Markgraf Johann Friedrich und die neue Politik des Wirtschaftswachstums

Markgraf Johann Friedrich studierte in Straßburg und Genf und bereiste Italien, Frankreich und die Niederlande. Dort machte er sich offenbar mit der neuen Politik des Wirtschaftswachstums vertraut. Denn schon vor Aufhebung des Edikts von Nantes erteilte dieser Markgraf am 7. Mai 1685 dem Tapetenfabrikanten Michel von Claraveux aus Paris die Genehmigung, im markgräflichen Lusthaus zu Hennenbach eine Tapetenfabrikation einzurichten. Dazu gab es noch weitere staatlichen Subventionen wie Privilegien, Befreiung von Steuern und Einquartierungen sowie ein Darlehen (vgl. Haas 1970, S. 156f.).

Somit wird klar, dass die geplante Ansiedlung von Glaubensflüchtlingen aus Frankreich nicht aus Nächstenliebe geschah. Der Markgraf wollte mit den französisch-reformierten Protestanten gleichzeitig Unternehmer und Facharbeiter – und somit neue Industrien! – im Fürstentum Ansbach ansiedeln. Dafür plante er zudem die Erweiterung der Haupt- und Residenzstadt Ansbach um ein neues Quartier, der neuen Auslage.

Tatsächlich, schon wenige Tage nach der Aufhebung der Toleranzfreiheit in Frankreich, gab der Markgraf am 27. Oktober 1685 den Hugenotten das Recht, in Ansbach einen eigenen Prediger anzustellen. Nur wenige Wochen später – am 4. Januar 1686 – erhielten die in das Fürstentum Ansbach eingewanderten Francois de la Reglion Reformée das Recht, eine eigene Kirche zu bauen. Doch daraus wurde nichts.

Der Grund ist einfach: Markgraf Johann Friedrich starb bereits zwei Monate nach dem großem Privileg im Alter von 32 Jahren. Seine Kinder waren noch zu jung für die Übernahme der Regentschaft. Die Vormundschaftsregierung wollte die Réfugiés nicht in Ansbach haben. Offenbar scheuten die ansässigen lutherischen Protestanten die calvinistische Konkurrenz – religiös wie wirtschaftlich.

In seiner Beschreibung des Burggrafentums Nürnberg, unterhalb des Gebürgs; oder des Fürstentums Brandenburg=Anspach macht Johann Bernhard Fischer hundert Jahre später die Gegnerschaft ungenannter Ansbacher Pfarrer dafür verantwortlich: „Allein die Intoleranz, die damals besonders einigen Geistlichen eigen war, trieb die Unglücklichen doch noch 8. Stunden weiter in eine Landstadt!!“ (Fischer 1790, Bd. 1, S. 64 FN).

Johann Bernhard Fischer, Statistische und topographische Beschreibung des Burggraftums Nürnberg, unterhalb Gebürgs, Ansbach 1790 (Nachdruck Ansbach 2008)
Das zweibändige Buch Statistische und topographische Beschreibung des Burggraftums Nürnberg, unterhalb Gebürgs, von Johann Bernhard Fischer aus dem Jahr 1790 als Nachdruck des Verlags Alte Post Ansbach aus dem 2008.

Statt Ansbach, wurde also Schwabach der Standort der neuen Industrien. heißt. Es waren Hugenotten, die insbesondere die Goldschlägerei und Nadelfabrikation von Frankreich nach Franken mitbrachten – und somit im Ansbachischen ansiedelten. Noch heute bezeichnet sich Schwabach stolz als Die Goldschlägerstadt. Im Jahr 2021 feierte die Stadt Schwabach mit großem Aufwand den 300. Geburtstag des Schwabacher Wunderkinds Jean-Philippe Baratier, „Sohn eines reformierten Pfarrers mit französischen Wurzeln“ (Schwabach 2020, o. S.).

Literatur:

Johann Bernhard Fischer, Statistische und topographische Beschreibung des Burggraftums Nürnberg, unterhalb Gebürgs, Ansbach 1790 (Nachdruck Ansbach 2008)

Karl Eduard Haas, Die Evangelisch-Reformierte Kirche in Bayern, Neustadt an der Aisch 1970

Stadt Schwabach (Hg.), Jean-Philippe Baratier (1721-1740) – Das Schwabacher Wunderkind wird 300, Schwabach 2020, Faltblatt

Geschichte der Landwirtschaftsausbildung in Triesdorf

Am Sonntag, 25. Juni 2023 feiern die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf mit einem Festakt inkl. Festvortrag um 10 Uhr in der Alten Reithalle ihr 175-jähriges Bestehen. Tatsächlich hat die Landwirtschaftausbildung in Triesdorf eine wesentlich ältere Tradition. Im Jahre 1730 – also vor fast 300 Jahren – ließ Markgraf Carl Wilhelm Friedrich vom Brandenburg-Ansbach in Triesdorf ein Gestüt einrichten, zehn Jahre später folgte die Rinderzucht. In der Menagerie wurde eine Geflügelzucht betrieben. Sein Sohn und Nachfolger Markgraf Alexander begründete in Triesdorf später noch eine Schäferei.

Johann Bernhard Fischer berichtet davon in seiner Beschreibung des Burggraftums Nürnberg, unterhalb des Gebürgs, oder des Fürstentums Brandenburg=Anspach: „Markgraf Carl Wilhelm Friedrich legte im Jahr 1730. die Stuterei und Fohlenzucht an, und führte das Falkenhaus nebst einen neuen Anbau am Schloß, desgleichen die Husarenkaserne und das Menageriehaus auf, und unter der ietzigen beglückten Regierung wird dieser in einer vortrefflichen Lage befindlicher Ort mit iedem Jahr verschönert.“ (Ansbach 1787, Bd. 2, S. 43; Nachdruck 2008).

Während die Pferdezucht eine rein fürstliche Einrichtung war, zielten die Rinderzucht und die Schafszucht auf die bäuerliche Lebenswirklichkeit. Tatsächlich waren Rinder und Schafe für die Landwirtschaft wesentlich bedeutsamer als die Pferdezucht. Rinder und Schafe waren für die Düngung der Wiesen und Felder maßgeblich. Die Pferdeäpfel fand der Bauer als Dünger schädlich. Dies erklärt Johann Friedrich Mayer in seinem Lehrbuch für die Land= und Hauswirthe in der pragmatischen Geschichte der gesamten Land= und Hauswirtschafft des Hohenlohe Schillingsfürstlichen Amtes Kupferzell:

„Also gedacht, und noch dazu genommen, daß das Amt mit keinen Frohndiensten beschwert ist, iedes Dorf und Weiler, kleine Gemarkungen, und darauf gar keine Steine, Steigen oder Berge hat: so verabscheut der Bauer alle Pferde. Kaum ein halb Dutzend Pferde sind in dem Amt zu finden. Man will das Verderben eines Bauren schon daher voraussehen, wann er seine Ochsen abschaffet und sich Pferde ankaufet. Den Pferddung hält man für die Felder nicht nur für wenig nützlich, sondern so gar noch da und dorten für schädlich.

Das Vieh unsrer Bauren bestehet also, wo nicht ganz alleine, doch allezeit hauptsächlich im Rindvieh; dazu kommen bei iedem Hofe, etwa noch 6. 8. 10. oder 12 Schaafe, etliche Schweine. Von diesen beeden ersten Vieharten erwartet der Bauer den wichtigsten Gewinn, und zwar vornehmlich durch den von ihnen abfallenden Dung.“ (Nürnberg 1773, S. 116; Nachdruck 1980).

In Triesdorf ist diese Wertschätzung bis heute ablesbar. Hier werden die Rinderzucht und die Schafszucht zu Lehrzwecken betrieben. Die Pferdezucht hingegen findet in Triesdorf praktisch nicht statt. Lediglich ein Pferdetag, welcher jährlich in der Alten Reithalle als Veranstaltung abgehalten wird, verbindet Praktiker mit Menschen aus der Landwirtschaftsausbildung.

Lady Craven und ihr Neues Theater

ANSBACH/TRIESDORF – Am Donnerstag, den 13. April 2023 hält Dr. Barbara Eichner aus Oxford einen Vortrag über die Lady Craven. „Der Harem in Franken: Neue Perspektiven auf Lady Cravens Ansbacher Gesellschaftstheater?“. Thematisiert wird also das Neue Theater der englischen Mätresse des Markgrafen Alexander zu Ansbach und Triesdorf in den Jahren 1787 bis 1791. Veranstaltet wird der Vortag vom Historischen Verein für Mittelfranken. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Residenz Ansbach (Alte Bibliothek, 3. Stock).

Lady Craven gründete ein NeuesTheater mit Spielstätten in Ansbach und Triesdorf.

Barbara Eichner ist Musikwissenschaftlerin an der Oxford Brookes University in England. Bereits während ihrer Schulzeit beschäftigte sich die gebürtige Ansbacherin mit dem Musenhof der Lady Craven. Im letzten Jahr erschien von ihr der Beitag „Die Komponistin und Schauspielerin Maria Theresia Gräfin von Ahlefeldt am Gesellschaftstheater von Ansbach und Triesdorf“ im Triesdorfer Heft Nr. 11 „Markgraf Alexander und sein Hof zu Triesdorf“ des Vereins der Freunde Triesdorf und Umgebung.

Es war die Lady Craven, die das bisherige Theater in Ansbach um eine Sommerbühne erweiterte, indem sie das Heckentheater zu Triesdorf des Markgrafen Georg Friedrich aus dem 17. Jahrhundert zwischen Weißem Schloss und Hofgarten reaktivierte. Das Feld heisst heute bei den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triedorf Theateracker und erinnert also an seine frühere Nutzung. Insofern verwundert es sehr, dass Thomas Betzwieser in seinem aktuellen Beitrag „Von Gondolieri, Ruinen und Seeschlachten: der theatrale Sommer in Franken“ feststellt: „In welchem Bauteil der Parkanlage die Aufführungen stattfanden, ist nicht mehr zu eruieren.“ (Betzwieser 2021, S. 64).

Das Theater in Ansbach war übigens nicht das Werk der Elizabeth Craven. Schon vor der Ankunft der englischen Lady wurde in der ehemaligen Wagenremise der Residenz Ansbach ein Theater eingerichtet , wie Johann Jakob Grund 1779 bei seinem Aufenthalt in der Haupt- und Residenzstadt feststellt. Zehn Jahre nach dem Besuch wurde sein Manuskript dann in Wien gedruckt. Offenbar gab es plötzlich einen Markt für dieses Buch.

Dort steht: „Das Theater ist klein und unansehnlich, wie kann es anders seyn, da der hierzu genommene Platz eine Wagenremise war? Es ist freylich so gut als möglich umgestaltet worden, und hat, was ihm an Länge und Breite abgieng, in der Höhe erhalten, so zwar, daß ringsherum eine Galerie führt. Fast alle Winter wird eine Schauspieltruppe engagirt, die nach Maasgabe ihrer Talente Nutzen oder Schaden hat;“ (Grund 1789, S. 98 I. Theil). Heute ist in dem Gebäude die Staatliche Biblitothek Ansbach untergebracht – bekannt unter dem Namen Schlossbibliothek Ansbach. Gleichzeitig fungiert das ehemalige Schlosstheater heute außerdem als Geschäftsstelle des Historischen Vereins für Mittelfranken.

Triesdorf war der Wohnsitz des Markgrafen Alexander. Hier das markgräfliche Wappen am Treppengeländer des Hofgärtnerhauses: Der rote Adler mit dem Hohenzollernherzschild. Foto: Ansbachische Markgrafenstraße.

Es ist also das Verdienst der Lady Craven, aus dem Haus mit wechselnden Theatertruppen ein Theater mit eigenem Ensemble gemacht zu haben – inklusive Orchester. Während das feste Haus also in Ansbach war, befand sich die Sommerbühne in Triesdorf. Dort, 15 Kilometer südlich der Residenzstadt, war der Wohnsitz des Markgrafen Alexander. In Ansbach befand sich lediglich die Regierung des Fürstentums.

Carl-Alexander Mavridis

Das Weihnachtsmärchen der Lady Craven

TRIESDORF – Es war der populäre Eulenspiegel Verlag für Satire und Humor aus Ost-Berlin, der 1982 das Buch der englischen Schriftsstellerin Lady Elizabeth Craven mit Nachwort unter dem Titel Anekdote aus der alten Familie als Nachdruck neu herausgab. Die deutsche Originalausgabe erschien 1781 in der Messestadt Leipzig im Schwickertschen Verlage als Weihnachtsmärchen. Leider stellte sich der Bearbeiter Gerhard Steiner über 200 Jahre später nicht die entscheidende Frage, wie denn dieser unerhörte Vorgang ursprünglich vor sich ging. Eine bis dato in Deutschland unbekannte englische Aristokratin, die mit einer Satire über Deutschland in den deutschen Markt einsteigt.

Lady Craven, die spätere Markgräfin von Ansbach-Bayreuth
Die englische Schriftstellerin Lady Elisabeth Craven, die spätere Markgräfin von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth.

In seinem Nachwort erzählt Gerhard Steiner dafür lang und breit das Leben des Johann Carl Wezel, indem er den Übersetzer vorstellt: „Der die vorstehende Geschichte als Übersetzer dem deutschen Publikum zugänglich machte, war selbst ein vielseitiger und bedeutender Dichter: Johann Karl Wezel. (Berlin [Ost] 1982, S. 77). In Steiners Erzählung soll also Wezel das schon 1779 in London erschienene Buch zufällig gefunden, übersetzt und veröffentlicht haben – und das alles, ohne die Autorin gekannt zu haben. Dies erscheint ziemlich unwahrscheinlich, hat doch eben dieser Wezel ein paar Jahre später die Briefe der Lady Craven über eine Reise durch die Krimm nach Konstantinopel ebenfalls übersetzt, die wiederum in der Buchstadt erschien: Leipzig, bey Paul Gotthelf Kummer, 1789.

Johann Carl Wezel ist englischer Übersetzer

Es ist Beatrix Langer, die in ihrer Biografie über den großen Schriftsteller Jean Paul anmerkt: „Spätestens 1789 las (Johann Paul Friedrich) Richter Lady Cravens Briefe über eine Reise durch die Crimm nach Konstantinopel. Dieselbe Lady Craven spielte ab 1785 als Mätresse des Markgrafen Karl Alexander in der Landesgeschichte von Ansbach-Bayreuth eine gewichtige Rolle.“ (München 2013, S. 545). Wezel war also ein Bekannter von Jean Paul und arbeitete als englischer Übersetzer. Wahrscheinlich um sich neuen Stoff zu besorgen, reiste er nach England. „[Johann Carl] Wezel, der Leiziger Swift, verdiente sein Brot als Übersetzer aus dem Englischen. Er hatte (mit großer Wahrscheinlichkeit) einige Zeit in London gelebt, dort die Schriftstellerin Elizabeth Craven kennengelernt und deren Weihnnachtsmärchen, eine Satire auf die Deutschen, übertragen.“ Lady Craven hatte sich schon vorher von ihrem Mann getrennt und baute sich als Theaterautorin und Schriftstellerein in London ein neues Leben auf.

Es stellt sich jetzt also die Frage, wie der Markterfolg am Messeplatz Leipzig für ein Buch einzuschätzen war, welches sich über die Deutschen lustig macht? War es überhaupt verkäuflich? Die Sache sieht aber anders aus, denn wir dieses Weihnachtsmärchen tatsächlich lesen. Es beginnt wie folgt: „Im Mittelpunkte Deutschlands lebte ein Baron, der einzige männliche Rest von der alten Familie der Kinkvervänkotsdärspräksgotschderns; und dieser ehrwürdige Name ging mit ihm ins Grab.“ Die Lady Craven machte sich also über einen deutschen Aristokraten lustig. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ein DDR-Verlag 201 Jahre nach dem Erstdruck ein Buch aus der Zeit des untergegangenen Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation neu herausgibt, welches mit der Geschichte der BRD zu tun hat.

In seinem Nachwort fasst Gerhard Steiner allerdings die Sache richtig zusammen: „Um den durch ihre Trennung heraufbeschworenen Mißhelligkeiten zu entgehen, besuchte Lady Craven, nachdem sie vier weitere Stückte verfaßt hatte, mit ihrem Sohn Keppel, der wohl nicht ein Kind des Lords Craven war, Frankreich und wurde in Paris von dem sich dort vergnügenden 14 Jahre älteren Markgrafen Christian Friedrich Karl Alexander von Ansbach und Bayreuth in seine deutsche Residenz eingeladen. Lady Craven hatte jedoch offensichtlich das Gefühl, daß sie zunächst ihrer gewonnenen Selbstständigkeit Inhalt und Rückhalt geben müßte, und unternahm eine große, mehr als drei Jahre währende Reise, die sie durch Frankreich, Italien, Österreich und Polen nach Petersburg und von dort über die Krim nach Konstantinopel und Griechenland führte und ihr nicht nur Erfahrungen und Erkenntnisse, sondern auch gesellschaftliche Genugtuungen einbrachte.“ Ergebnis dieser Reise wurde der oben schon erwähnte Briefroman einer Reise in den Orient.

Lady Craven veröffentlicht ihr Buch in Leipzig

Zwischen der Veröffentlichung des Weihnachtsmärchens der Lady Craven in Leipzig 1781 und der Einladung an den Hof des Markgrafen von Ansbach-Bayreuth besteht allerdings eine erhebliche Zeitdifferenz. Der Alexander-Biograf Arno Störkel schreibt: „Mylady [Lady Craven], die mittlerweile auch literarisch als Verfasserin mehrerer Bühnenstücke auf sich aufmerksam gemacht hatte, war also beileibe kein unbeschriebenes Blatt mehr, als sie 1784 (eventuell auch bereits 1783) in Paris mit [Markgraf] Alexander zusammentraf, der wieder einmal die Saison in der Hauptstadt der eleganten Welt zubrachte.“ (Ansbach 1995, S. 222). 1783 ging die Lady in Paris. „Dort residierte sie fast zwei Jahre unter noblen Bedingungen bei Bekannten in Paris und empfing neben anderen Gästen Christian Friedrich Karl Alexander, Markgraf von Ansbach-Bayreuth, als dessen Schwester sie sich bezeichnete, obwohl der intime Charakter ihrer Beziehung bereits Gesprächsgegenstand war.“ Das schreibt Susanne Franke in ihrem Buch über die Reisen der Lady Craven (Trier 1995. S. 41).

Wir können also vermuten, dass das Weihnachtsmärchen der Einstieg der Lady Craven in den deutschen Markt war, der von ihr selbst finanziert worden ist. Dafür spricht, dass das Buch klein und schmal ist – und somit vermutlich auch das Budget es war. Ziel sollte offensichtlich nicht der Markt, sondern vielmehr Markgraf Alexander sein. Dieser war es dann ja in Paris, der auf die Lady Craven aufmerksam wurde und sie dann auch an seinen Hof nach Triesdorf einlud. Das Weihnachtsmärchen der Elizabeth Craven wurde schließlich also Wirklichkeit.

Carl-Alexander Mavridis

Literatur:

Elizabeth Craven, Anekdote aus der alten Familie. Ein Weihnachtsmärchen. Berlin [Ost] 1982

Elizabeth Craven, Briefe einer Reise in die Türkeÿ 1785/1786, Nachdruck der deutschen Erstausgabe Leipzig 1789 mit Einführung, Ansbach 2010

Susanne Franke, Die Reisen der Lady Craven durch Europa und die Türkei 1785-1786, Trier 1995

Christoph Links, Das Schicksal der DDR-Verlage. Die Privatisierung und ihre Konsequenzen, Berlin 2010, 2. Auflage

Beatrix Langer, Jean Paul. Meister der zweiten Welt, München 2013

Arno Störkel, Christian Friedrich Carl Alexander. Der letzte Markgraf von Ansbach-Bayreuth, Ansbach 1995

Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V. (Hg.), Markgraf Alexander und sein Hof zu Triesdorf, Triesdorf 2022 (Triesdorfer Heft Nr. 11)

Heinrich von Kleist und sein Versuch, nach Ansbach zu kommen

ANSBACH – Aktuell hat das Theater Ansbach das Lustspiel Amphitryon von Heinrich von Kleist aus dem Jahr 1807 auf dem Spielplan. Tatsächlich hatte der bedeutende Schriftsteller aus Frankfurt an der Oder schon zu seinen Lebzeiten eine Verbindung zu Ansbach. Kleist hoffte in Ansbach bezahlte Arbeit zu finden. In seinem Brief datiert vom 7.1.1805 schreibt Kleist an seinen Freund Ernst von Pfuel von Berlin aus: „Man wird mich gewiß, und bald, und mit Gehalt anstellen, geh mit mir nach Anspach,und laß uns der süßen Freundschafft genießen.“ Jetzt stellt sich natürlich die Frage, welche Art von Arbeit Kleist in Ansbach suchte und warum sein Ansbacher Projekt schließlich scheiterte.

In seiner Lebens- und Werkchronik über Heinrich von Kleist schreibt Helmut Sembdner: „1805 Anfang: auf Massenbachs und Hardenbergs Empfehlung Arbeit im Finanzdepartement unter Altenstein. Aussicht auf Anstellung in Ansbach.“ Mit Hardenberg ist Carl August Freiherr von Hardenberg gemeint, mit Altenstein Carl Sigmund Franz Freiherr von Stein zum Altenstein. Altenstein, enger Mitarbeiter von Hardenberg, wurde 1807 preußischer Finanzminister. Beide lernten sich wahrscheinlich in Triesdorf kennen. Altenstein war Page am Ansbacher Hof.

Carl August von Hardenberg in Triesdorf

Im September 1790 absolvierte Hardenberg seinen Antrittsbesuchs bei Markgraf Alexander in Triesdorf. Fortan war er leitender Minister der Regierung in den Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth. Seit 1791 war Hardenberg obendrein Chef der ansbachischen Hofbank, da im selben Jahr der Markgraf seine Markgrafentümer an das Königreich Preußen gegen eine Leibrente abtrat, also verkaufte. Am 2. Dezember 1791 „entledigte“ sich Markgraf Alexander offiziell seiner Regierungsgeschäfte in Ansbach-Bayreuth „gänzlich“.

Wir können uns also vorstellen, dass Kleist innerhalb der Königlich Preußischen Banco in Franken vorgesehen war. Daraus wurde nichts. 1806 kam das Fürstentum Ansbach an das neu gegründete Königreich Bayern. Im Klappentext des Buchs Unser Kleist, anlässlich des 200. Todestags des Dichters, lesen wir „1805 Reise von Berlin nach Königsberg; Arbeit an der Kriegs- und Domänenkammer; staats- und finanzwissenschaftliche Vorlesungen.“ Wir wissen somit, dass sich Kleist in Königsberg intensiv auf seine neue Position in Ansbach vorbereitete. Allerdings ohne Erfolg. Als er mit seiner Ausbildung fertig war, war Ansbach schon nicht mehr preußisch.

Wahrscheinlich ist das auch die Kernaussage des Amphitryons von Kleist. Der Feldherr Amphitryon erhält für den Sieg im Krieg gegen die Athener statt der Liebesnacht mit der Fürstentochter Alkmene nur die Nachricht, von Göttervater Zeus selbst gehörnt worden zu sein – Zeus tritt in der Figur des Amphitryons auf. Kleist erzählt uns so also seine eigene Geschichte. Zeus hat fulminanten Sex mit der hohen Tochter, nicht der siegreiche Feldherr. Kleist hatte eine exquisite Ausbildung in Staatswirtschaft, und sah sich um seine Karriere in Franken betrogen, wahrscheinlich auch um sein privates Liebesglück.

Somit ist klar, warum Goethe ist seinem berühmten Brief an Adam Müller, den Amphitryon nicht begreift. Am 28.08.1807 schreibt er von Karlsbad aus: „Über Amphitryon habe ich manches mit Herrn von Gentz gesprochen; aber es ist durchaus schwer, genau das rechte Wort zu finden. Nach meiner Einsicht scheiden sich Antikes und Modernes auf diesem Weg mehr, als daß sie sich vereinigen. Wenn man die beiden entgegengesetzten Enden des lebendigen Wesens durch Kontorsion zusammenbringt, so gibt das noch keine neue Art von Organisation; es ist allenfalls nur ein wunderliches Symbol, wie die Schlange, die sich in den Schwanz beißt.“ Goethe hatte Erfolg, Kleist nicht. Ach! (Schlußwort der Alkmene in Amphitryon).

Literatur:

Björn Brüsch, Genealogie einer Lehranstalt. Von der gartenmäßigen Nutzung des Landes zur Gründung der Königlichen Gärtnerlehranstalt. München 2010

Ingo Hermann, Hardenberg – Der Reformkanzler, München 2003

Elfi M. Haller, Karl August Freiherr von Hardenberg. Königl. Preuß. Wirklicher Geh. Staats-Kriegs-Cabinets- und dirigierender Minister über die Fürstentümer Ansbach-Bayreuth u. Chef der Bank in Franken, München 1987

Frank Mangelsdorf (Hg.), Unser Kleist. 60 Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler über den Dichter aus Frankfurt (Oder), Berlin Wildeshausen 2010

Helmut Sembdner (Hg,), Heinrich von Kleist. Werke in einem Band, München 1978, 2. Auflage

Arno Störkel, Christian Friedrich Carl Alexander. Der letzte Markgraf von Ansbach-Bayreuth, Ansbach 1995

Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V, (Hg.), Markgraf Alexander und sein Hof zu Triesdorf, Triesdorf 2022

Das Zepter des Hofrats von Seckendorff

Es war Hofrat Christoph Friedrich von Seckendorff-Aberdar zu Unternzenn, der dem Markgrafen Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach eine Heirat schmackhaft machte.

Zusammen mit der geborenen Ansbacher Prinzessin und verheirateten Herzogin Eleonore Juliane von Württemberg-Teck-Winnenthal arrangierte er die Ehe mit Christiane Charlotte, der Tochter der Herzogin.

Bis zum Tod des Markgrafen 1723 sollte der Hofrat maßgeblich die ansbachische Politik bestimmen und das politische Zepter in der Hand halten.

Die ältere Literatur meint, dass dies auch nach dem Tod des Markgrafen anhielt. Doch zeigt die neuere Studie von Andrea Schödl, dass die Markgräfin Christiane Charlotte als Oberbevormünderin ihres Sohnes Carl Wilhelm Friedrich die Regierung des Fürstentums Ansbach – und somit das Zepter – selbst in die Hand nahm.

Im Jahr 1999 schreibt Gerhard Rechter: „Der ausgezeichnete Verwaltungs- und Finanzfachmann (Seckendorff) sah wohl mehr in der preußischen denn in der überkommenen Staatlichkeit Frankens die Zukunft und bestimmte, getragen vom Vertrauen seiner seit 1723 verwittweten Fürstin (Christiane Charlotte), über lange Jahre die ansbachische Politik.“ (S. 45). Schödl antwortet darauf 2009 mit einem zeitgenössischen Zitat des Barons Carl Ludwig von Pöllnitz: „Sie (Christiane Charlotte) wollte >selbst ihr Premier-Minister sein und hatten ihre Räthe nichts anderes zu thun als ihre Befehle zu vollstrecken<.“ (S. 21)

Christoph Friedrich von Seckendorff rächte sich nach dem Tod der Markgräfin 1729, indem er in einem Gutachten 1730 die desolate finanzielle Lage des Fürstentums Ansbach dem Sohn und Nachfolger Markgraf Carl Wilhelm Friedrich darlegte. Der Markgraf rächte sich seinerseits an Seckendorff viele Jahre später. Markgraf Carl stellte den Unternzenner kalt, indem er dessen Neffen 1737 Christoph Ludwig von Seckendorff-Aberdar zu Obernzenn als neuen „maßgeblichen Minister“ (Rechter) berief, der gleichwohl den offiziellen Titel Geheimer Rat bekam.

Gleichwohl blieb Christoph Friedrich von Seckendorff weiterhin formell Premier-Minister, wie Gerhard Rechter erstaut feststellt: „Die politische Kaltstellung Christoph Friedrichs bedeutete freilich nicht den Verlust seiner hohen Verwaltungsämter.“ (Rechter 1997, S.60*). Um dies nach außen hin zu demonstrieren, ließ sich Seckendorff deshalb wahrscheinlich hinreißen, ein reelles – und kostbares! – Zepter in Auftag zu geben. Dieses wird jetzt in der Bayerischen Landesausstellung in der Orangerie zu Ansbach gezeigt (noch bis zum 6. November 2022).

Das Zepter des Christoph Friedrich von Seckendorff in der Landesausstellung zu Ansbach
Das Zepter des Christoph Friedrich von Seckendorff in der Landesausstellung zu Ansbach © Bayerisches Nationalmuseum München/Foto: Bastian Krack – 

Seckendorff wähnte sich offenbar als maßgeblicher Reichsritter im Kanton Altmühl mit dem Markgrafen gleichrangig – und forderte ihn mit diesem sichtbaren Zeichen deutlich heraus. Es nützte nichts. Markgraf Carl Wilhelm Friedrich ließ sich nicht erweichen, holte den älteren Seckendorff nicht mehr zurück. Christoph Friedrich von Seckendorff-Aberdar zu Unternzenn musste bis zum Tod des alten Markgrafen warten. Erst dessen Sohn und Nachfolger, Markgraf Alexander, reaktivierte Seckendorff wieder politisch in Ansbach. Das Zepter wurde also nicht mehr gebraucht. Es hatte schließlich seinen Dienst erfüllt.

Literatur:

Gerhard Rechter, Die Seckendorff, Band III/1, Neustadt an der Aisch 1997

Derselbe, Preußens Weg nach Franken. Der Erwerb der zollerschen Fürstentümer und die Rolle der adeligen Berater in Ansbach, in: Bayern & Preußen & Bayerns Preußen, Ausstellungskatalog, Regensburg 1999, S. 41-52

Andrea Schödl, Markgräfin Christiane Charlotte – Fürstin, Mutter und Frau, Sonderdruck Nr. 7, hg. vom Verein der Freunde Triedorf und Umgebung e. V., Triedorf 2009

Information

Bayerische Landesausstellung zum Thema „Typisch Franken?“, 25. Mai bis zum 6. November 2022 in der Orangerie Ansbach und in der Hofkirche St. Gumbertus Ansbach. Besuch täglich möglich von 9 bis 18 Uhr. Eintritt 12 Euro. Ermäßigungen. Ermäßigungen ebenfalls bei anschließendem Besuch des Markgrafenmuseums Ansbach und der Residenz Ansbach.

Markgraf Alexander zu Triesdorf und in Weidenbach

Markgraf Alexander hielt sich beständig zu Triesdorf auf. Nach Weidenbach zog es den Markgrafen allerdings zum Gottesdienst in die dort befindliche Hofkirche. Direkt unterhalb des Fürstenstandes hängt heute noch ein Bild von ihm. Auch im Pfarrhaus zu Weidenbach findet sich bis heute ein Portrait von ihm.

Wie nun das Verhältnis des Markgrafen Alexander zu Weidenbach aussah, versucht Dr. Arno Störkel in seinem Beitrag

„Triesdorf als Landsitz Markgraf Alexanders: Kultur auf beiden Seiten der Roten Mauer

zu klären.

Der Aufsatz ist enthalten im aktuellen Triesdorfer Heft Nr. 11 „Markgraf Alexander und sein Hof zu Triesdorf“ des Vereins der Freunde Triesdorf und Umgebung.

Markgraf Alexander mit Rotem und Schwarzem Adlerorden des Ansbacher Hofmalers Johann Michael Schwabeda. Pfarrhaus Weidenbach
Markgraf Alexander mit Rotem und Schwarzem Adlerorden des Ansbacher Hofmalers Johann Michael Schwabeda. Das Bild befindet sich heute im Pfarrhaus Weidenbach. Foto: Pfarrerin Simone Sippel.

Im selben Heft interpretiert übrigens die gebürtige Ansbacherin Dr. Barbara Eichner, Musikwissenschaftlerin an der Brookes-Universität in Oxford/England, die Rolle der Lady Craven in dem Essay „Die Komponstin und Schaupielerin Maria Theresia Gräfin von Ahlefeldt am Gesellschaftstheater zu Ansbach und Triesdorf“ völlig neu.  Die englische Schriftstellerei vermied es demnach, als Geliebte des Markgrafen am Hof gesehen zu werden – ganz im Gegensatz zu ihrer großen Gegenspielerin, der Mademoiselle Clairon. Vielmehr wollte Elizabeth Craven offenbar als Künstlerin wahrgenommen werden.

Und als jemand, der Karrieren anderer Künstler beförderte. Zum Beispiel die der Gräfin Ahlefeldt. So ist es auch zu verstehen, dass die Craven das alte Theater des Markgrafen Markgraf Johann Friedrich von Brandenburg-Ansbach als Neues Theater zu Ansbach und Triesdorf reaktivierte. Die Ahlefeldt konnte jedenfalls nach ihrer Zeit im Ansbachischen am Königlichen Theater https://kglteater.dk/en zu Kopenhagen/Dänemark reüssieren: Mit dem Ballett „Telemach auf der Insel der Kalypso“.

Ein Stoff übrigens, den die Ahlefeldt wohl aus der https://www.schlossbibliothek-ansbach.de/start/ kannte. Dort kann man heute noch die beiden Ausgaben Benjamin Neukirchs zum Telemach in Versform ausleihen: Die Begebenheiten Des Prinzen von Ithaca, Oder Der seinen Vater Ulysses suchende Telemach.

Markgraf Alexander und das Merinolandschaf zu Triesdorf

Die Merinolandschafherde zu Triesdorf auf der Weide. Foto: Kerstin Kerschbaum

TRIESDORF – Markgraf Alexander ließ im Jahre 1788 eine Schäferei als Musterbetrieb an seinem Wohnsitz in Triesdorf einrichten. Diese herrschaftliche Zuchtschäferei wurde als Schaafsverbesserungspflanzschule (Störkel 1995, S. 122) bezeichnet und sollte helfen, die Wollqualität des ansbachischen Landschafs insgesamt zu erhöhen. Eine höhere Wollqualität könnte sich am Wollmarkt, so die Hoffnung, in höheren Preisen niederschlagen. Und dies wiederum könnte für höhere Gewinne und somit Steuereinnahmen für den Markgrafen sorgen. Um dies zu erreichen, wurde in Spanien eine Herde Merinoschafe aufgetrieben, die dann mit Roussillon-Schafen aus Frankreich ergänzt wurde.

In ihrem Beitrag Triesdorf in seinen Anfängen bis zum Jahr 1847 zur Festschrift 150 Jahre Bildungszentrum Triesdorf schreiben Wilfried Ahrens und Friedrich Renner:

„Bereits 1788 wurde in Colmberg eine markgräfliche >Schafsverbesserungspflanzschule< gegründet, in die französische und spanische Merinos >verpflanzt< wurden. Die Absicht war, die Wollfeinheit des heimischen Zaupelschafes zu verbessern. In dem strengen Winter 1788/89 wurden von Spanien nach Triesdorf 130 Merino-Widder, 90 Merino-Mutterschafe und ein Manso-Hammel getrieben. Unterwegs nahm man in Perpignan noch 72 Roussillon-Mutterschafe dazu. Die Herde kam sehr geschwächt in Triesdorf an, so dass viele Tiere nachfolgend eingingen.“ (Ahrens/Renner 1998, S. 13f.)

Dem Vorhaben vorausgegangen war eine deutliche Kritik an der bisherigen Landwirtschaftspolitik im Ansbachischen durch den Aufklärer Johann Bernhard Fischer. In seiner zweibändigen Beschreibung des Burggraftums Nürnberg, unterhalb Gebürgs; oder des Fürstentums Brandenburg=Ansbach (Ansbach 1787) schreibt er im ersten Band auf Seite 217: „Die Schafzucht ist beinahe durchgängig sehr ansehnlich. An die Veredlung der Schaafe durch ausländische Böke ist aber dennoch zur Zeit nicht gedacht worden.“

Es scheint also, als ob Fischers Idee, durch den Import von ausländischen Zuchttieren die Wettbewerbsfähigkeit von ansbachischen Landschafen zu steigern, direkt in die Tat umgesetzt worden ist. Fischer war immerhin markgräflicher Beamter und wurde nach seiner Veröffentlichung sogar direkt zweimal befördert, wie Georg Seiderer in seiner Einführung zum Nachdruck der Beschreibung (Ansbach 2008, S. IVf. ) schreibt: Vom Regierungskanzlist in der markgräflichen Verwaltung (1777) zum Geheimen Registrator (1788) und Amtskastner in Gerabronn (1790). Und seine Beschreibung erhielt sogar noch eine 2. Auflage. Von seiner Karriere in preußischen und bayerischen bzw. württembergischen Diensten ganz zu schweigen.

Es stellt sich allerdings die Frage, wie diese Schaafsverbesserungspflanzschule tatsächlich aussah. War es nur eine Art Musterbetrieb für Schafhaltung, um den Bauern die Zuchtschafsböcke einfach auszuleihen? Arno Störkel sieht es so, dass „…eine herrschaftliche Zuchtschäferei errichtet (wurde), das Projekt also in eigener Regie behalten, und den Schäfern die Widder nur zur Zucht zur Verfügung gestellt.“

Musterbetrieb für Schafhaltung und Schäferschule

In seinem Standardwerk zur Deutschen Agrargeschichte kommt Alois Seidl allerdings zu dem Schluss, dass es sich dabei sicherlich um eine der ältesten landwirtschaftlichen Spezialschulen Deutschland handelte (vgl. Seidl 2014, S. 165). Immerhin war das Triesdorfer Projekt im Vergleich ziemlich verspätet, um nur ein einfacher Betrieb zu sein. „Die Schafzucht sollte vor allem durch die Einführung von Merinoschafen verbessert werden. 1765 wurden erstmals Merinoschafe in das Kurfürstentum Sachsen, 1785 in Preußen, 1788 auch in die Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach (Triesdorf) eingeführt.“ (Seidl 2014, S. 119).

Wollforschung in Triesdorf

Heute floriert die Schafhaltung mit ausschließlich Merinolandschafen der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf ganz beträchtlich. „Spitzenpreise für Triesdorfer Zuchtböcke auf den Süddeutschen Märkten der letzten Jahre sind ein Beleg für die erfolgreiche Zuchtarbeit.“ (Niklas/Sedlmeier/Zerboni 1998, S. 24). Um die Wollfeinheit der Triesdorfer Schafe weiter zu steigern, will Wilhelm Pflanz, Professor für Tierwissenschaft in der ökologischen Landwirtschaft und Dekan an der Fakultät für Landwirtschaft, Lebensmittel und Ernährung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die Wollforschung wieder in Triesdorf etablieren. Die Fachhochschule in Triesdorf wurde 1971 gegründet nach Auflösung der Ingenieurschule für Landbau in Triesdorf, die wiederum auf der 1847 gegründeten Ackerbauschule Triesdorf fußte. CARL-ALEXANDER MAVRIDIS

Quellen:

Wilfried Ahrens/Friedrich Renner, Triesdorf in seinen Anfängen bis zum Jahr 1847, in: 150 Jahre Bildungszentrum Triesdorf, Triesdorf 1998, S. 8-15

Johann Bernhard Fischer, Beschreibung des Burggraftums Nürnberg, unterhalb des Gebürgs oder des Fürstentums Brandenburg-Anspach, 2 Bände, Ansbach 1787

Landwirtschaftliche Lehranstalten Triesdorf und Triesdorfer Schulen (Hg,), 150 Jahre Bildungszentrum Triesdorf, Triesdorf 1998

Willibald Niklas/Johann Sedlmeier/Horst von Zerboni, Landwirtschaftliche Lehranstalten mit Landmaschinenschule und Tierhaltungsschule, in: 150 Jahre Bildungszentrum Triesdorf, Triesdorf 1998, S. 21-28

Kristina Schmidl, Warum hiesige Schafe feinere Wolle brauchen, in: Fränkische Landeszeitung, Ansbach, Ausgabe vom 10.08.2022, o. S.

Alois Seidl, Deutsche Agrargeschichte, Frankfurt am Main 2014, 2. Auflage

Georg Seiderer, Ansbachische Landeskunde in der Spätaufklärung – Johann Bernhard Fischers Statistische und topographische Beschreibung des Burggraftums Nürnbergs, unterhalb des Gebürgs, Einführung im Nachdruck, Ansbach 2008, S. III-XXI

Arno Störkel, Christian Friedrich Carl Alexander – Der letzte Markgraf von Ansbach-Bayreuth, Ansbach 1995

Sommertheater um Markgraf Alexander von Ansbach unter freiem Himmel

ANSBACH – Progressives Sommertheater im konservativem Ansbach unter freiem Himmel.
Das https://www.theater-ansbach.de/ gibt aktuell ein Spektakel über Markgraf Alexander, Mademoiselle Clairon und Lady Craven. Es wird im Alten Posthof getanzt, gesungen, drei Musikerinnen spielen E-Cembalo, Cello und Blockflöte. Und noch dazu wird mit dem Feuer gespielt (wundervoll: Joana Tscheinig).

Wer sich jetzt vorstellt, dass das Ganze nur ein Spaß ist, irrt sich gewaltig. Klar, es ist auch ein Spaß. Es ist aber auch ein Stück Heimatgeschichte. Ein Stück, das einen Politiker auf die Bühne stellt – auch ein Markgraf muss als solcher angesprochen werden -, der seiner Sache nicht gewachsen ist und folglich die Sache hinwirft und die Flucht ergreift.

Lady Craven siegt über Mlle. Clairon

Ob es jetzt die Craven ist, wie es immer wieder heisst und auch im Stück thematisiert wird, die ihm den Verkauf seiner Territorien Ansbach, Bayreuth und Sayn-Altenkirchen an Preußen schmackhaft macht oder gar einredet, muss offen bleiben.

Viel wahreinlicher ist – und das ist das Ergebnis der neuesten Forschung -, dass der Rücktritt als Landesfürst vielmehr die eigene Entscheidung des Markgrafen Alexander selbst war. Die Lady Craven gab nur die günstige Gelegenheit ab. Es ist halt so einfach, sich als Opfer der Umstände zu begreifen und die Verantwortung anderweitig zu deponieren.

Das Spektakel um Markgraf Alexander und seine beiden Mätressen Clairon und Craven – offiziell: C. C. Mätressen. Ein dokumentarisches BaRockmusical – ist keine schwere Kost und liegt nicht schwer im Magen. Im Gegenteil. Es ist wie ein Nachtisch. Eine feine Sache! Allerdings ohne Nachschlag. Eine Zugabe gibt es nämlich nicht. Schade!

Wer mehr sehen will, kann sich noch eine zweite Theaterkarte kaufen und noch einmal das Theater besuchen. Warum nicht? Weitere Vorstellungen sind am 21.,22.,23. und 24. Juli 2022.

Carl-Alexander Mavridis

Teetischplatte mit Falkenjagd auf Reiher in Landesausstellung Ansbach

ANSBACH/TRIESDORF – Die Landesausstellung thematisiert aktuell in Ansbach die Falkenjagd des Wilden Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach (1712-1757). Gezeigt wird dabei in einer Vitrine die bedeutsame Ansbacher Fayence mit Darstellung einer Falkenjagd auf Reiher zu Triesdorf. Diese Teetischplatte hat tatsächlich ihren festen Platz im Keramikmuseum in Ludwigsburg.

Diese Ansbacher Fayence zeigt wahrscheinlich diejenige Falkenjagd des Markgrafen, die der Fürst zur Feier des Besuchs seines Schwiegervaters und preußischen Königs, Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg-Preußen, am 29. Juli 1730 veranstaltete. Gefertigt hat dieses Meisterwerk vermutlich der ehemalige Meißener Porzellanmaler Carl Heinrich von Löwenfinck, der 1740 in der Fayencefabrik in Ansbach tätig war.

Jetzt stellt sich die Frage, warum diese Teetischplatte dann zehn Jahre nach dem Ereignis gefertigt wurde. Der heutige Standort in Ludwigsburg gibt den entscheidenden Hinweis. Denn Ludwigsburg war zeitweise die Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Württemberg.

Falkenjagd ist politisches Instrument

Im Jahr 1737 bestieg Carl Eugen von Württemberg im Alter von neun Jahren als Herzog den Thron und kam 1741 zur Erziehung an den Hof von König Friedrich II. von Brandenburg-Preußen nach Berlin. Auf dem Weg dorthin lernte er seine künftige Frau Elisabeth Friedrike Sophie von Brandenburg-Bayreuth kennen. Da bei der Triesdorfer Falkenjagd 1730 auch König Friedrich II. dabei war, damals freilich noch als Kronprinz, sollte die Teetischplatte also an die enge Verbindung von Ansbach und Berlin erinnern.

In dem Triesdorfer Heft Nr. 10 stellt Horst von Zerboni einleitend die Frage, wie denn die Falkenjagd des Markgrafen Carl zu beurteilen wäre. War sie fürstliches Hobby? Oder Sport? Oder staatliche Notwendigkeit? Wir sehen an der Ansbacher Teetischplatte jedenfalls, dass die Falkenjagd als politisches Instrument gebraucht wurde.

Teetischplatte mit Falkenjagd auf Reiher zu Triesdorf
Teetischplatte Falkenjagd auf Reiher zu Triesdorf aus der Fayencefabrik Ansbach
© Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart | Foto: P. Frankenstein/H. Zwietasch

Quelle: Verein der Freunde Triesdorf und Umgebung e. V., (Hg.), Die Falkenjagd des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, Triesdorf 2018 (=Triesdorfer Heft Nr. 10 mit Texten von Sigrid Schwenk, Arno Störkel, Wolfgang Wüst und Werner Mühlhäußer und weiterführender Literatur).