Zum 290. Geburtstag von Markgraf Alexander von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth

TRIESDORF/SPEEN – Am 5. Januar 1806 stirbt auf Schloss Benham in der englischen Grafschaft Berkshire kurz vor seinem 70. Geburtstag der letzte Markgraf von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth, Christian Friedrich Carl Alexander. Markgraf Alexander verkauft 1791 seinen beiden Fürstentümer Ansbach und Bayreuth an das Königreich Preußen und geht mit Lady Elizabeth Craven, seiner früheren Mätresse und jetzigen zweiten Ehefrau, nach England, um dort als Privatier seinen Lebensabend zu verbringen. Vor allem züchtet er dort Pferde. Seine vielleicht größte Leidenschaft.

Porträt von Markgraf Alexander von Ansbach-Bayreuth aus dem neuen Kurhaus von Bad Alexandersbad. Tatsächlich hatte der Fürst einen Sinn für Ökonomie. Als Erbprinz hatte er im sehr fortschrittlichen Holland die Politik des Wirtschaftswachstums kennengelernt. Um den wirtschaftlichen Aufschwung des ehemaligen Kurbades Sichersreuth zu forcieren, wurde dort ein Kurhaus gebaut und das Bad nach ihm umbenannt. Das alte Kurhaus heißt heute Markgräfliches Schloss.
Porträt von Markgraf Alexander von Ansbach-Bayreuth aus dem neuen Kurhaus von Bad Alexandersbad. Tatsächlich hatte der Fürst einen Sinn für Ökonomie. Als Erbprinz hatte er im sehr fortschrittlichen Holland die Politik des Wirtschaftswachstums kennengelernt. Um den wirtschaftlichen Aufschwung des ehemaligen Kurbades Sichersreuth zu forcieren, wurde dort ein Kurhaus gebaut und das Bad nach ihm umbenannt. Das alte Kurhaus heißt heute Markgräfliches Schloss. Foto: Carl-Alexander Mavridis

Markgraf Alexander erlebt noch den Untergang des Fürstentums Ansbach: Am 15. Dezember 1805 fällt Ansbach im Vertrag von Schönbrunn an Frankreich. Denn Preußen tauscht damit das von französischen Truppen besetzte Kurfürstentum Hannover ein – neben Ansbach auch Bayreuth, Kleve und Neuenburg/Schweiz. Einen Tag später fällt das ehemalige Markgraftum Brandenburg-Ansbach an Bayern, das am 1. Januar 1806 zum Königreich aufsteigt.

Für Bayern besetzt am 24. Februar 1806 der französische Marschall Jean-Baptiste Bernadotte, Fürst von Ponte Corvo, das Fürstentum Ansbach. Somit gerät Bernadotte zum Totengräber des Fürstentums Ansbach und wird gleichzeitig zum Geburtshelfer des modernen Bayern. Und das gerade am Geburtstag des Markgrafen Alexander. Bernadotte wird 1818 als Carl XIV. König von Schweden und ist somit Stammvater des heutigen schwedischen Königshauses.

Wer war Markgraf Alexander? Geboren wird Markgraf Christian Friedrich Carl Alexander am 24. Februar 1736 als zweiter Sohn von Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach und seiner Frau Friederike Louise, einer geborenen königlichen Hoheit, nämlich einer Tochter von König Friedrich Wilhelm I. in Preußen und seiner Frau Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg. Nach dem plötzlichen Tod seines älteren Bruders Carl Friedrich August am 9. Mai 1737 in Triesdorf rückt Alexander – so die von ihm selbst gewählte Kurzform seines Namens – zum Erbprinzen des Fürstentums auf. Jetzt erst beginnt die Erziehung Alexanders. Im August 1737 übernimmt die in der „Kinderzucht wohlerfahrenen adelichen Dame“, Frau von Imhof, als Hofmeisterin ihre Aufgabe. Zwei Jahre später kommt eine Sprachmeisterin für Französisch hinzu. Informator, Hauslehrer also, wird Johann Georg Mayer und der Hofkaplan hatte täglich eine Stunde „Christenthum“ zu lehren.

Ausbildung in Holland

Nach einem Plan des Ansbacher Ministers Christoph Ludwig von Seckendorff studiert Alexander in den Jahren 1748 bis 1750 in der holländischen Stadt Utrecht. [Über diese Prinzenreise hat Wolfgang F. Reddig ein Buch geschrieben, welches am Donnerstag, 21. Mai 2026 im Blauen Schloss zu Obernzenn im Rahmen eines Festakts mit Führung und Empfang vorgestellt wird. Beginn ist um 17 Uhr.] https://historischer-verein-mittelfranken.de/#aktuelles  Als junger „Graf von Sayn“ – die Grafschaft Sayn-Altenkirchen im Westerwald fiel bereits 1741 an Ansbach – unternimmt Alexander zum Abschluss seiner Ausbildung eine Reise an den Hof Königs Carlo Emanuele I. von Piemont-Sardinien nach Turin (Carlo Emanuele war gleichzeitig Herzog von Savoyen) und ging anschließend auf Kavalierstour. Die Grand Tour war die „frühneuzeitlichen Keimform des modernen Tourismus“ (Hachtmann 2007).

Ob er sich hier bei einer Liebschaft mit der „venerischen Krankheit“ (Syphillis) angesteckt hat und deswegen impotent, wie es immer wieder heißt? Jedenfalls bleibt Alexander kinderlos – trotz zweier Ehen und einiger außerehelicher Beziehungen. Eine Freundin sogar, Caroline von Beust, heiratet 1755 seinen älteren Halbbruder Friedrich Carl Freiherr von Falkenhausen. Den genauen Grund seiner Kinderlosigkeit allerdings kennen wir bis heute nicht.

Am 22. November 1754 heiratet Markgraf Alexander in Coburg Caroline Friederike von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Diese Ehe kommt allerdings nicht aus Liebe zustande, sondern aus Berechnung. Sein Vater Carl Wilhelm Friedrich lässt diese Heirat einfädeln. Wieder war es der Seckendorff, der ihn schon nach Utrecht brachte.  Für Alexander aber ist seine Braut nicht besonders interessant. Sein Biograf Arno Störkel findet hier harte Worte: „Die Prinzessin war unansehnlich, ungebildet und langweilig“.


Mit dem Tod seines Vaters Carl Wilhelm Friedrich am 3. August 1757 übernimmt Markgraf Alexander in Ansbach die Regierung des Markgrafentums Brandenburg-Ansbach. Ist die Residenz der wichtigsten weltlichen Herrschaft im Fränkischen Kreis Ansbach, so hält sich der Fürst jedoch viel lieber in Triesdorf auf. So schreibt Dr. Günther Schuhmann: „Alexanders Lieblingsaufenthalt war das ländliche Triesdorf, in das er sich gerne und immer häufiger zurückzog, wo er vergleichsweise bescheiden, unbelastet von der höfischen Etikette leben und seiner Jagdleidenschaft frönen konnte.“ Triesdorf war also Jagd- und Landsitz des letzten Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Und Ansbach war der vornehmste weltliche Stand im Fränkischen Reichskreis.

Alexander in Triesdorf

Tatsächlich lässt sich Alexander von seinem Bauinspektor Johann David Steingruber in Triesdorf das Falkenhaus zu seinem Wohnhaus, dem Roten Schloss, umbauen. Ebenso errichtet Steingruber dort den neuen Marstall mit Pferden als Initialenhalter im Giebel, Forst- und Jägerhaus. Für seine Geliebte Hippolyte Clairon erweitert Alexander das Weiße Schloss, für die Geliebte Fräulein Kurz entsteht die Villa Sandrina und Lady Elizabeth Craven genehmigte er gar ein neues Schloss: die Villa Rotunda. Selbst für seinen Leibarzt Dr. Johann David Schoepf lässt er an der Roten Mauer ein eigenes Haus als Dienstwohnung errichten.

Markgraf Alexander zeigt sich aber auch als ein Wirtschaftsförderer – und übernimmt somit die Wirtschaftspolitik seines Vaters Carl Wilhelm Friedrich und seiner Großmutter Christiane Charlotte. 1758 wird die Porzellanfabrik in Ansbach gegründet (1762 verlegt nach Bruckberg), setzt Impulse in der Landwirtschaft durch den Import von Schafen aus Spanien und Frankreich und investiert erhebliche Mittel in den Bau von breiten Straßen, Chausseen genannt, also in den Wirtschaftsverkehr. Auch gründete Alexander im Jahr 1780 seine eigene Bank: die „Hochfürstlich-Brandenburg-Anspach-Bayreuthische Hofbanco“ (heute Teil der italienischen Unicredito aus Mailand).

Das Motiv für die Bankgründung ist einfach: Alexander will das Geschäft mit dem Geld nicht den bis dato führenden jüdischen Bankhäusern überlassen, sondern selbst Kasse machen. Und er machte Kasse: er vermietete Truppen, Soldaten, an den englischen König im Krieg um die englischen Kolonien in Amerika. Als Obrist der Fränkischen Kreistruppen hatte Markgraf Alexander das Kommando über die „fränkische Armee“. Der Soldatenhandel ist ein höchst einträgliches Geschäft. Und dafür wird Alexander zum Privatbankier. Von den Subsidien (Hilfstruppen) und Rekruten in einer Stärke von 1644 Mann kommen nach einer Aufstellung von Friedrich Kapp im Herbst 1783 wieder 1183 Mann zurück.  Später wurden weitere Truppen vermietet, und zwar an Holland. Verwendet werden „die außerordentlichen und zudem auch wohl problematischen Einkünfte“ (Werzinger 1993) besonders zur Schuldentilgung des Fürstentums. Laut den „Bemerkung über das Finanzwesen“ des Ansbacher Ministers Carl Friedrich Reinhard Freiherr von Gemmingen-Guttenberg lagen die Staatsschulden bei Alexanders Regierungsantritt 1757 bei 5 Millionen Gulden, 1790 nur noch bei 1.520.560 Gulden. Somit wendet sich Alexander in Laufe seiner Regentschaft doch ab von der Politik seiner Vorgänger: Weg vom schuldenbasierten Wirtschaftswachstum, hin zu einer nachhaltigen Politik der schwarzen Null.

Abdankung oder Verkauf?

Im Jahr 1791 verkauft Markgraf Alexander schließlich seine beiden Markgraftümer Brandenburg-Ansbach und Bayreuth (1769 fällt Bayreuth an Ansbach) an König Friedrich Wilhelm II. von Preußen. In einem geheimen Vertrag, unterzeichnet am 16. Januar 1791 in Berlin, verzichtee Alexander auf seine Regierung zum Preis von 304.000 Gulden Leibrente pro Jahr („konventionsgemäße Kompetenz“) und der gesamten Schatulle, der „Kasse des abgesonderten Privatvermögens des Markgrafen“ (Werzinger 1993).

Seine Geliebte Lady Craven sichert sich ebenfalls ein Stück des Kuchens. Sie erreicht ein eventuelles Witwengeld in Höhe von jährlich 20.000 Gulden, was sie jedoch nie beziehen soll, da sich nach dem Tod Alexanders Preußen und Bayern um die Zahlungsverpflichtung streiten. Ihr jüngster Sohn Keppel erwirkt später vom Königreich Bayern „gewissermaßen als Wiedergutmachung der vorenthalten Witwenrente“ seiner Mutter, die 1828 in Neapel stirbt, „eine bescheidene Rente“ (Tiggesbäumker 1994).

(Allerdings wurde das Geschäft schon vorher eingefädelt, war doch seit Oktober 1790 Carl August Freiherr von Hardenberg Minister in Ansbach. Und Hardenberg war der Mann Preußens. Ebenfalls wird das private Vermögen des Markgrafen liquidiert und der Erlös ebenfalls nach England transferiert. Etwa das Gut Plein Desir in Weidenbach-Triesdorf aus dem Erbe seiner Mutter Friederike Louise, die bereits 1784 in Unterschwaningen stirbt.) 

Am 18. Februar 1791 stirbt Markgräfin Caroline Friederike in Unterschwaningen. Dort lebte sie mit ihrer Schwiegermutter zusammen und wird von dieser auch in den neu gegründeten Goldenen Adler-Orden aufgenommen, wie ein Bild von Caroline Friederike, welches sich heute auf Schloss Callenberg in Coburg erhalten hat, beweist. https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/bayern/sachsen-coburg-coburg-prinz-von-sachsen-coburg-windsor-schweden-callenberg-ehrenburg-e401683/?reduced=true Und am 19. Mai desselben Jahres verläßt Markgraf Alexander von Triesdorf aus seine fränkischen Lande still und leise in Richtung England über Ostende und Lissabon. In der portugiesischen Hauptstadt heiratet er am 30. Oktober seine Geliebte Lady Craven. Ihr Mann, Lord William Craven, starb nur einen guten Monat zuvor am 27. September in Lausanne. Am 2. Dezember 1791 schließlich unterzeichnete der Markgraf in Bordeaux die Abdankung. Das Fürstentum Ansbach war somit offiziell preußisch.

Pferde als „Lieblingsspielzeug“

Wie wichtig dem Markgrafen Pferde waren, zeigt folgender Sachverhalt. Als die Reisegesellschaft in Ostende ankommt, den damaligen Österreichischen Niederlanden, (Belgien gab es damals noch nicht), schickt Alexander seinen Stallmeister Johann Wilhelm von Mardefeld zurück nach Triesdorf, um dort seine Pferde zu holen. Natürlich hat Mardefeld aber auch noch einen anderen Auftrag: er soll das Bargeld aus dem Schatullvorrat und das fürstliche Guthaben bei der Bank in Ansbach auf ein Konto bei einer englischen Bank in Ostende überweisen. Insgesamt 230.000 Gulden. Eine gewaltige Summe!

Stallmeister von Mardefeld - Markgrafen von Ansbach Foto: Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung
Das Bild vom jungen Mardefeld als Stalljunge mit einem Schimmel befindet sich im Markgrafen-Museum zu Ansbach. Foto: Jim Albright

Pferde waren Alexanders großes Hobby. Insgesamt 500 Pferde unterhält der Hochfürstliche Marstall, 26 davon gehen nach England. Im Jahr 1793 kauft der Privatier, jetzt Baron genannt, nördlich von London ein Gut und gründete ein Gestüt zur Zucht von Rennpferden. Im Dezember 1791 schon erwirbt der Regent in Ruhestand von Ansbach-Bayreuth ein Anwesen an der Themse bei Hammersmith ganz in der Nähe von London, 1798 dann kauft er Schloss und Gut Benham von dem ältesten Sohn seiner Frau Elizabeth, seit 1793 von Kaiser Franz II. von Habsburg zur „Fürstin von Berkeley“ erhoben.

Am 5. Januar 1806 stirbt nach kurzer Krankheit, einer „die Lunge betreffenden Krankheit“, Markgraf Christina Friedrich Carl Alexander auf Schloss Benham. Heute noch erinnert eine Gedenktafel in der St. Mary´s Kirche von Speen, nahe Newbury, http://www.stmarysspeen.org.uk/index.asp an den „Margrave of Brandenbourgh, Anspach and Bareith“.      

CARL-ALEXANDER MAVRIDIS

Quellen:


Heinz Braun, Sommerresidenz Triesdorf, Kallmünz 1958

Susanne Franke, Die Reisen der Lady Craven durch Europa und die Türkei 1785-1786, Trier 1995
Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.), der Fränkische Reichskreis, Augsburg 2003
Friedrich Kapp, Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika, München o. J.

Rüdiger Hachtmann, Tourismus-Geschichte, Göttingen 2007
Elfi Haller, Markgraf Alexander – Frankens letzter Hohenzollernfürst, München 1980
Karl Möckl, Zwischen zwei Kaiserwahlen: die Epoche von 1742 bis 1871, in: Bayern & Preußen, Ausstellungskatalog, Augsburg 1999, S. 63-75

Günther Schuhmann, Markgraf Alexander von Ansbach-Bayreuth und seine Abdankung im Dezember 1791, Triesdorf 1992

Erhard Städtler, Die Ansbach-Bayreuther Truppen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1777-1783, Nürnberg 1956


Arno Störkel, Christian Friedrich Carl Alexander – Der letzte Markgraf von Ansbach-Bayreuth, Ansbach 1995

Arno Störkel, Friederike Louise – Prinzessin in Preußen und Markgräfin von Ansbach, Stegaurach 2018

Günter Tiggesbäumker, Lady Elizabeth Craven Ansbachs letzte Markgräfin 1750-1828, Triesdorf 1994
Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung e.V. (Hg.), Triesdorf in Weidenbach, Gunzenhausen 2013, 2. Auflage

Dieter R. Werzinger, Die zollerischen Markgrafen von Ansbach, Neustadt/Aisch 1993

Die Poetische Reisebeschreibung des Prinzen Alexander von Triesdorf nach Utrecht

TRIESDORF/ANSBACH – Der Gründer des Historischen Vereins für Mittelfranken, Carl Heinrich Ritter von Lang, erwähnt in seinem Aufsatz aus dem Jahr 1833 „Ansbachs Jubeljahre oder wie hat Ansbach, Stadt und Land, vor etwa hundert Jahren ausgesehen?“ den „Reiseprediger Wolfshofer, nachher Consistorialrath und Dechant zu Crailsheim, dessen poetische Reisebeschreibung unter dem Titel: >Vermischte Gedanken oder so nützlich als belustigende Reisebeschreibung eines Durchlauchtigsten Prinzen<, in Handschrift noch vorhanden ist.“

Im Jahr 1979 kommt Adolf Lang, Stadtarchivar in Ansbach und insgesamt Franken-Kenner, auf die Idee, die Veröffentlichung der „Poetische Reyße Beschreibung des Durchlauchigsten Herrn Erb Prinzens nach Utrecht von H. Wolshofer“ in die Hand zu nehmen, was er in einer Fußnote seines Buchs Falkenjagd in Gunzenhausen auch öffentlich ankündigt.

Es war Rainer Graf von Seckendorff-Aberdar zu Obernzenn, der Adolf Lang das Manuskript der Gedichtssammlung zur Verfügung stellte. Deshalb ist es Seckendorff zu verdanken, dass der Historische Verein für Mittelfranken das Vorhaben jetzt zum Abschluss brachte, indem er bei Jahreshauptversammlungen des Vereins immer wieder an das Vorhaben erinnerte – und somit erheblichen Druck ausübte. Langs Nach-Nachfolger im Amt als Stadtarchivar von Ansbach, Dr. Wolfgang F. Reddig, hat sich an diese Arbeit gewagt und die Reisebeschreibung endlich samt Kommentar und Erklärung als Buch vorgelegt.

Die Bedeutung dieser Reisebeschreibung liegt in der Tatsache begründet, dass damit bewiesen ist, dass Markgraf Carl seinem Sohn Alexander von der Qualität seiner eigenen Falknerei zu Triesdorf und Gunzenhausen überzeugen wollte. Und dies im Vergleich mit einer anderen bedeutenden Falknerei.
So schreibt Adolf Lang: „Vielleicht kennzeichnet es am besten die Falken-Euphorie um Carl Wilhelm Friedrich, wenn man ein Gedicht hört, das der ansbachische >Reiß-Prediger Friederich Wilhelm Wohlßhoffer< schrieb, als er mit dem Erbprinzen Alexander 1749 das Schloß Falkenlust des Kurfürsten Clemens August von Köln besuchte:

Hillo!

Kommt Musen und räumet die schattigsten Wälder!

Verlaßet die Berge, die Thäler und Felder!

Hier jägt man in Lüften durch Wolcken und Wind!

Die streitende Thiere, die fechtenden Waffen,

Vermögen viel Tausend Vergnügen zu schaffen,

Weil Jäger und Wildpret in Freyheit hier sind.

Dies Falcken Lust weiß es, dies prächtige Gebäude;

Es redet vom Kriege, es meldet vom Streite

Der Falcken, der Reyher, bald anderst, bald so:

Hillo! Hillo!

Hillo!

Mein Falcken Lust! gönne, vergönne die Freude;

Wir segnen dich zweymal, wir dencken an heute

Mit tausend Vergnügen nach Anspach zurück.

Die Heymat der Falcken; der Krähen, Milanen,

Der Reyher, der Sperber, der Hühner, Faßanen,

Und meistens der Haaßen so flüchtiges Glück.

Da pflegt man mit Paucken, trompetend zu schmaußen,

In Uffenheim, Röcking, im Rieß, Gunzenhausen;

Ach Falcken Lust! glaube! man findets nicht so!

Hillo! Hillo!

Hillo!

Du bist zwar ein Wunder mit Falcken zu prangen,

Doch lob ich die Häußer, doch rühm ich die Stangen,

Womit man in Anspach die Tauben offt reizt:

Wer hat so wie Carol, der Ruh nicht zu pflegen

In Hitze, in Kälte, im Schnee und im Regen,

So vieles, so lang und beständig gebaizt?

Es lebe die Falcken Lust! Hillo! ihr Felder!

Es lebe mein theurer Fürst! Hillo! ihr Wälder!

Es lebe mein schönster Prinz! Hillo! So! So!

Hillo! Hillo!

Angesichts des berühmten Schlosses Falkenlust in Brühl dachte der Reiseprediger also an die Heimat, belehrte seinen Schützling, den späteren letzten Markgrafen von Ansbach, über die Qualität der Falkenjagd in Ansbach, worunter natürlich hier das gesamte Fürstentum zu verstehen ist.”

Acht Jahre vor dem Besuch des Erbprinzens Alexander war Markgraf Carl selbst bei Kurfürst Clemens August zu Besuch (15. Oktober 1741). Er wusste also aus eigener Anschauung in etwa, was sein Sohn dort sehen würde, als er ihn dort hinschickte.

Wer war nun Kurfürst Clemens August? „Clemens August (1700-1761) aus dem Hause Wittelsbach, Kurfürst und Erzbischof von Köln, zugleich Fürstbischof von Hildesheim, Münster, Osnabrück und Paderborn und Hochmeister des Deutschen Ordens, war ohne Zweifel einer der bedeutendsten und passioniertesten Jäger des 18. Jahrhunderts.“, so Horst-Rüdiger Jarck in seinem Aufsatz „Repräsentation – sportliches Vergnügen – bäuerliche Last. Die Jagd des Bischofs Clemens August (1700-1761) im Hümmling.“

So ist es nicht verwunderlich, dass Arno Störkel in seinem Beitrag „Der Fürst mit dem Falken – Zur Einordnung des einzigen Falkenbildes des Markgrafen Carl“ den Kurfürsten Clemens August als Vergleich heranzieht.

Carl-Alexander Mavridis

Literatur:

Horst Rüdiger Jarck, Repräsentation – sportliches Vergnügen – bäuerliche Last. Die Jagd des Bischofs Clemens August (1700-1761) im Hümmling, in: Die Jägerey im 18. Jahrhundert, hg. von der Arbeitsstelle Achtzehntes Jahrhundert, Bergische Universität Gesamthochschule Wuppertal (Hg.), Heidelberg 1991 (=Beiträge zur Geschichte des Literatur und Kunst des 18. Jahrhunderts, Band 11), S. 69-79

Adolf Lang, Falkenjagd in Gunzenhausen, Gunzenhausen 1979

Karl Heinrich Ritter von Lang, Geschichte des vorletzten Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, Ansbach 1848

Wolfgang F. Reddig, Die Prinzenreise Alexanders von Brandenburg-Ansbach 1748-1750. Edition des „Poetischen Reisebeschreibung“ des Reisepredigers Friedrich Wilhelm Wolfshofer, Ansbach 2025 (= Mittelfränkische Studien Band 29)

Arno Störkel, Der Fürst mit dem Falken – Zur Einordnung des einzigen Falkenbildes des Markgrafen Carl, in: Die Falkenjagd des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, hg. vom Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V., Triesdorf 2018 (= Triesdorfer Heft Nr. 10), S. 31-37

Musik am Hof Albrecht Ernsts II. von Oettingen-Oettingen

Von Günther Grünsteudel

Im Sommer 1730 erhielt das Haus Oettingen-Oettingen noch einmal hohen Besuch: König Friedrich Wilhelm I. von Preußen war mit seinem ältesten Sohn, Kronprinz Friedrich, samt großem Gefolge auf einer diplomatischen Reise an deutsche Fürstenhöfe. Die südlichsten Ziele lagen in Franken und Württemberg.

 Albrecht Ernst  II. von Oettingen-Oettingen
Wikipedia: Albrecht Ernst II. von Oettingen-Oettingen

Von der markgräflich ansbachischen Sommerresidenz Triesdorf kamen die illustren Gäste am 30. Juli für einen Abstecher nach Hohenaltheim, wo sich Fürst Albrecht Ernst zu der Zeit aufhielt. Ständiger Reisebegleiter des Königs war der kaiserliche Gesandte in Berlin, Friedrich Heinrich Graf von Seckendorff, durch dessen Reisetagebuch [Reisejournal des Grafen Seckendorff: https://library.hungaricana.hu/en/view/Mosta_10/?pg=204&layout=s ] wir bestens über den Hohenaltheim-Aufenthalt unterrichtet sind. Letzter war wohl in erster Linie >touristisch< motiviert, wollten die Gäste doch am folgenden Tag das Schlachtfeld bei Donauwörth und die Sehenswürdigkeiten der Reichsstadt Augsburg besuchen und benötigten daher ein Nachquartier.

Am ersten Abend begab man sich, trotz gedeckter Abendtafel, ohne zu speisen zur Ruhe, am zweiten Abend sogleich nach derselben. Erst am Abreisetag, dem 1. August, fand man sich gegen 11 Uhr zu einem ausgedehnten Frühstück zusammen, das sich so inspirierend gestaltete, „daß sich die Abreise bis nach zwey uhr nachmittags verzoge“. Nicht weniger als 180 Personen galt es zu verköstigen.

Unter den Anwesenden waren neben dem König, dem Kronprinzen, dem Grafen Seckendorff und dem Fürstenpaar auch Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, Albrecht Ernsts Schwager Herzog Ludwig Rudolf zu Braunschweig und Lüneburg und dessen Gemahlin Christine Luise sowie Johann Aloys I. zu Oettingen-Spielberg. Dass der >Vetter< aus dem Haus Oettingen-Wallerstein fehlte, dürfte darauf zurückzuführen gewesen sein, dass ersich wohl wie gewöhnlich in Wien aufhielt.

Aus: Günther Grünsteudel, Musik am Hof der Grafen und Fürsten zu Oettingen-Oettingen 1463/64-1731. Ein Beitrag zur Musik- und Kulturgeschichte in Süddeutschland, Friedberg 2024, S. 190f.

Das Reisejournal des Grafen Seckendorff ist online einsehbar. https://library.hungaricana.hu/en/view/Mosta_10/?pg=204&layout=s Besten Dank für den Hinweis an Christian Mantsch, Bibliotheksleiter der Staatlichen Bibliothek (Schlossbibliothek) Ansbach https://www.schlossbibliothek-ansbach.de/start/

Falkenjunge mit der Cage und den zwölf Gerfalken

ANSBACH/AUGSBURG – Das Markgrafenmuseum Ansbach zeigt in seiner Ausstellung mit dem Falkenjungen mit der Cage und den zwölf Gerfalken des Ansbacher Hofmalers Christoph Anton Hirsch ein bedeutendes Falkengemälde des 18. Jahrhunderts. In seinem Beitrag über den Künstler stellt Martin Krieger in „Die Ansbacher Hofmaler des 17. und 18. Jahrhunderts“ das Gemälde in eine Reihe mit dem „Bildnis der Dame mit dem Falken von Bartholomäus van der Helst in Schloss Pommersfelden oder mit der Entenjagd von Pietro Longhi in der Pinakothek Querini-Stampalia zu Venedig“ (Ansbach 1966, S. 266).

Der Falkenjunge in Grün mit der Cage und den zwölf Gerfalken des Ansbacher Hofmalers Christoph Anton Hirsch im Hotel Maximilian’s zu Augsburg. Foto: Tobias Hirsch

Jetzt hat Arno Störkel aus Würzburg im Bestand des historischen Gasthofs Drei Mohren zu Augsburg (heute Hotel Maximilian`s) ein Gegenstück zu diesem Falkenbild identifiziert, welches bislang dort unbekannt bezeichnet in der Paganini-Suite 301 hing – und der hochwertigen Dekoration dient. https://www.hotelmaximilians.com/hotel/zimmer-suiten

Während der Falkenjunge zu Ansbach einen blauen Rock trägt, ist der Falkenjunge zu Augsburg in Grün gemalt. Es handelt sich also um dasselbe Bild in Grün. Der Falkenjunge mit der Cage und den zwölf Gerfalken diente darüber hinaus auch als Vorlage für die Fayencefliesen im früheren Gartenhaus des Hofgartens Gunzenhausen (heute Haus des Gastes) und wahrscheinlich auch für den berühmten Kupferstecher Johann Elias Ridinger für seinen Stich Falkner zu Fuß mit Katsche und sechs Falken, welcher sich heute im Bundesbesitz befindet. https://kunstverwaltung.bund.de/SharedDocs/Provenienzen/DE/6000_6999/6201.html Ridinger hatte seine Werkstatt mit angeschlossenem Verlag in Augsburg.

Christoph Anton Hirsch war Hofmaler des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach (1712-1757). Hirsch wurde geboren im Jahr 1707 in Ellingen, Sitz der Deutschordensballei Franken, und starb am 9. April 1760 an einem Herzschlag. Nach dem Tod seines Auftraggebers Carl Wilhelm Friedrichs konnte es sich nicht mehr am Hof halten, ganz im Gegensatz zu seinem wesentlich jüngeren Kollegen Johann Wilhelm Conrad Liebhard. Neben dem Verlust seiner Arbeit 1757 musste es auch noch den Verlust seiner Mutter 1759 hinnehmen. Es starb mit 52 Jahren und liegt begraben auf dem Heilig-Kreuz-Friedhof zu Ansbach.

Arno Störkel schreibt in „Fürstliche Jagd im barocken Franken“ über die Falkenjagd des Markgrafen in Triesdorf und Gunzenhausen: „Im ansbachischen Fürstentum hingegen spielte sie [die Falkenjagd im Gegensatz zum Fürstentum Bayreuth] fast drei Jahrzehnte lang eine geradezu dominierende Rolle. Carl Wilhelm Friedrich (unhistorisch, aber sicher zu Recht der Wilde Markgraf genannt), hatte bereits ein Jahr nach seinem Regierungsantritt ein volles Hundert Falken im Dienst. Er wurde charakterisiert als ein Mann, den man den ganzen Tag mit dem Falken auf der Hand sah; er beschäftigte ein halbes Hundert Mann – inklusive eines Falkenmalers [sogar zwei: neben Hirsch noch Liebhard] – allein für sein Hobby und ließ es sich über 50.000 fl. (Gulden) im Jahr kosten.“ (Bayreuth 2012, S. 7). http://www.verlag-rabenstein.de/parforce.pdf

Tatsächlich veranstaltete der Markgraf zu Ehren des Besuchs seines Schwiegervaters König Friedrich Wilhelm I. in Preußen samt seines Schwagers, des Kronprinzen Friedrich – später Friedrich II. „der Große“, – am 29. Juli 1730 eine Festinfalkenjagd zu Triesdorf mit anschließender Übernachtung. Dafür wurden eigens für die große Entourage des Königs zusätzliche Betten aus Gunzenhausen geliefert: „Als sich Fürst und Hofstaat im Sommer [zusammen mit der königlichen Reisegesellschaft] nach Triesdorf begeben, muss ein Ratsherr bei hiesigen Bürgern um leihweise Überlassung von Betten zur Unterbringung der Herrschaften nachsuchen.“ Immerhin gehen im Juli 17 Betten von Gunzenhausen nach Triesdorf. (Werner Mühlhäußer u. a., Gunzenhausen – Fürstliche Residenz unter Markgraf Carl Wihelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach [reg. 1729-1757], Gunzenhausen 2007, S. 72).

Carl-Alexander Mavridis

Literatur: Adolf Lang, Falkenjagd in Gunzenhausen. Fayencenfliesen aus der Zeit des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, Gunzenhausen 1979; Stiftung Hessischer Jägerhof (Hg.), Die Tierdarstellungen von Johann Elias Ridinger, Darmstadt 1999, (Ausstellungskatalog), Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V. (Hg.) Die Falkenjagd des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach , Triesdorf 2018 (=Triesdorfer Heft Nr. 10)

Warum war Händel in Ansbach?

Georg Friedrich Händel in London und in Ansbach

Bis heute stellt sich die Frage, was Händel 1716 in Ansbach machte. Denn Georg Friedrich Händel war ja Komponist für den englischen Königshof in London.

Bislang wird folgendes Narrativ verwendet: „König Georg war nicht gern in England. Er benutze denn auch die gelungene Niederwerfung des Jakobitenaufstandes in Schottland als Anlaß, um mit seinem Gefolge am 7. Juli 1716 nach Hannover zu reisen. Händel folgte ein oder zwei Tage darauf. In Hannover gab’s für ihn wenig zu tun. Der König hatte nicht viel Zeit für Musik….Noch einmal besuchte er Mutter und Schwester in Halle und half der Witwe seines einstigen einstigen Lehrers Zachow aus der Not. Dann reiste er nach Ansbach, wo Johann Christoph Schmidt, ein alter Freund und Musikgenosse Händels aus der Universitätszeit, als Wollwarenhändler lebte. Händel nahm ihn kurzerhand mit nach England. Er blieb als Mr. Smith Händels Freund und Faktotum auf Lebenszeit, besorgte Händels Geschäfte, schrieb seine Manuskripte ab und verwahrte die Werke.“ (Müller-Blattau 1959, S. 50)

Dabei wird aber die Tatsache übersehen, dass Ansbach in der Karriere Händels am englischen Hof eine entscheidende Rolle spielt. Denn mit dem Tod der Königin Anne 1714 wurde der Kurfürst von Hannover aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg zugleich in Personalunion König von England und Großbritannien. Bei seinem Regierungsantritt verdoppelte der neue König Georg I. das Gehalt Händels auf 400 Pfund, obwohl sich Georg I. nichts aus Musik machte, allgemein sogar die Entlassung Händels aus königlichen Diensten erwarten worden war. Weitere 200 Pfund erhielt er zusätzlich als Hauslehrer für die beiden Prinzessinnen.


Diese Zulage erhielt Händel auf persönlichen Wunsch der Kronprinzessin Caroline, der Princess of Wales und geborenen Prinzessin von Ansbach. „Wilhelmine Caroline (1683-1737), Tochter des Ansbacher Markgrafen Johann Friedrich, heiratete 1705 den kurbraunschweigischen Kurprinzen Georg August, der durch die englische Erbfolge 1714 Kronprinz und 1727 als Georg II. König von Großbritannien wurde.“ (Störkel 1995, S. 27)

Es wäre also ein zu großer Zufall, wenn beide Ereignisse – finanzieller Aufstieg in London und Fahrt nach Ansbach – nicht in Verbindung zueinander stehen sollten. Es ist also davon auszugehen, dass die künftige Königin Caroline es war, die den Musiklehrer ihrer Kinder in ihre alte Heimat schickte. Oder vielmehr lockte. Dort nämlich, in der Haupt- und Residenzstadt Ansbach, lebte der Bruder der englischen Kronprinzessin, Markgraf Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach mit seiner Frau Christiane Charlotte, einer geborenen Prinzessin von Württemberg.

Christiane Charlotte und ihr Sohn Carl Wilhelm Friedrich. Das große Staatsportrait des Ansbacher Malers Johann Peter Feuerlein (*12. 10. 1668 Boxberg — 16. 9. 1728 Ansbach) ist heute im Fürstenstand der Hofkirche Unterschwaningen zu sehen.
Christiane Charlotte und ihr Sohn Carl Wilhelm Friedrich. Das große Staatsportrait des Ansbacher Malers Johann Peter Feuerlein (*12. 10. 1668 Boxberg — 16. 9. 1728 Ansbach) ist heute im Fürstenstand der Hofkirche Unterschwaningen zu sehen.

Ansbach hatte ursprünglich ein bedeutendes Opernhaus mit einer Sommerbühne zu Triesdorf, dem Heckentheater, als Endpunkt des Langen Gangs, der Flaniermeile. Das neue Opernhaus zu Ansbach wurde im Jahr 1697 vom Hofbaumeister Gabriel de Gabrieli fertiggestellt und mit der Oper Il Narciso (2008 an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien GmbH konzertant aufgeführt wurde https://muk.ac.at/veranstaltung/il-narciso-1.html – vom Ansbacher Hofkapellmeister Francesco Antonio Pistocchi eingeweiht worden.

Gewidmet war die Oper der Kurfürstin Sophia Charlotte von Brandenburg-Preußen, wie der eigens dafür gedruckte Programmzettel stolz betont (freundlicher Hinweis von Silvia Martina Möwes). Sie war die Frau von Kurfürst Friedrich Wilhelm, dem späteren König in Preußen, und war eine geborene Herzogin von Braunschweig-Lüneburg. Heute wird die Partitur der Oper Pistocchis in der Königlichen Sammlung des Britischen Museums zu London verwahrt (freundlicher Hinweis von Barbara Eichner).

Die Noten wurden in Ansbach selbst nicht mehr gebraucht. Mit der Heirat des Markgrafen Wilhelm Friedrichs 1709 mit seiner Frau Christiane Charlotte verschoben sich die Gewichte. Statt des Opernhauses zu Ansbach wurde nun für den Hofgarten eine Orangerie benötigt. Die Hofmusik zu Ansbach wurde aufgelöst, der große Violinist Johann Georg Pisendel machte nicht in Ansbach Karriere, sondern am Hofe Augusts des Starken zu Dresden.

Schließlich war die Mutter von Markgraf Wilhelm Friedrich und Königin Caroline die geborene Herzogin Eleonore Erdmuthe Louise von Sachsen-Eisenach und in zweiter Ehe verheiratet mit dem Kurfürsten Johann Georg IV. von Sachsen. Nach seinem Tod 1694 wurde sein Bruder Friedrich August neuer Kurfürst, seit 1697 zusätzlich König in Polen.

Jetzt scheint die Sache klar zu sein: Händel holte in Ansbach die Noten ab. Den Rest des Bestands – wobei wahrscheinlich schon Pisendel vorher Noten zu Johann Sebastian Bach nach Weimar brachte – nahm sein Sekretär Johann Christoph Schmidt mit. Und dankte seiner Mäzenatin Königin Caroline, indem er ihr ein Jahr später, 1717, seine Wassermusik widmete.

So stellt Eugen Schöler in seinem Aufsatz „Caroline, die englische Königin aus Franken“ fest: „Nachhaltig hat Caroline den berühmten Komponisten Georg Friedrich Händel gefördert (dessen Privatsekretär Schmidt übrigens aus Ansbach stammte). Sie setzte ihm ein Jahresgehalt aus und erhöhte es, als er ihren Kindern Musikunterricht erteilte. Händel dankte seiner königlichen Gönnerin, indem er zur Krönung von Georg und Caroline 1727 die „Anthems“ komponierte; und seine weltbekannte „Wassermusik“ hat er ihr persönlich gewidmet.“ (=Sonderdruck Nr. 3 des Vereins der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V., Triesdorf 1988, S. 14)

Der Schranck II der Hofkapelle zu Dresden von Martina Silvia Möwes

Die große Fülle des Aufführungsmaterials der Dresdner Hofkapelle wurde unter Schranck II mit Lage und Fach katalogisiert. Zu jener Zeit war Johann Georg Pisendel 1712 als 1. Premier Violinist und ab 1728 bis zu seinem Tod als Konzertmeister tätig. Er war verantwortlich für die gesamte Instrumentalmusik und deren Repertoire in Kirche und Kammer. Im Opernbereich wirkte er als Orchesterleiter für Proben und Aufführungen. Pisendel führte in den Streichergruppen gleiche Bogenstriche und Artikulationen ein. Und er  lehrte in der Musizierweise auch den vermischten Stil, der sich aus dem italienischen und dem französischen zusammensetzte. So gelang ihm eine noch differenzierte Ausdrucksweise der Musikwerke. Sein Violinspiel gestaltete sich unter Anwendung der neuen Musizierweise außergewöhnlich. Über Jahrzehnte prägte Johann Georg Pisendel so das Musikgeschehen am Dresdner Hof.

Das erhaltene Repertoire, welches jetzt in der Sächsischen Landesbibliothek (SLUB) zu finden ist, zeigt, daß er hie und da bei Fremdkompositionen Änderungen vornahm wie z. B. Strichkombinationen einfügte oder Gestaltungselemente wie forte und piano hinzufügte. Gegebenenfalls komponierte er auch ganze Stimmen neu hinzu. Für die nun folgende Violinsonate von Pisendel gibt es keine Signatur, da sie sich aus 3 Faksimiles zusammensetzt. Das Arbeitsfacsimile steht unter: Mus.2421-R-1 und hat nur 3 Sätze. Das nächste Facsimlie steht unter der Signatur: Mus.2421-R-5 und enthält 4 Sätze.Am Rande findet man Änderungen, die von Pisendel stammen. Das letzte Faksimile steht unter der Signatur: Mus.2421-R-6 und wurde in Schönschrift von Morgenstern kopiert. Leider sind auch hier nur 3 Sätze abgeschrieben.

Konzert der Freiberger Klang-Juwelen in der Hofkirche Weidenbach mit Musik von Johann Georg Pisendel
Die Freiberger Klang-Juwelen in der Hofkirche Weidenbach Foto: Kerstin Kerschbaum

Als Lehrer und Orchestererzieher garantierte er die hohe Qualität der Dresdner Hofkapelle. Das gesamte Aufführungsmaterial aus seiner Zeit ermöglicht Einsicht in die Orchesterpraxis, die vom Friedrich II. am Berliner Hof nachgeahmt wurde. Die Protagonisten am Berliner Hof waren zum größten Teil seine Schüler wie Johann Gottlieb Graun als Konzertmeister und Orchesterleiter, sowie dessen Nachfolger Benda. Carl Heinrich Graun als Kapellmeister, Opernkomponist und Flötenmeister, und Kammerkomponist Johann Joachim Quantz. 1754 schreibt Quantz in seiner Autobiografie, dass er von Pisendel das meiste profitiert habe. Auch berichtet er in seinem Buch: „Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen“, das über die reine Flötenschule weit hinaus ging, über die Praxis der Dresdner Hofkapelle, dem Unterricht in der Aufführungskunst der Musik und der Setzkunst bei Pisendel.

Johann Georg Pisendel: Sonate für Violine und Baß

In der SLUB liegt eine Sonate, die fälschlicherweise im Außenblatt als Violinsonate gekennzeichet ist, aber einleitend vom Komponisten als Sonate für Traverso festgelegt wurde. Carl Heinrich Graun und sein Bruder Johann Gottlieb Graun lernten beide an der Dresdner Keutzschule, aber nur einer hatte Violinunterricht bei Pisendel, der späere Konzertmeister der Berliner Hofkapelle Johann Gottlieb Graun.

Die nun folgende Flötensonate von Carl Heinrich Graun stand unter der Signatur: Mus.2474-R-10 als Violinsonate. Diese wurde in Mus.2958-R-1 geändert, als man erkannte, daß diese von einer Flöte zu spielen sei.  ( entstanden zw.1740 und 1755)

Carl Heinrich Graun: Sonate für Flöte und Baß

Pisendel begann seine Laufbahn in der Musik als Kapellknabe am Ansbacher Hof. Damals hörte ihn der Markgraf Georg Friedrich der Jüngere ( 1694-1703) während eines Gottesdienstes 1697 auf der Orgelempore singen, und seinen Vater an der Orgel begleiten. Er berief ihn als Kapellknabe an seinem Hof zu kommen. Pisendel war gerade mal 9 Jahre alt.

Ein Jahr später wurde Georg Heinrich Bümler als Altist und Kammermusikus nach Ansbach berufen. Ob sich beide kennenlernten, bleibt dahingestellt, denn Bümler war 19 Jahre älter als Pisendel.

Pisendel ließ seine Stimme bis zum Stimmbruch von Pistocchi schulen und Torelli unterrichtete ihn auf der Violine. Als fleißiger Schüler erreichte er bald den Stand, daß er in die Ansbachiche Hofkapelle aufgenommen werden konnte. Er lernte immer weiter und begab sich dann eines Tages wie viele vor ihm auf Reisen. In Leipzig war man zuerst sehr skeptisch, was so ein junger Mensch wohl auf der Violine spielen könnte. Aber sein Violinspiel begeisterte und er erntete viel Beifall. So hörte ihn auch der Konzertmeister von der königlichen Hofkapelle in Dresden und riet ihm, dorthin zu kommen. Vom Premier Violinist zum Konzertmeister der Dresdner Hofkapelle wurde sein Aufgabenbereich enorm vergrößert.

Unter dem umfangreichen Material, daß unter seiner Leitung angeschafft und gespielt wurde, befindet sich auch eine Abschrift von einer Violinsonate von Georg Heinrich Bümler aus einem Manuskript unter der Signatur: Mus.2524-R-1. Sie ist als frühe Handschrift Pisendels gekennzeichnet und auf die Enstehung zwischen 1700 und 1715 datiert. In einer zeitlich naheliegender Biografie wird über Bümlers Kompositionsstil berichtet.

Er sei von Leichtigkeit und Deutlichkeit geprägt und von der Harmonie sei sein Satz rein. Es wird weiter berichtet, daß unter Leitung des Hofkapellmeisters Bümler die Ansbacher Hofmusik eine weitere Blütezeit erlebte. In jener Zeit entstand auch eine  „Correspondierende Societät der musikalischen Wissenschaften“, in der die musikalischen Ausdrucksmittel der zu erweckenden und dämmenden menschlichen Leidenschaften erörtert wurden. Telemann, Bach, Händel, C.H. Graun waren einige ihrer Mitglieder. Heinrich Bümler war federführend und Georg Mizler der Initiator. Ihre Erkenntnisse wurden in der „musikalischen Bibliothek“ von Mizler 1739-1742 veröffentlicht.

Georg Heinrich Bümler: Sonate für Violine und Baß 

Wilhelm Graf zu Schaumburg-Lippe, der 1748 seinem Vater als Regent des kleinen Territoriums gefolgt war, zeigte sich von der königlichen Hofmusik am Hofe Friedrichs II. stark beeindruckt und fasste den Entschluß, in seiner Residenz diesem Vorbild nachzueifern.

So warb er um Musiker, die dem Ruf als „hochgräflich Schaumburg- Lippischer Cammer-Musicus“ folgen würden. Einer davon war Johann Christoph  Friedrich Bach. 1750 bekam er eine Anstellung als Hofmusiker in Bückeburg, wo er sich dem Stil der am Hofe gespielten Musik aneignen konnte. Kompositionen aus dieser Zeit sind bis heute nicht überliefert.

Als 1767 Telemann in Hamburg starb, unternahm Johann Christoph Friedrich Bach den Versuch, seine Stellung in Bückeburg gegen eine bessere Stelle zu tauschen und bewarb sich als Musikdirektor auf die Telemannische Stelle. Bei der Vergabe traf er aber auf seinen Halbbruder Carl Philipp Emanuel, dem diese Stelle zugesprochen wurde. Dies ergab keine Trübung brüderlicher Beziehungen, sondern einen verstärkten Kontakt im Austausch von Anregungen und Kompositionen.

Aus dieser Zeit muss die nun folgende Komposition stammen, die Eingang in die Sammlung  „ Musikalisches Vielerley“ von Carl Philipp Emanuel Bach 1770 fand. Johann Christoph Friedrich Bach widmete sich weiterhin der Hofkapelle und führte sie zu großem Ansehen. Forkel räumte der Bückeburger Hofkapelle 1782 den 4. Rang unter den besten Orchestern Deutschland ein.

Johann Christoph Friedrich Bach: Trio für Flöte, Violine und Baß.

Vortrag gehalten zu Weidenbach, den 16. August 2025 von Martina Silvia Möwes aus Freiberg in Sachsen anlässlich des Konzerts Musikalische Kostbarkeiten aus dem Nachlass von Johann Georg Pisendel mit den Freiberger Klang-Juwelen in der Hofkirche Weidenbach (Kreis Ansbach)

Musikalische Kostbarkeiten aus dem Nachlass von Johann Georg Pisendel

Barockkonzert mit den Freiberger Klang-Juwelen am Samstag, 16.08.2025 um 18 Uhr in der Hof- und Pfarrkirche St. Georg in Weidenbach (Kreis Ansbach). Gespielt wird Musik von Georg Heinrich Bümler, Sänger und Kapellmeister im Fürstentum Ansbach. Veranstalter ist die Akademie zur Wahrung musikhistorisch angewandter Kunst e. V. aus Freiberg in Sachsen.

Die Hof- und Pfarrkirche St. Georg zu Weidenbach, gesehen von der Triesdorfer Straße. Foto: Kerstin Kerschbaum

Programm

  1. Sonata a Flauto Traverso, Oboe ó Violino é Fondamento von Jakob Friedrich Kleinknecht (1722-1794)
  2. Sonate für Violine e-Moll und B. c von Johann Georg Pisendel (1687-1755)
  3. Sonate für Flöte Traverso D-Dur und B. c. von Carl Heinrich Graun (1704/1705-1759)
  4. Sontate für Violine Solo F-Dur und B. c. von Georg Heinrich Bümler (1669-1745)
  5. Sonata per il Flauto, Violino e Basso A-Dur von Johann Christoph Friedrich Bach (1732-1795).
Die Freiberger Klang-Juwelen bei dem Konzert in der Hofkirche Weidenbach mit Musik von Johann Georg Pisendel
Die Freiberger Klang-Juwelen mit dem Programm Musikalische Kostbarkeiten aus dem Nachlass von Johann Georg Pisendel in der Hofkirche Weidenbach Foto: Kerstin Kerschbaum

Bachwoche Ansbach 2025 mit der Messe in h-Moll

ANSBACH – Bachwoche in Ansbach: Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss der Bachwoche Ansbach 2025 ist die Messe in h-Moll (BWV 232) am Samstag, 9. August und Sonntag, 10. August in der Hof- und Pfarrkirche St. Gumbertus. Beginn ist am Samstag um 19.30 Uhr und am Sonntag um 18 Uhr. Es spielen und singen das Kammerorchester Basel bzw. der Tenebrae Choir unter der Leitung von Nigel Short.

Die h-Moll-Messe ist „Bachs letztes und vollkommenstes Werk“, sein „summum opus“, wie das Programmheft zur Bachwoche Ansbach 2025 schreibt.

Ursprünglich hieß die Messe in h-Moll „Missa, Symbolum Nicenum, Santus. Osana, Benedictus, Agnus Dei et Dona nobis pacem“ und beginnt mit dem Kyrie eleison, wie es in der Taschenpartitur Bärenreiter-Verlag Kassel und Basel 1955 heißt (Hg. Friedrich Smend). Im Zuge des Projekts, den legendären Schranck II der Hofkapelle in Dresden zu digitalisieren, wurde die Missa h-Moll in den Originalstimmen in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek gefunden.

Bach's Messe in h-Moll „Missa, Symbolum Nicenum, Santus. Osana, Benedictus, Agnus Dei et Dona nobis pacem“ und beginnt mit dem Kyrie eleison, wie es in der Taschenpartitur Bärenreiter-Verlag Kassel und Basel 1955 heißt (Hg. Friedrich Smend). Im Zuge des Projekts, den legendären Schranck II der Hofkapelle in Dresden zu digitalisieren, wurde die Missa h-Moll in den Originalstimmen in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek gefunden
Bach’s Messe in h-Moll „Missa, Symbolum Nicenum, Santus. Osana, Benedictus, Agnus Dei et Dona nobis pacem“ und beginnt mit dem Kyrie eleison,. Im Zuge des Projekts, den legendären Schranck II der Hofkapelle in Dresden zu digitalisieren, wurde die Missa h-Moll in den Originalstimmen in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek gefunden-Foto:Wikipedia.

Da sich dieses Jahr die Synode von Nizäa 325 zum 1700. Mal jährt, ist die Wahl der Messe in h-Moll ein Glücksgriff und stellt somit einen direkten Bezug her. Aus der Tradition von Nizäa entstand ja das apostolische Glaubensbekenntnis, Nizäum genannt, welches heute noch in allen Kirchen des Christentums gesprochen wird, und diese somit vereint. Das Nizäum „gewann immer mehr an Bedeutung und wurde schließlich sogar in die gottesdienstliche Liturgie aufgenommen, wo es bis heute in allen Kirchen des Ostens und des Westens seinen Platz hat“. (Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa, hg. von Uta Heil, Frankfurt am Main und Leipzig 2008, S. 254). Dieses Nizäum in der originalen und nicht in der evangelischen Version wird ja auch in der Missa h-Moll gesungen.

Seit 1948 findet in Ansbach die Bachwoche statt. Ansbach wird alle zwei Jahre zu einem nationalen Zentrum der Bachmusik-Pflege. Die erste Bachwoche fand statt vom 27. Juli bis 3. August 1947 auf Schloss Weißenstein in Pommersfelden, dem Sitz des fränkischen Zweigs der Grafen von Schönborn. So Dr. Andeas Bomba, der scheidende Intendant der Bachwoche in seinem Vorwort zum Buch “Bach in Ansbach” von Hans-Joachim Schulze (Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2013 ).

Die Ironie der Geschichte ist, dass Bach selbst nie in Ansbach war, die Musik von Bach aber sehr groß geschrieben wird. Im Gegensatz zu Händel, der Ansbach zwar selbst besuchte, heute aber in der ehemaligen Haupt- und Residenzstadt des Markgraftums fast vergessen ist.

Barockkonzert in der Hofkirche Weidenbach

WEIDENBACH/TRIESDORF – Barockkonzert in der Hofkirche Weidenbach. „Musikalische Kostbarkeiten aus dem Nachlass von Johann Georg Pisendel“. So lautet der Titel des Konzerts der renommierten Freiberger Klang-Juwelen mit Musik von Georg Heinrich Bümler, Sänger und Hofkapellmeister im Markgraftum Ansbach. Beginn ist am Samstag, 16.08.2025 um 18 Uhr in der Hofkirche Weidenbach. Veranstalter ist die Akademie zur Wahrung musikhistorisch angewandter Kunst e. V. aus Freiberg in Sachsen. 

Die Freiberger Klanguwelen in der Kulturscheune Ermetzhof: In der Mitte Martina Möwes – Barockvioline, Mei Chu Helbig – Barockfagott (links) und, Bernd Schäfer – Traverso (rechts)
Foto: Heike Weiß

 1709 machte sich der Violinist Johann Georg Pisendel von Ansbach aus nach Sachsen auf, um in Leipzig sein Glück zu versuchen. Die künftige Frau des neuen Markgrafen Wilhelm Friedrich, Christiane Charlotte, machte sich wenig aus der Hofmusik, viel wichtiger war ihr die Fertigstellung der Residenz zu Ansbach inkl. einer Orangerie. Es wurde also an der Opernkultur gespart. Direkt nach dem Regierungsantritt 1703 wurde zuerst noch in Triesdorf ein Theatrum am Heckentheater gebaut und Piseldel in die Hofmusik als Geiger integriert. Wir können also sehen, welchen Einfluss die künftige Markgräfin auf die Politik am Ansbacher Markgrafenhof ausübte -und dies schon vor ihrer Ankunft.

Bei dem Vorgänger, Markgraf Georg Friedrich, war das noch anders. Dieser investierte heftig in die Opernlandschaft und engagierte Pisendel als Sopranisten für die Ansbacher Hofkapelle, ließ ihn bei dem dortigen Hofkapellmeister Francesco Antonio Mamiliano Pistocchi (1659-1726), gleichzeitig Sänger und Komponist, sowie durch den berühmten Geiger und Komponisten Giuseppe Torelli (1658-1709), der ebenfalls in Ansbach tätig war, ausbilden. Außerdem besuchte Pisendel das Gymnasium zu Ansbach. Pisendel war also Sänger und Geiger, ausgebildet von Koryphäen des jeweiligen Fachs.

Markgraf Georg Friedrich II. kämpfte erst im Pfälzischen Erbfolgekrieg und dann im im Spanischen Erbfolgekrieg. Zwischen beiden Kriegen fand er Zeit für die Oper in Ansbach und Triesdorf, also von 1697 bis 1700. Schwarzbeck hält es für wahrscheinlich, dass gleichzeitig zum Opernhaus in Ansbach ein Gartentheater zu Triesdorf entstand. (Friedrich Wilhelm Schwarzbeck, Ansbacher Theatergeschichte bis zum Tode des Markgrafen Johann Friedrich (1686). Emsdetten 1939)

Pisendel wurde geboren am 26. Dezember 1687 und wurde von seinem Vater Simon Pisendel zum Sänger ausgebildet. Klar, der Vater erkannte das Talent bei seinem Sohn, war er doch selbst Kantor in Cadolzburg. Dieter R. Werzinger schreibt in seinem Buch „Die zollerischen Markgrafen von Ansbach“ (Neustadt an der Aisch 1993) auf Seite 216: „Die Hofkantorei hatte in Ansbach eine lange Tradition, war sie doch im 16. Jahrhundert nach dem Vorbild des Dresdner Hofes eingerichtet worden.“

Die Ausbildung Pisendels in Ansbach war sehr fruchtbar. Denn Pisendel kam nicht mit leeren Händen in Sachsen an. „Einige in Dresden überlieferte Handschriften aus dem Besitz Pisendels, die bis in dessen Ansbacher Zeit zurückzuweisen scheinen, enthalten neben hier zu erwartenden Kompositionen Torellis solche von Tomaso Albioni, Antonio Vivaldi, Fabbrini, Fiorelli und anderen.“ (Hans-Joachim Schulze, Bach in Ansbach, Leipzig 2013, S.60). Im Schrank II der Hofkapelle zu Dresden sammelte Pisendel über 1800 Musikalien, die dort die Zeit überstanden und in einem Projekt digitalisiert wurden.

Silvia Martina Möwes aus Freiberg in Sachsen hat im Bestand Schrank II https://hofmusik.slub-dresden.de/themen/schrank-zwei/ nachgesehen, was Pisendel alles an Musikalien in Sachsen zusammengetragen hat – und heute in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) https://www.slub-dresden.de/ liegt. Anlässlich eines Konzerts der Freiberger Klang-Juwelen in der markgräflichen Hofkirche Weidenbach werden Musikstücke aus der Dresdner Zeit Pisendels direkt nach dem Manuskript gespielt und dem Publikum vorgestellt. Dies sind von Johanm Georg Pisendel selbst die Sonate für Violine e-Moll und Basso Continuo, von Carl Heinrich Graun die Sonate für Flöte Traverso D-Dur und Basso Continuo, von Georg Heinrich Bümler die Sonate frü Violine Solo F-Dur und Basso Continuo und von Bach-Sohn Johann Christoph Friedrich Bach die Sonata per il Flauto, Violino e Basso A-Dur.

Paradies der Hofkirche Weidenbach. Foto: Kerstin Kerschbaum

Die Hof- und Pfarrkirche Weidenbach ist heute nicht nur evangelisch-lutherische Pfarrkirche, sondern gleichzeitig eine bedeutende Sehenswürdigkeit. Das Gotteshaus kann täglich von 9 bis 18 Uhr besichtigt werden. Sonntags ist Gottesdienst mit Orgelspiel und Predigt. 1735/1736 baute Hofarchitekt Leopoldo Rettÿ für den Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach die erste Hofkiche im Markgraftum – und somit vor der Hof- und Pfarrkichre St. Gumbertus in Ansbach und Hof-und Pfarrkirche Unterschwaningen. Somit schloss der Markgraf Carl Wilhelm Friedrich das frühere regionale Zentrum Weidenbach an seinen Jagd-und Landsitz Triesdorf an. Ursprünglich war Triesdorf ein Rittergut im Besitz der Freiherren von Seckendorff, welcher erst als Lehen und später dann durch Kauf an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und Kulmbach kam. Die bisherige Weidenbacher Dorfkirche St. Georg wurde im Zug des Neubaus abgerissen. Im aktuellen Flattblatt Markgrafenkirchen im Markgraftum Ansbach ist die Hofkirche Weidenbach auf dem Titelbild abgebildet und zeigt somit den Vorrang unter allen ansbachischen Markgrafenkirchen in deutlicher Form klar an. 

Hofrat und Obriststallmeister Carl Wilhelm Axel von Mardefeld

Das Markgrafen-Museum Ansbach zeigt in seiner ständigen Ausstellung das Gemälde des ansbachischen Hofmalers Johann Michael Schwabeda, welches den markgräflichen Hofrat und Obriststallmeister Carl Wilhelm Axel von Mardefeld darstellt.

Martin Krieger beschreibt in seinem Buch Die Ansbacher Hofmaler im 17. und 18. Jahrhundert das Bildnis wie folgt: „Brustbild nach vorn. Der Dargestellte trägt gepuderte Perücke mit Schläfenrolle und Nackenschleife. Über der hellen gemusterten Weste silbergestreifter Rock. Band und Stern des Roten Adlerordens, ein weiteres Ordenskreuz auf der linken Brustseite.“

Axel von Mardefeld mit dem Ordenskreuz zum goldenen Adler. Stifterin des Ordens war die Markgräfin Friederike Louise. Foto:  Jim Albright jr.  Ansbachische Orden, Ansbacher Orden  goldenen Adlerorden
Axel von Mardefeld mit dem Ordenskreuz zum goldenen Adler. Stifterin des Ordens war die Markgräfin Friederike Louise. Foto: Jim Albright jr.

Tatsächlich wird Carl Wilhelm Axel von Mardefeld in dem offiziellen ansbachischen Hofkalender auf das Jahr 1781 als Chef der Obrist=Par-Force-Jägermeisterey aufgeführt: Sr. Excellenz, Herr Geheimer Rath, Obrist=Stallmeister der Fürstenthümer ober= und unterhalb Gebürgs, auch Ober=Amtmann zu Windsbach, Cl. Heilsbronn, Merkendorf und Waizendorf, Carl Wilhelm Axel von Mardefeldt, Par-Force-Obrist=Jägermeister, dann des erneuerten Hochfürstlichen Brandenburgischen rothen Adler=Ordens Ritter.

Was dabei freilich fehlt, ist die Aufführung des weiteren Ordenskreuzes. Während der Hofmaler dieses Ordenskreuz darstellt, fehlt die Nennung im Hofkalender. Wie Arno Störkel in seinem Vortrag Die Orden der Markgrafen vor dem Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung am 4. April 2025 im vollbesetzten Nebenzimmer des Gasthauses Eder zu Triesdorf überzeugend darlegte, handelte es sich dabei um den goldenen Adlerorden. Stifterin dieses Ordens war demnach die Markgräfin Friederike Louise und als Ordenskirche fungierte die Hofkirche Unterschwaningen. So ist es auch kein Wunder, dass der Adler auf der Spitze des Orgelprospekts in der Hofkirche Unterschwaningen weder rot (Brandenburg) noch schwarz (Preußen), sondern golden auf rotem Grund ist.

Die Hofkirche Unterschwaningen fungierte gleichzeitig als Ordenskirche des Ordens zum goldenen Adler. Foto: Ulrich Kalthoff  - Goldener Adel Orden
Die Hofkirche Unterschwaningen fungierte gleichzeitig als Ordenskirche des Ordens zum goldenen Adler. Foto: Ulrich Kalthoff

Welche Beziehung hatte jetzt der Obriststallmeister von Mardefeld zur Markgräfin? Die Sache ist einfach: Die Markgräfin war gleichzeitig Eigentümerin des herrschaftlichen Brauhauses zu Weidenbach und der Mardefeld war zugleich Eigentümer der Gastwirtschaft am Weidenbacher Torhaus. Es ist also zu vermuten, dass der Orden der Markgräfin den Bierliefervertrag besiegelte und somit sicherstellte, dass der Mardefeld künftig in seinem Gasthaus tatsächlich ausgezeichnetes Bier ausschenkte.