansbach-Bayreuth und seine Abdankung im Dezember 1791, Triesdorf 1992

Erhard Städtler, Die Ansbach-Bayreuther Truppen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1777-1783, Nürnberg 1956


Arno Störkel, Christian Friedrich Carl Alexander – Der letzte Markgraf von Ansbach-Bayreuth, Ansbach 1995

Arno Störkel, Friederike Louise – Prinzessin in Preußen und Markgräfin von Ansbach, Stegaurach 2018

Günter Tiggesbäumker, Lady Elizabeth Craven Ansbachs letzte Markgräfin 1750-1828, Triesdorf 1994
Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung e.V. (Hg.), Triesdorf in Weidenbach, Gunzenhausen 2013, 2. Auflage

Dieter R. Werzinger, Die zollerischen Markgrafen von Ansbach, Neustadt/Aisch 1993

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